In Kuba sind rund hundert Mitglieder der oppositionellen Gruppe «Damen in Weiß» kurzzeitig festgenommen worden.

Nach dem Besuch einer Messe im Zentrum der Hauptstadt Havanna seien die Frauen von Uniformierten abgeführt worden, berichtete die Zeitung "El Nuevo Herald" am Montag (Ortszeit). Bei ihrer Festnahme leisteten die Frauen keinen Widerstand, sondern riefen nur "Freiheit". Die Aktion der Sicherheitskräfte wurde von Dutzenden Regierungsanhängern mit "Viva Fidel, Viva Raúl"-Rufen begrüßt.

 Mit ihrem Gottesdienst erinnerten die "Damen in Weiß" an den Untergang eines Schleppers vor 20 Jahren, der mit Flüchtlingen auf dem Weg nach Florida war. 37 Menschen ertranken dabei. Auch in Florida gedachten Exilkubaner mit Kerzen der Katastrophe auf dem offenen Meer.

 Menschenrechtsorganisationen kritisieren, immer mehr Regimekritiker würden über einen kurzen Zeitraum von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen festgenommen, um sie so an der Teilnahme von Demonstrationen oder Versammlungen zu hindern. Grundlage ist ein Gesetz, das präventive Verhaftungen erlaubt. Im vergangenen Jahr wurden laut der oppositionellen kubanischen Menschenrechtsorganisation CCDHRN auf diese Weise 6.424 Menschen willkürlich wegen politischer Motive kurzzeitig festgenommen.

 Die Aktivistinnengruppe "Damen in Weiß" wurde 2003 von Ehefrauen und Familienangehörigen nach einer politischen Verhaftungswelle gegründet, um für die Freilassung der Inhaftierten zu kämpfen. 75 Dissidenten wurden damals zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, was auch international scharfe Proteste hervorrief. Seitdem marschieren sie jeden Sonntag, ganz in Weiß gekleidet, trotz Demonstrationsverbot still durch die Straßen Havannas. 2005 erhielten sie vom Europäischen Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte verliehen.

(Quelle: epd)