Bund und Länder haben konkrete Regeln für Weihnachtsgottesdienste beschlossen. Die katholische Kirche zeigt sich erleichtert, dass sie nicht verboten werden. Es gibt aber auch Appelle, Veranstaltungen wegen des Infektionsgeschehens abzusagen.

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Nach dem von Bund und Ländern beschlossenen härteren Lockdown ab Mittwoch müssen die Kirchen erneut über die Weihnachtsgottesdienste beraten. Der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, wertete den Beschluss als Möglichkeit für die weitere Feier von Gottesdiensten zum jetzigen Zeitpunkt und begrüßte die Entscheidung. Er rief zugleich zu «äußerster Vorsicht und der strikten Einhaltung aller vorhandenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen» auf. Wenn erforderlich würden weitere Gespräche auf Länder- und Bundesebene geführt, erklärte er.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte vor den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer erklärt, dass er Gottesdienste an Weihnachten für verantwortbar halte, weil Schutzmaßnahmen von den Kirchen peinlich genau eingehalten würden. «Gerade an diesem Weihnachtsfest ist die Kraft der Weihnachtsbotschaft so wichtig, die diesen Tagen ja überhaupt nur ihren tiefen Sinn gibt», schrieb der bayerische Landesbischof am Samstagabend auf Facebook.

Maskenpflicht, Abstand und kein Gesang

Bund und Länder beschlossen am Sonntag für Gottesdienste konkrete Regeln: mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen Teilnehmern, Maskenpflicht, kein Gesang und Anmeldepflicht. Das Bundesinnenministerium soll Merkel zufolge erneut mit den Kirchen Gespräche über die Gottesdienste führen.

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Abstimmungen zwischen den evangelischen Kirchen in Deutschland und der katholischen Kirche hätten bereits begonnen, erklärte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag in Darmstadt. Der Krisenstab der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werde über das weitere Vorgehen beraten und die aktualisierten Empfehlungen veröffentlichen. Dies sei ab Mitte der Woche zu erwarten.

«Alle wollen, dass die Weihnachtsbotschaft Menschen erreicht und stärkt, und alle wollen, dass Menschen geschützt und nicht gefährdet werden», erklärte Jung und ergänzte: «Es würde zu Recht als ein Widerspruch zur Botschaft des Festes empfunden, wenn Gottesdienste Menschenleben gefährden.»

Gespräche zwischen Politik und Kirche

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte am Sonntag in Wiesbaden für die nächsten Tage Gespräche mit den Kirchen über die Weihnachtsgottesdienste an. Eine Absage aller Gottesdienste an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen, wie sie der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), ins Gespräch gebracht hatte, schloss er aus.

Brinkhaus hatte die Kirchen aufgefordert, Gottesdienste an Weihnachten zu überdenken: «Ich appelliere an die Einsicht der christlichen Kirchen, die kirchlichen Veranstaltungen so weit wie möglich zurückzufahren und nach Alternativen zu suchen, um die Gläubigen keinem Risiko auszusetzen», sagte er der «Rheinischen Post» (Samstag).

Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung ist nach den Worten von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bereits mit den Kirchen im Gespräch. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte in Hannover, die Angehörigen der Religionsgemeinschaften in Niedersachsen würden in den nächsten Wochen um äußerste Zurückhaltung bei dem Besuch von Gottesdiensten in Kirchen, Synagogen oder Moscheen gebeten. Die Landesregierung werde in den kommenden Tagen mit den Verantwortlichen der Glaubensgemeinschaften Gespräche darüber führen, wie bei dennoch stattfindenden religiösen Zusammenkünften das Infektionsgeschehen minimiert werden könne.

9 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Gottesdienste nicht verbieten

    Gottesdienste nicht zu verbieten, fordern die einen oder sind deshalb dankbar. Andere sind da etwas vorsichtiger. Das verfassungsmäßige Recht auf freie Religionsausübung konkuriert hier sicherlich mit demjenigen der körperlichen Unversehrtheit. Beschreibt man das Thema auf eine geistig-geistlichen Ebene, ist die Liebe zu Gott und dem Nächsten, unter einem fürsorglichen Aspekt mit zu bedenken. Wer seinen Nebenmenschen vor schlimmem Ungemach schützen möchte, wird ihn nicht anstecken und damit großer Lebensgefahr aussetzen wollen. Wegen der (gerade auch oder trotz der Krise) vermutlich sehr hohen Teilnehmer*innenzahlen am Heiligabend hat man in meiner jetzigen Heimatkirchengemeinde 5 Gottesdienste eingeplant. Alle müssen sich aber telefonisch oder im Netz vorher anmelden. Das ist bei Einhaltung aller Vorschriften das Risiko von 5 normalen Sonntagsgottesdiensten an einem Abend. Ganz abgesehen von der Frage, was mit denen geschieht, die trotzdem ohne Anmeldung kommen. Andererseits ist es schwierig vermittelbar, am Christabend die Gottesdienste nicht zu feiern, sondern nur jeweils am 1. und 2. Weihnachtstag, dem sich ja dann noch als quasi dritter Feiertag als Sonntag anschließt. Die drei folgenden Tage werden eine kleinere Zahl Menschen ausweisen. Jedenfalls sind das unter mehreren Aspekten schwierige Fragen. Vielleicht sollten wir uns Christen durchringen, die Gottesdienste mal für drei Wochen in Realpräsenzform ausfallen zu lassen, es gibt wunderbare Übertragungen im Netz und im Fernsehen. Unsere Vorfahren im Glauben, die Juden, haben einen positiven Spruch, der sehr gut die Ehrfrucht vor jedem Leben und damit auch vor Gott ausdrückt: Wenn ein Mensch stirbt, stirbt die ganze Welt. Gott ist kein Erbsenzähler oder kein/e Buchhalter*in, und er notiert sich nicht wie oft im Jahr wir in der Kirche sind. Gut ist, wenn wir dort gerne sind und unserem Schöpfer ist wichtig, dass wir seine nicht erarbeitbare Liebe zu uns in unsere Beziehung zu ihm invenstieren.

    • Ein Gottesdienstverbot hätte vor Gericht keinen Bestand, das hat sich ja schon im April gezeigt, und das ist auch gut so.
      Es gibt wahrlich andere Pandemietreiber, als die Gottesdienste.

  2. Jaja, die Politiker, viel Reden wenig Verstand. Es scheint, das „C“ in „CDU“ stünde für Chaoten, zumal die CDU im Osten ja mittlerweile mit AfD gemeinsam regiert. Wenn alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden, ist es problemlos möglich, draußen Gottesdienste zu feiern.

  3. Brinkhaus als Fraktionsvorsitzender der CDU… Lese ich richtig.. „C“ DU.. Einen solchen Vorschlag an Weihnachten Keine Gottesdienste stattfinden zu lassen.Ein Armutszeugnis einer sogenannten „christlichen“ Partei.
    Kein Wunder das sich viele Christen der umstrittenen AFD naeher fühlen als dieser sich als angeblich christlich orientierten handelnden CDU.

  4. Was hat ein Gottesdienst für einen Wert, ohne Lobpreis Gottes?!
    Psalm23 ist eindeutig darüber dass GOTT im Lobpreis SEINES Volkes wohnt. Es ist ebenso undenkbar dass ein HIMMEL ohne Lobpreis Gottes sein könne!

  5. Was soll man sagen….keine Freikirchen am Tisch wie schon so oft werden diese einfach übergangen!!!!
    Was gibt es eigentlich zu verhandeln. Und Interessant finde ich das ein Politiker wie Herr Brinkhaus das christliche so betont….gibt es nur diese Religionsgemeinschaften in Deutschland? Klar ist das die Kirchen nicht wieder den gleichen Fehler machen und einknicken, gerade in einer Zeit wie diese müssen Gottesdienste und besuche möglich sein und sind notwendig. Wieder sterben Menschen allein, liegen daheim und benötigen Hilfe. Der Glaube ist die Hilfsmöglichkeit die weit über allem steht. Dies kann ein Politiker nur verstehen, wenn er selbst einen Glauben an einen Gott hat. Ein zweites schließen er Kirchen, keine Möglichkeit des Innehaltens, gerade in solchen Zeiten an Orten wo Ablenkung entfernt ist und Ruhe gefunden werden kann von dem was einem daheim zur Last fällt.

  6. Als ich diesen Sonntag an der Freikirche bei uns um die Ecke vorbei ging, kam mir der laute gemeinsame Gesang entgegen geschallt.
    Ich denke, es ist diese Unvernunft und Uneinsichtigkeit, die zu Verboten für alle führen kann. Aber dann ist die Klage wieder groß, wie man Gottesdienste verbieten kann.

    • Lieber Jörg,

      ich will hier nicht über Freikirchen richten und schon gar nicht alle über einen Leisten schlagen. Aber in der schwierigen Frage, ob bei sehr hohen Infektionszahlen Gottesdienste innen lieber ausfallen sollen, ist man immer in der Entscheidung wie zwischen Pest und Colera. Leider gelten auch in Kirchenräumen die Naturgesetze, und es ist auch nicht Gott der uns ansteckt mit dem Virus. Aber die Sorge um den Nebenmenschen ist mindestens genauso christlich wie den Lobpreis des Herrn. Das kann man zur Not auch zuhause tun, still oder mit Stimme. Hier ist dann kein Platz an dieser Stelle – wie es manche tun – die Politiker als sinnentleerten Plauderverein zu bezeichnen. Das ist einfach unsachlich. Wenn jemand vorschlägt, den Heiligabendgottesdienst doch im Freien durchzuführen, dann dürfte man hier mindestens auch Meinung und Gegenmeinung tolerieren müssen.

  7. Ich finde einen stillen Gottesdienst in der Stillen Nacht charmant. Ein bisschen mehr Ruhe und Besinnung tut uns allen gut. Einmal durchatmen. Weniger ist manchmal mehr…

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