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Die Hinrichtung von 21 ägyptischen Christen in Libyen durch einen Ableger des «Islamischen Staats» (IS) hat weltweite Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat, Papst Franziskus und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerten sich entsetzt.

  Ägyptens Luftwaffe griff am frühen Montagmorgen Stellungen der Terroristen in Libyen an. Ein Video, das die Enthauptungen zeigt, war am Sonntagabend im Internet veröffentlicht worden.

Der UN-Sicherheitsrat sprach in New York von «abscheulichen und feigen» Morden. Sie demonstrierten erneut die Brutalität des IS, heißt es in einer einstimmig angenommenen Erklärung. Die Terroristen seien für Tausende Verbrechen verantwortlich, ohne Rücksicht auf die Grundwerte der Menschlichkeit. Der «Islamische Staat» müsse besiegt werden, forderte der Sicherheitsrat.

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 Der Papst erklärte, die Menschen seien «nur deshalb umgebracht worden, weil sie Christen waren». «Ob sie Katholiken, Orthodoxe, Kopten oder Lutheraner sind, ist unwichtig, sie sind Christen!» Die Bluttat muss Christen nach den Worten von Franziskus dazu ermutigen, auf dem Weg der «Ökumene des Blutes» voranzuschreiten. Merkel drückte in einem Telegramm an Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi ihr Entsetzen und ihre Anteilnahme aus. Es sei eine «neue widerwärtige Tat» und einmal mehr der Beweis, dass die Dschihadisten «sadistische Verbrecher sind», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

 Die Mordopfer, die als Gastarbeiter in Libyen tätig waren, hatten sich seit mehreren Wochen in der Gewalt des IS befunden. Nach der Veröffentlichung des Videos kündigte al-Sisi harte Vergeltungsmaßnahmen an. Bei den Luftangriffen nahe Tripolis, bei Derna sowie an der libysch-ägyptischen Grenze sollen nach Medienberichten mindestens 40 IS-Kämpfer getötet worden sein. Am Montag versammelten sich Angehörige der Getöteten vor der koptischen Kathedrale von Kairo. Viele weinten und schrien. Schon vor Veröffentlichung des Videos hatten die Familien der Entführten die ägyptische Regierung aufgerufen, sich stärker für die Männer einzusetzen.

 Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert bereits seit dem ersten Jahrhundert nach Christus und gehört damit zu den ältesten Kirchen. Weltweit wird die Zahl der Gläubigen auf rund zehn Millionen geschätzt, die meisten leben in Ägypten. In Deutschland zählt die Kirche etwa 10.000 Mitglieder. Das koptisch-orthodoxe Kloster in Höxter an der Weser ist Dienstsitz des Diözesanbischofs Anba Damian.

 Der evangelische hannoversche Landesbischof Ralf Meister sprach Damian sein Mitgefühl aus. «Wir trauern um die koptischen Schwestern und Brüder in Christus, die von der menschenverachtenden IS-Terrormiliz bestialisch ermordet wurden», sagte er bei einem Besuch in Höxter. Er sei tief besorgt um die Zukunft der Christen im Nahen Osten. Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, erklärte, die koptische Kirche habe auf die Leiden der Gegenwart stets mit Mut und Glauben geantwortet.

 Die Gesellschaft für bedrohte Völker befürchtet eine zunehmende Gewalt islamistischer Extremisten gegen die Kopten. Die ägyptischen Christen würden zum «Spielball in einem tödlichen Machtkampf zwischen Ägypten und IS-Terroristen», erklärte ein Sprecher der Gesellschaft. Seinen Angaben zufolge stammen die Opfer aus de mittelägyptischen Stadt Samalut City. Sie seien am 30. Dezember 2014 sowie am 3. Januar 2015 in der von Islamisten kontrollierten Stadt Sirte an der libyschen Mittelmeerküste entführt worden.

(Quelle: epd)