Der Goettinger Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann lehnt eine ökumenische Reformationsfeier ab (Bild: epd-Bild).
Der evangelische Theologieprofessor Thomas Kaufmann spricht sich gegen die Feier des Reformationstages am 31. Oktober gemeinsam mit der katholischen Kirche aus. In einem Gastbeitrag für die „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ äußert er sich skeptisch zu den ökumenischen Planungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum 500. Jahrestag der Reformation.
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Wenn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm „kraft welcher autoritativen Eingebung auch immer, ankündigt, dass der Reformationstag fortan nur noch mit den Katholiken gemeinsam gefeiert werden könne, heißt das nichts anderes, als ihn aufzugeben“, schreibt der Luther-Biograf, der an der Universität Göttingen lehrt.

Bedford-Strohm macht Ökumene im Reformationsjubiläum stark

Der EKD-Ratschef Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und ebenfalls Theologieprofessor, hat vielfach den ökumenischen Charakter des diesjährigen Reformationsjubiläums hervorgehoben. Am 11. März ist in Hildesheim ein Gottesdienst mit ihm und dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geplant, bei dem der gegenseitigen Verletzungen durch die Spaltung der Kirchen gedacht werden soll. Am 6. Februar will eine Delegation des Rates der EKD in Begleitung von Kardinal Marx in Rom Papst Franziskus besuchen. Bereits im Oktober hatte es eine ökumenische Pilgerreise von Rat der EKD und katholischen Bischöfen ins Heilige Land gegeben.

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Gesetzlicher Feiertag: „Chapeau, Luther“

In seiner Kritik äußert Kaufmann die Auffassung, dass der Reformationstag ein staatlich verordneter Feiertag wie der Tag der Arbeit am 1. Mai oder der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober sei. „Der Reformationstag ist nämlich ein politisches Datum“, erklärt der Kirchenhistoriker. „Es gibt ihn auf Weisung der weltlichen Obrigkeit, damals wie heute.“ Die politische Entscheidung, den 31. Oktober 2017 zum einmaligen gesetzlichen Feiertag zu machen, stehe „in einer bemerkenswert langen, erstaunlich ungebrochenen Tradition“, die die frühabsolutistischen Fürstenstaaten, das Kaiserreich, die DDR und die deutschen Demokratien verbinde. „Keinem anderen Helden als Luther ist das gelungen. Chapeau!“, schreibt Kaufmann.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal der Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche in Wittenberg. Das Datum ist der Abschluss eines Festjahres, mit dem die Protestanten das Reformationsjubiläum feiern. In allen deutschen Bundesländern wird dieser Tag einmalig ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag. In anderen Jahren ist der Reformationstag nur in den ostdeutschen Bundesländern außer Berlin gesetzlicher Feiertag.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Es mussten hierfür, also dass der 31. Oktober einmalig im Jahre 2017 gesetzlicher Feiertag sein kann, ja Gesetzesentwürfe von den Landesregierungen eingebracht und darüber vom den jeweiligen Landesparlamenten positiv abgestimmt werden. Dass das dann so einheitlich in allen Bundesländern, in denen der 31. Oktober bisher noch kein Feiertag gewesen war (also in allen westlichen Bundesländern einschließlich Berlin), wohl geschehen ist, ist allerdings wirklich zu bewundern.

    So steht dieses (einmalige) Datum für den Theologen Thomas Kaufmann „in einer bemerkenswert langen, erstaunlich ungebrochenen Tradition“. Dies dann allerdings allein Luther zuzurechnen und nur positiv zu verrechnen, wie es Professor Kaufmann wohl tut, ist m.E. recht naiv – und zu kurz gedacht. Es ist doch wohl eher so, dass das bis Luther innige Verhältnis von katholischer Kirche und Altar sich dann wandelte in ein (protestantisches) ebenfalls inniges (!) Verhältnis von Staat und Kanzel. Was daran für die christliche Religion so sehr gut gewesen war und sogar bis jetzt sein soll, sei dahingestellt. Ich erinnere nur an das deutsche Kaiserreich und die Kaiserbibel im ersten Weltkrieg, die das deutsche Volk auf diesen Krieg einschwören wollte oder die deutschen Christen während des Nationalsozialismus!

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