Jesus gibt seinen Nachfolgern das Gebot, nicht nur einander, sondern sogar ihre Feinde zu lieben. Josef Bordat fragt sich: Geht das überhaupt? Was hat Feindesliebe mit Selbstliebe zu tun und wie sieht das konkret aus?

„Den Feind lieben, das heißt, nicht zuzulassen, dass die Feindschaft das eigene Leben und die Beziehungen zu anderen Menschen belastet.“

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Das negative Ping-Pongspiel unterbrechen.

    Das negative Ping-Pongspiel unterbrechen: Also sich auf den Weg zu machen, einen vielleicht nur verbalen Angriff nicht mit einem Gegenangriff zu kontern, sich nicht auf der gleichen destruktiven Ebene einer Kommunikation zu begegnen und dann Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Hass erzeugt neuen Hass. Vor vielen Jahren nahm ich an einer Fortbildung teil, in der zahlreiche Mitarbeiter*innen aus Jugendämter an ihren Erfahrungen arbeiteten. Einige jener Kolleginnen und Kollegen konnten es nicht mehr aushalten, im total ausgetragenen Rosenkrieg jeweils zweier Paare immer nur zwischen den Fronten zu agieren, nicht nur mit zwei völlig gegensätzlichen Wahrheiten konfrontiert zu sein, sondern selbst zum Mitspieler dieses Spieles zu werden. Sicher ist es notwendig, sich nicht mit hineinziehen zu lassen. Aber andererseits soll hier ein Mensch Schiedsrichter spielen und dabei einen Rechtsrahmen anwenden, der neutrale Entscheidungen erfordert: Also aushalten !

    Die Supervisorin hatte kleine Krokodile aus Plastik mitgebracht und deutete zeichenhaft an, was da stattfindet: Die sind bissig, die greifen an und beißen, vielleicht beide Tiere mich von beiden Seiten. Also auch der Schlagabtausch zwischen zwei anderen Menschen betrifft mich u.U. hart. Etwa in der Familie, in der – wenn man sich nicht für eine Seite entscheiden will – schnell zwischen allen Stühlen sitzen kann. Übrigens gibt es dass auch in der Politik. Echtes Querdenken ist verboten.
    Seit dieser Zeit frage ich mich immer, wie man sich den banalen oder auch den sehr ernsten Konflikten entziehen kann ohne feige zu flüchten. Ich meine, dass es dann notwendig ist, nicht (mehr) Teil des Konfliktes zu sein und daher für die eine oder andere Seite vorschnell zu votieren. Der Königsweg wäre der Kompromiss. Aber kann man zwischen Pest und Colera einen Kompromiss machen ? Wie würde Jesus das handhaben, wäre er heute hie r? Ich bin davon überzeugt, dass es für uns Christinnen und Christen nur so geht, dass wir die Liebe über alles stellen. Im Falle eines zwischenmenschlichen Konflikten nutzt es ja nichts, einen – bildlich gesehenen – Zuckerguss über alles zu gießen. Zu lieben im Sinne von Nächstenliebe bedeutet, sich in das oder die Gegenüber hinein zu versetzen. Vielleicht sogar ihren Zorn nachzuvollziehen. Ich müsste so weit gehen, den Anderen oder die Andere in diesem Moment des Unfriedens trotzdem zu verstehen versuchen und auch zu akzeptieren. Für Diplomaten bedeutet dies zu reden, reden, reden und nochmals reden. Chinesen verlieren ihr Gesicht, wenn sie den Wünschen eines Gegenübers nicht entsprechen können und die trinken dann viele Tassen Tee miteinander, wobei sich dann eine Lösung findet. Oder einfach der Aggressionsspiegel heruntergefahren wird. Gegner oder sogar Feinde kann ich mir zu Freundinnen oder Freunden machen, weil es Wandel durch Annäherung gibt. Ganz bewusst einer anderen Menschin oder einem anderen Menschen zu vergeben und es auch zu sagen sowie innerlich zu vollziehen, ist fast völlig aus der Mode gefallen – vielleicht war es auch nie modern. Vergebung bedeutet dann, dass ich einen Strich unter alles mache und es nicht mehr gilt. Oder noch besser: Ich verbrenne bildlich gesehen den Zettel mit der Schuld. So wie es Gott tut, wenn Jesus am Kreuz stirbt und ich von aller meiner Schuld und Sünde befreit bin. Die Sünde wurde ans Kreuz genagelt und sie ist dort wie in einem Dokument ungültig erklärt. Dies dokumentiert die völlig kostenlose und unverdiente Liebe Gottes. Wenn ich und wir vielleicht wieder mehr an das stellvertretende Leiden Christi glauben, können wir unangenehme Zeitgenossen möglicherweise ertragen, akzeptieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Eines ist mir klar und ich bin froh, es noch nicht wirklich ausprobieren zu müssen: Ich darf über keinem Menschen entgültig den Stab brechen, weil Gott es auch mit mir nicht tut. Fazit: Feindesliebe ist den Anderen nie aufzugeben, keinen Stab über ihm zu brechen und sich mit ihm langfristig zu versöhnen. Das ist harte Arbeit. Dabei wird es immer Menschen geben, wo dieses nicht geht, Aber hassen geht nicht.

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