Die theologisch konservative „Konferenz Bekennender Gemeinschaften“ hält Präsenzgottesdienste auch in Corona-Zeiten für unerlässlich. Es sei „gegen das Gebot Gottes“, wenn Kirchengemeinden vom Gottesdienstbesuch abraten.

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Der Gottesdienst sei das Herzstück jeder Gemeinde und Seelsorge, sagte der Vorsitzende der Konferenz, der pensionierte Hamburger Pastor Ulrich Rüß, am Montag.  Der Aufruf zum Verzicht auf den Gemeindegottesdienst sei „ein Skandal, unverantwortlich und kirchenschädlich“.

Gottes Wort könne gerade in Corona-Zeiten Orientierung im Leben und Glauben geben, zur Buße rufen und für den Alltag stärken, so Rüß. „Gott will und darf nicht zum Schweigen gebracht werden – gerade in diesen besonderen Zeiten der Pandemie.“ Es stehe auch nicht im Belieben der Gemeinden und Pastoren, das heilige Abendmahl wegen der Pandemie ausfallen zu lassen. In Situationen, die besondere Hygienevorschriften erfordern, sei es nach lutherischem Verständnis auch möglich, beim Abendmahl nur das Brot als den Leib Christi zu empfangen und auf den Wein zu verzichten.

Digitale Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet seien kein Grund, Präsenzgottesdienste ausfallen zu lassen, kritisierte Rüß. Sie seien eine gute Möglichkeit für Menschen, die am Gottesdienstbesuch verhindert sind, aber kein Ersatz. „Für Gott darf im Gotteshaus kein Schweigegebot gelten.“

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18 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Da hat die Konferenz absolut Recht! Gläubige Christen sollen und müssen Gemeinschaft miteinander haben und selbstverständlich auch regelmäßig das Abendmahl miteinander feiern, was übrigens auch mit den ganzen Hygienevorschriften immer noch möglich ist, wenn man denn nur will.

    Online-Gottesdienste und auch Treffen über Zoom, Skype etc. sind definitiv kein gleichwertiger Ersatz für persönliche Treffen. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich z.B. beim Treffen einer Kleingruppe persönlich gegenübersitzt und miteinander betet oder ob man das über das Internet tun muss.

    Daher finde ich, dass Kirchen und Gemeinden – wenn es irgendwie möglich ist – Präsenzgottesdienste favorisieren und anbieten sollten. Es ist wunderbar, wenn es zusätzlich noch eine Übertragungsmöglichkeit über das Internet gibt, damit auch die Menschen, die nicht persönlich kommen können oder mögen, am Gottesdienst teilnehmen können.

    • Könnte es nicht möglich sein, dass Gott uns die Gelegenheit gibt, unsere Traditionen zu hinterfragen? Dass wir Vieles nur deshalb tun, weil wir es „schon immer“ so getan haben?

    • Das ist vielleicht ein bisschen einfach, zu sagen: „Da hat die Konferenz absolut Recht!“
      Ich bin selber Pastor und sehe den Gottesdienst schon als das Herz des Gemeindelebens. Auch der Verzicht auf die Feier des Heiligen Abendmahles fällt mir unendlich schwer. Und wo immer es möglich ist, feiere ich Gottesdienste mit kleinen Gemeinden unter vielerlei Einschränkungen. Mir fehlt der gemeinsame Gesang, die herzliche Umarmung.
      Aber ich erlebe auch, dass immer wieder – gerade aus dem freikirchlichen Bereich – Gemeinden meinen, all diese Einschränkungen ignorieren zu können, weil das „Gottes Wille und Gebot“ sei. Geht es denn noch?
      Ein paar Zitate aus dem Wort Gottes, der Bibel:
      Römer 12, 1: Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
      Jakobus 1, 27: Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.
      Sirach 1, 17: Die Furcht des Herrn ist der rechte Gottesdienst;
      Sirach 35, 5: Von Sünden lassen, das ist ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt; und aufhören, Unrecht zu tun, das ist ein rechtes Sühnopfer.
      Ich liebe und schätze die liturgischen Gottesdienste, aber von denen ist hier nicht die Rede. Und manchmal ist es eben auch ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt, wenn wir aus Rücksicht das eine oder andere mal lassen.
      Ganz generell bleibt natürlich auch die Frage, ob eine Versammlung von durchschnittlich 3 – 5 % der Gemeindeglieder wirklich noch die „Mitte der Gemeinde“ ist, auch wenn ich das gern so sehen möchte …

  2. Als Bibelleser frage ich mich, woher die o.g. Gemeinden ein Gebot haben, das die Abhaltung von Gottesdiensten vorschreibt. In der Bibel steht dergleichen jedenfalls nicht. Es wird lediglich gemahnt, die (stattfindenden) Gottesdienste zu besuchen. Auch wennn man davon absieht, dass Paulus mahnt, der Obrigkeit zu gehorchen ist es m.E. im Sinne aller Gebote in der Bibel, die sich auf das menschliche Miteinander beziehen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Also z.B. Mitmenschen vor Ansteckung und Klinik- und Pflegepersonal vor Überlastung zu schützen. Gott redet nicht nur im Gottesdienst und wird durch das Verbot von Gottesdiensten keinesfalls ‚zum Schweigen gebracht‘. Ja, Menschen benötigen jetzt besondere Seelsorge – aber das geht auch telefonisch oder per Videokonferenz. Wir haben in unserer Gemeinde sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ich verstehe das Anliegen von Herrn Rüß und bedaure selber sehr, dass z.Zt. keine Präsenzgottesdienste stattfinden. Aber wir sind auch zur Geduld und zur Besonnenheit aufgerufen – gerade in quälenden Zeiten wie einer Pandemie. Ich bin sicher, Gott findet auch (vorübergehend!) ohne Gottesdienste Zugang zu uns; vielleicht manchmal sogar besser als mit.

  3. Gottesdienste sind keine Veranstaltungen, sondern wesentlich im Leben eines Christen.
    Es kann gute Gründe geben nicht in Gottesdienst zu gegen, Corona kann kurzfristig so ein Grund sein. Aber nicht auf Dauer!

  4. Ich finde Präsenzgottesdienste sehr wichtig.
    Onlinegottesdienste können diese nicht ersetzen.

  5. Konservative Gemeinschaften fordern Präsenzgottesdienste

    Konservative Gemeinschaften fordern Präsenzgottesdienste: Es ist selbstverständlich eine Gewissensentscheidung von Gemeindeleitungen, Kirchenvorständen und -leitungen, sich für oder gegen Präsenzgottesdienste zu entscheiden. Aber der Aufruf zum Verzicht auf solche Gottesdienste sei ein Skandal, unverantwortlich und kirchenschädigend, sagen sie. Wenn ich dies lese, bleibt es für mich eine Überwindung, nicht in einer nicht mehr so anständigen Sprache Tacheles zu reden.

    Ich weiß aus dem Jahre 2001 wie es ist, aufgrund eines schweren Asthmaanfalles auf der Intensivstation zu liegen, kein Medikament schlägt an und die bemühte Ärztin verabreicht mir zum Schluß Wehenhemmer, die auch bei Männern als das stärkste bekannte Asthmamittel gelten, den Puls aber in Rekordhöhe hochtreiben. Ständig in Todesangst nach Luft zu ringen, setzt Urängste frei, denn es ist wie bei einem Ertrinkenden. Ich werde zwar beatmet, aber es nutzt wenig. Nur der volle Tablettencoctail bewirkt schließlich, dass neben der Angst auch fast alle Gefühle weg sind. Aber die Uhr an der Wand der Intensivstation braucht gefühlte 10 Stunden, um 5 Minuten zu überwinden. Schließlich werde ich in ein künstliches Koma versetzt und stehe nach drei Tagen schon wieder im Flur auf der Normalstation. Alle sagen: „Es ist ein Wunder“!.

    Ich will damit sagen: So geht es bei den schlimmen Verläufen bei einer Coronainfektion. Selbst bei mildem Krankheitsbild leiden manche noch (teilweise massiv) sechs Monate oder länger – dies sind jetzt schon die Erfahrungen bei gewesener Ansteckung. Obwohl ich nicht an covid19 leide, habe ich heute noch Albträume keine Luft zu bekommen. Ich kann mich daher gut in Menschen hineindenken, die vom neuen Grippevirus malträtiert werden.

    Gott respektiert unsere Gewissensentscheidungen, die immer mit Abwägungen verbunden sind. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass mutierte Viren noch schlimmere oder höhere Krankheitsverläufe möglich machen. Zudem gibt es wunderschöne, liebevoll vorbereitete und von vielen Menschen im Netz besuchte Online- und Fernsehgottesdienste. Es braucht nur ein wenig Phantasie und Fleiß, mit Menschen als Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Auf Abendmahlsgottes-dienste zu verzichten, geht auch, obwohl ich das Abendmahl für sehr wichtig halte. Auch in Kirchen herrschen die Naturgesetze und daher muss man auch dort Vorsicht üben. Es wäre kein gesundes Gottvertrauen, solche Ansteckungs-risiken bei sich selbst oder anderen klein zu reden. Man muss sich ja auch beim Straßenverkehr anschnallen.

    Heißt es nicht so schön: Glaube, Hoffnung und Liebe – aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Anders übersetzt von mir:
    Es gibt mein ernsthaftes und bemühtes Christsein, ein große Vertrauen in Gott, aber die Liebe ist dabei am wichtigsten. Gott gab jeder und jedem ein Gewissen, Vernunft und einen Freien Willen, damit wir ethische Entscheidungen treffen. Daher ist die Abkanzelei an dieser Stelle unter der Maxime der Rechtgläubigkeit wenig christlich.

    Ich akzeptiere, wenn Präsenzgottesdienste stattfinden und andere Menschen anders entscheiden. Wir tragen aber für alles, was wir tun oder nicht tun, auch jederzeit Verantwortung. Aber solche Gottesdienste mit einer körperlich nicht anwesenden Gemeinde nicht durchzuführen als Skandal zu bezeichnen – da fehlen mir die Worte.

  6. Skandalös sind vielleicht diese Verdrehungen. Die eigentliche Frage ist: Wie kann man auch unter diesen Bedingungen Gottesdienste feiern und Seelsorge leisten.
    Herr Rüss offenbart leider nur, dass er nicht weiter gedacht hat als bis zur Tür seiner Kirche. Auch mich wirkt das sehr befremdlich, engstirnig und unsolidarisch. Was sagt das über die „Konferenz Bekennender Gemeinschaften“?

    • Lieber Sebi,

      ich versuche in meinem Glaubensleben, mich nicht in irgendwelche Schubladen einordnen zu lassen. An Evangelikalen stört mit nicht dass sie evangelikal sind, das bin ich eigentlich auch, aber ihre (manchmal) größere Intoleranz. Oder (vorallem) bei Fundamentalisten, biblische Texte nicht auszulegen, schon gar nicht vom NT her. Es ist schwierig, auch bei einer klaren Haltung keine Vorurteile zu entwickeln. Ich betrachte auch die Bekennenden Gemeinschaften genauso als meine Mitchristen wie diejenigen, die mit der Bezeichnung ihrer Gemeinschaft nicht dick unterstreichen, dass sie die besseren Christen sind. Ich muss mich nicht für ein „Entschiedenes Christentum“ entscheiden, wenn auch das ganz normale Christentum mit Entscheidung (vielleicht sogar öfters neu) essentiell verbunden ist. Ich würde nicht gerne das Kind mit dem Bade ausschütten, denn unter Christen gibt es vielfältige Meinungen, auch zu ganz grundsätzlichen Fragen.

      • < Oder (vorallem) bei Fundamentalisten, biblische Texte nicht auszulegen, schon gar nicht vom NT her.

        Nach meiner Erfahrung legen Fundamentalisten, die sich auf Bibeltreue und Worttreue berufen, die Bibel erheblich aus. Nämlich immer dann, wenn sich ihre Überzeugung dort wörtlich nicht wieder findet oder das Wort ihrer Überzeugung widerspricht.

        Das wörtliche Verständnis geht in der Regel nur so weit, wie es ihren Interessen dient. Also in der Regel als Argumentation gegen andere Überzeugungen und Lebensweisen, die sie ablehnen.

        Aber die Stellen zu Armut und Reichtum, dem Teilen von Vermögen, den Speisegesetzen der Apostelkonferenz ausdrücklich für Christen, die vorher keine Juden waren u.v.m. wird doch in der Regel deutlich umgedeutet, bis es wieder für sie passt.

        • Lieber Joerg,

          da bin ich ganz mit dir übereinstimmend. Ich denke wahrscheinlich beim Lesen deines Textes an die gleiche Gemeinschaft, die gerne von Haus zu Haus geht, auch ganz liebe Nachbarn sind, aber auf der anderen Seite ihre Kinder verstoßen. Man darf ja auch keine Blutwurst essen und wird rettende Blutspenden verweigern. Problematisch wird es immer, wenn man nur die Texte für wortwörtlich nimmt, die einem in die eigene Lehre passen und durchaus die anderen sinnbildlich nimmt – oder sie einfach ignoriert. Meine Cousine war ihnen damals weggelaufen, so dass sie noch lange Zeit kamen und meist sonntags in unserem Wohnzimmer sassen. Mein Vater stellte ihnen damals Fragen, die sie nicht beantworten konnten, weil sie in ihrer Lehre nicht vorkamen. Irgendwann sind sie ausgeblieben.

          • Moin,

            nein, an die dachte ich nicht. Die ZJ nehmen ja meines Wissens auch nicht wörtlich sondern lassen durch die Wachturmgesellschaft interpretieren.

            Ich dachte schon an die Christen, die sich selbst gern verbalinspiriert o.ä. nennen.

  7. Jesus ist allen Menschen nah, egal wo sie sind und besitzt die Macht auch in Coronazeiten.zu segnen und Begegnung zu schenken.
    Den Sonntag/Feiertag heiligen ist sein Gebot.
    Das tu ich am liebsten in der Gemeinde, aber lebensnotwendig ist das nicht.

  8. Die Hygienevorschriften müssen sowieso einghalten werden, sonst darf kein Godi stattfinden, außerdem sollte, weil weniger Leute als sonst zugelassen werden, der Godi noch über You tube o. ä. zu sehen sein. Wenn Mini-Einmalbecher verwendet werden, kann auch das Abendmahl auf kleinen Tellern o. ä. angeboten werden, vorausgesetzt der Austeilende trägt Mundschutz und Einmalhandschuhe. Gemeinschaft ist wichtig, auch wenn die Anbetungslieder nur online auf der Leinwand zu sehen sind, statt dessen können die Besucher die Gemeinde z. B. durch persönliche Erlebnisse etc. an ihrem Leben teilhaben, auch das dient zur Ehre Gottes.

  9. 1. Schon der Begriff „Gottesdienst“ ist irreführend. Nicht an einer Stelle wird er im Neuen Testament für die Bezeichnung einer Versammlung verwendet. Das Wort Gottesdienst, d.h., Gott dienen, bezeichnet a) das lebendige Opfer auf Seinem Altar und b) die Hilfe fürWitwen und Waisen. Das erste fehlt in der heutigen CHristenheit weitestgehend, das zweite scheinen die diakonischen Einrichtungen und die Pastoren und andere hauptberuflich davon Lebenden zu übernehmen.
    2. Kennzeichnend für das Jahr 2020 ist die Sprachlosigkeit der Christenheit, die selbst die Ungläubigen wahrnehmen. Wo gibt es die Stadt auf dem Berg, d.h. das gemeinsam getragene Licht des Herrn durch Seine Gemeinde in die Welt hinein? Naja, durch welche der Gemeinderichtigungen, so würde man sich fragen. Und so wie die Christenheit sich den Ungehorsam leistet, in 100 Richtungen zu zerfallen, je nach der eigenen theologischen Sicht oder Vorliebe, so hat sie 100 Meinungen zum Thema, und schmückt dies noch mit schönen Worten wie „Einheit in der Vielfalt“.
    3. Was der Herr tut, wenn das Salz nicht mehr salzt, hat er angekündigt. Ich denke, die Kirchenschließungen im Frühjahr 2020 war das erste Mal in der gesamten Geschichte ein weltweiter Vorgang (selbst bei der sog. Spanischen Grippe, die eigentlich eine amerikanische war, geschah dies nur regional). Für das Verbieten der Versammlungen benötigte der Herr nicht einmal eine „Christenverfolgung“ durch eine kommunistische oder andersartige diktatorische Regierung.
    4. Siehe dazu Amos 3 und 5.

    • Wir sollten Licht der Welt sein

      Lieber Achim,
      wir sollten das Licht der Welt sein und Salz der Erde. Das geschieht durchaus in der weltweiten Christenheit, die bunt ist in Frömmigkeitstraditionen und durchaus auch mit unterschiedlichen theologischen Auffassungen. Dass wir Christinnen und Christen, egal ob aus einer der beiden großen Kirchen, der kleineren oder kleinen Freikirchen kommend, uns nicht auf Punkt und Komma vorschreiben lassen was wir zu glauben haben, spricht durchaus für uns. Wichtig ist, dass wir die Einladung zur Nachfolge Jesu Christi annehmen. So wie die großen Gestalten des Alten Testamentes, der Israeliten oder wie im Neuen Testament Saulus/Paulus plötzlich Gott begegnen -(dürfen) – darum geht es. Mir ist wichtig, dass ich innerlich, in meiner Seele, meinem Gott begegne, ich ihm Raum und vor allem Vertrauen in meinem Leben einräume. Das geht sehr gut im Präsenzgottesdienst, aber auch in meiner stillen Kammer. Dazu brauche ich Gemeinschaft. Wenn wir aber darum streiten, Gottesdienste ganz ausfallen zu lassen um Menschen vor einer ganz schlimmen Krankheit zu verschonen, unterstelle ich hier immer christliche Liebe und Verantwortung. Es gibt genug unfriedlichen Streit, Gräben zwischen Christen und bisweilen auch wenig Lebendigkeit und Freude am Glauben. Aber ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, über Dogmen zu diskutieren, wer zu wenig rechtgläubig ist, sondern den Balken aus meinem Auge ziehen. Ich wünsche uns Gott als eine geistliche Wirklichkeit anzusehen, jemand der größer ist als das Universum sowie größer als unsere Vorstellung von ihm: Und obwohl er der Schatten über meiner rechten Hand ist, dennoch uns Gedankenfreiheit lässt. In viele Richtungen zu zerfallen ist perse kein Ungehorsam, sondern es ist (leider) menschlich. Soweit die Bibel uns Glaubenserfahrung und Verkündigung aus Jahrtausenden übermittelt, ist sie nicht widerspruchsfrei: Weil Menschen es unterschiedlich weitersagten

      • Hallo, Bernd Hehner,
        Sie schreiben: Wichtig ist, dass wir die Einladung zur Nachfolge Jesu Christi annehmen.“ Ja, warum widersprechen Sie dann umgehend dem, was Jesus als Bedingung der Nachfolge genannt hat. Für Ihre vielen Überlegungen zum heute vorhandenen Christentum werden Sie keine Belege in den Heiligen Dokumenten des Neuen Testamentes finden. Ich könnte im Moment keinen der Paulinischen Briefe nennen, die eine solche Beliebigkeit erlaubte. Aber nicht nur des Paulus: Ich denke, Sie weigern sich einfach, Aussagen von Jesus, von Paulus, Petrus, Jakobus, Johannes so ernst zu nehmen, wie sie ausgesagt wurden. Beispiele? „Wer nicht absagt allem, kann nicht mein Jünger sein.“ „Ist denn Christus zertrennt?“ „Du sagst, das du lebst, aber du bist tot.“

        • Hallo Achim,

          das von dir Geschriebene ist schon ganz schon krass. Zuerst: Ich sei (geistlich) tot. Zweitens: Alle diese viele Kirchen berufen sich auch auf Jesus, Paulus, Petrus, Jakobus und Johannes. Ich nehme es da auch mit der Bergpredigt und (versuche) mir zuerst den Balken aus meinem eigenen Auge zu ziehen. Wäre die Christenheit aber kein bunter Blumengarten, von dem ich überzeugt bin dass Gott ihn will, wären wir wie eine zentral gesteuerte Sekte, wo man in irgendeiner Zentrale den Glauben auf Punkt und Komma festlegt – und dann müssen es alle so glauben. Christsein ist etwas lebendiges mit Wachstum – und mit Gottesbegegnung. Es für eine bestimmte Richtung des Glaubens festzulegen, halte ich für fatal. Übrigens kann es für meine Überlegungen und Erfahrungen keine Belege in den Heiligen Schriften geben, denn seit ihrer schriftlichen Niederlegung sind 2000 Jahre vergangen oder noch länger. Gott, Jesus Christus und der Heilige Geist, hat es ja den Bibelautoren nicht in ihre Feder diktiert, was Glaube ist. In der Bibel lesen wir die Schilderung von Glaubenserfahrung, Gottesbegegnung – aber auch der Weltsicht der damaligen Menschen: Gotteswort ist immer Gotteswort durch Menschenwort. Daher kann ich damit leben, dass biblische Widersprüche nur die Widersprüche in den Meinung derjenigen sind, die uns in den Texten der Bibel das Evangelium verkündigen. Etwa so, wie auch der gläubigste Prediger oder Pfarrer nicht nur Gottes Wort, sondern manchmal unbewusst seine eigene Meinung mitverkündigt. Oder auch ganz bestimmte Vorurteile.
          Diese Sichtweise vertreten die allermeisten Christen und ich halte sie für absolut richtig. Es geht mir ja um ein geistliches Verständnis von Gott und kein dogmatisches.

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