Kurt Beutler: Die Reform des Islam

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Die Auseinandersetzung des europäischen Abendlandes mit dem Islam ist eigentlich fast so alt wie der Islam selbst. Kein Wunder angesichts der raschen Expansion der damals neuen Religion im 7. Jahrhundert und der realen militärischen Bedrohung für die damals christlich dominierten Länder. Auch Martin Luther setzte sich mit dem Islam auseinander, kam es doch zu seinen Lebzeiten zur ersten Belagerung Wiens durch die Osmanen. Spätestens mit den Anschlägen des 11. September 2011 wurde der Islam in Deutschland wieder zu einem Mega-Thema, noch verstärkt durch die Flüchtlingskrise im Mittelmeerraum. Deutschland ist in seiner Einstellung zum Islam extrem gespalten: Ganz rechts der AfD-Pegida-Komplex, der dazu tendiert, im Zweifel alle Muslime zu verteufeln, auf der anderen Seite diejenigen, für die der Islam nicht nur zu Deutschland gehört, sondern kritische Rückfragen gerne recht schnell mit dem Vorwurf der Islamophobie beantworten.

Der (Schweizer) Theologe und Islamkenner Kurt Beutler gehört beim besten Willen keiner dieser beiden Extreme an, sondern betrachtet den Islam so, wie ihn möglicherweise auch Jesus betrachten würde. Das ist sicherlich eine steile Aussage, aber die Thesen seines Buches vertreten eine sehr überraschende Sichtweise. Es findet sich keinerlei Polemik, aber eben auch kein Kuschelkurs, der im Zweifel lieber unbequeme christliche Standpunkte aufgibt.

Den islamischen Propheten Mohammed sieht er als einen recht widersprüchlichen Mann, der seine Strategie immer wieder geändert hat, was sich seiner Meinung nach auch im Koran widerspiegelt. Dazu kommt noch, dass der Koran nicht chronologisch abgefasst ist, sondern nach Länge der Suren. Aufrufe zur Friedfertigkeit und zur Gewalt stehen oft unvermittelt nebeneinander. Dieser Umstand dürfte noch einigermaßen bekannt sein. Der Autor lässt verschiedene islamische Gelehrte zu Wort kommen und geht auch auf seine radikalen Vertreter und problematische Aspekte wie die verbreiteten „Ehrenmorde“ ein. Wichtiger Aspekt ist auch das islamische Gottesbild, das Allah zwar als „den Größten“ ansieht, aber gerade deshalb auch mit Klauen und Zähnen gegen jede Kritik verteidigt. Diesem steht der Gott der Bibel gegenüber, der sich im Gegensatz dazu nicht nur von Menschen kritisieren und anklagen – sondern durch die Kreuzigung seines Sohnes Jesus sogar umbringen lässt. Vor diesem Hintergrund sieht er auch die Kreuzzüge eher als Ausnahmeerscheinung im Vergleich zur deutlich länger dauernden islamischen Expansion – und daher als Argument gegen das Christentum eher wenig stichhaltig.

Auf der anderen Seite hält er auch dem zunehmend entchristlichten „Westen“ den Spiegel vor, der dem Islam keine theologischen Antworten geben kann, indem er feststellt, dass Muslime ihren Glauben im Prinzip viel ernster nehmen als westliche Christen. Gerade in dieser Hingabe der Muslime an Allah sieht er große Chancen dafür, dass diese sich im Fall einer Öffnung für Jesus ähnlich radikal wie Paulus verändern lassen – und diese Hingabe eben mit Blick auf Jesus und mit einer neu gewonnenen „Freiheit eines Christenmenschen“ beibehalten, was nach Beutlers Sicht ein großer Segen für Europa werden könnte. Beutlers Vision ist im Grunde – kurz zusammengefasst – die Erlösung des widersprüchlichen, gesetzlichen Islam durch einen neuen Blick auf Jesus, der im Islam ja durchaus eine bedeutende Rolle spielt, aber durch eine falsche Interpretation des christlichen Glaubens durch Mohammed stark verzerrt wurde.

Von Johannes Renz

Leseprobe (PDF)

Verlag: SCM Hänssler
ISBN: 978-3-7751-5969-2
Seitenzahl: 160
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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