Dürfen Theologinnen und Theologen in ihrer bibelwissenschaftlichen Arbeit damit rechnen, dass Wunder wirklich geschehen sind? Oder Propheten die Zukunft vorhersagen konnten? Markus Till hält das „wunderkritische Paradigma“ für den „heimlichen Spaltpilz der Christenheit“. In der wissenschaftlichen Theologie werde die Annahme, Gott könne Wunder tun, nicht als vernünftige Alternative betrachtet – einhergehend mit dem Verlust des Anspruchs, die Bibel könne Gottes Wort sein.

Weiterlesen im Blog Biblipedia

Werbung

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Wunderkritik als Spaltpilz – und das Wunder hinter dem Wunder

    man darf denken, daß unser Universum kein geschlossenes System ist, sondern nach außen offen. Es ist daher möglich, daß Gott in Raum und Zeit von der Ewigkeit her eingreift. Dies ist aber kein Widerspruch zu der Annahme, auch Wunder seien nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen, sondern uns nur nicht bekannt. Sonst müsste man postulieren, Gott handele gegen seine eigenen Naturgesetze. Also bildlich gesehen wie ein menschlicher Ingenieur, der in seinem von ihm erfundenen Fahrzeug bei hoher Geschwindigkeit den Rückwärtsgang einlegt. Daß Wunder aus der Perspektive des Himmels vorgesehen sind, läßt sich durch einfache Logik begründen: Es gibt eine bestimmte Art von Wundern nicht. Jesus erweckt keinen geköpften Menschen. Oder er läßt keinen verlorenen Arm nachwachsen, was einem angeblicher Wunderheiler aus der deutschen Nachkriegszeit nachgesagt wird. Das Normalwunder kann darin bestehen, daß eindeutig bewiesen auch
    sterbenskranke Menschen plötzlich unerklärlich gesund werden, obwohl sie nur noch wenige Tage Lebenszeit haben und der Körper voller Krebs ist. Solche Gesundheitswunder sind ausserordentlich selten, aber beweisbar und diese werden auch von Atheisten nicht infrage gestellt. Es gibt hierfür auch keine Erklärung. Allerdings ist eine zu starke Fokusierung des Glaubens an Wunder auch ein Irrweg. Denn Jesu war nicht schlicht ein Wundertäter und Zauberer, sondern er heilte als Zeichen des anbrechenden Gottesreiches. Wenn er so heilt, will er also auch im übertragenen Sinne heilen, nämlich als eine Versöhnung des Menschen mit seinem Schöpfer. Das größte Wunder ist die leibliche Auferstehung Jesu von den Toten, damit klar wird, daß die Liebe Gottes den Tod überwindet. Es gibt mindestens drei unterschiedliche theologische Erklärungen für die Wunder, die aber auch nebeneinander gelten dürfen und sich nicht prinzipiell widersprechen. Allerdings ist das Wunder hinter dem Wunder wichtig. Etwa beim Brotwunder, wo Jesus und seine Jünger 5000 Menschen satt bekommen mit wenigen Fischen. Das eigentliche Wunder ist die Bereitschaft Jesus als Gott und Mensch, den Menschen zu dienen – und daß die Menschen ihre Nahrung mit anderen Menschen teilen. Wenn alle teilen, muss niemand hungern. Wenn es allen gut geht, braucht niemand leiden. Wenn wir anderen das tun, was wir auch von ihnen erwarten, haben wir eine glücklichere Existenz. Da wo Menschen sich versöhnen, untereinander und mit Gott, geschieht das allergrößte Wunder. Oder wenn irgendwann die Schwerter zu Pflugscharen gemacht, die Atrombombe und der Krieg verlernt werden und sich die Menschen nicht beherrschen sondern dienen. Denn wenn sich alle dienen, ist dies auch eine Herrschaft. Nämlich jene des Friedensfürsten Jesus, der nicht gekommen ist zur ewigen Verdammnis, sondern daß sich alle Menschen mit Gott versöhnen. Es wird das größte Wunder sein, wenn Gott einen Neuen Himmel und eine Neue Erde erschafft und damit das Paradies wieder herstellt. Wir brauchen also nicht magisch zu denken, um so an der Logik und den Naturgesetzen vorbei Wundern zu erklären.. Oder Wunder abzulehnen, in dem wir sie und letztlich alles entmythologisieren. Gott und sein Handeln ist nicht erklärbar. Dafür gibt es höchstens die bildliche Vorstellung, daß unsere ganze Wirklichkeit in ihrem tiefsten Inneren die Gedanken Gottes sind. Wir und alles Existierende sind das Wunder, weil Gott unerklärlich und zugleich wunderbar ist. Der Wirklichkeit des Schöpfers aller Dinge kann man in seinem Herzen begegnen. Eine solche Begegnung kann die sein wie jene des Saulus vor Damaskus. Gott ist eine geistliche Wirklichkeit und damit wirklicher als Tisch, Stuhl, Bett und die Atome und Moleküle, aus denen alles besteht. In Wirklichkeit besteht alles aus Gott, wir sind sein Ebenbild und Geist von Gottes Geist.

  2. Der bekannte evangelische Theologe Rudolf Bultmann hat schon 1941 geschrieben:

    „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“

    Ich erinnere mich, dass ich seine Aussage sehr mutig und ehrlich fand, als ich sie zuerst gelesen habe. Inzwischen wundere ich mich mehr, wie viele Prediger und Theologen diese Erkenntnis immer noch ignorieren.

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein