Marsch für das Leben 2017 in Berlin (epd-Bild / Rolf Zoellner)
Rund 3.000 christliche Abtreibungsgegner (Veranstalter: 7.500) haben nach Polizeiangaben am Samstag in Berlin mit dem „Marsch für das Leben“ für den Schutz des ungeborenen Lebens demonstriert. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Die Schwächsten schützen. Ja zu jedem Kind. Selektion und Abtreibung beenden“. Den Anti-Abtreibungs-Demonstranten standen zahlreiche Protestierende gegenüber, die für ein Recht auf Abtreibung eintraten. Es blieb aber friedlich.

Zum „Marsch für das Leben“ hatte der Bundesverband Lebensrecht, ein Zusammenschluss von 13 Lebensschutzorganisationen, aufgerufen. Unterstützt wurde der Schweigemarsch von mehreren Bundestagsabgeordneten, darunter Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) und der CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung. Die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, Mechthild Löhr, hatte zur Teilnahme aufgerufen. Unterstützt wurde die Veranstaltung wie schon in den Jahren zuvor von der katholischen Kirche.

In einem Grußwort lobte Noch-Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Teilnehmer des Marsches. Sie täten gut daran, „schon vor Beginn der neuen Legislaturperiode die Aufmerksamkeit von Wählern und Kandidaten auf die Verantwortung aller für die Wahrung der Unverfügbarkeit des Lebens und die Würde des Menschen zu lenken“. Grußworte sandten außerdem der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Ansgar Hörsting, der evangelische Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit sowie der Präsident und der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Noss und Christoph Stiba.

Rudolf Voderholzer, katholischer Bischof von Regensburg, bezeichnete im Abschlussgottesdienst den „Marsch für das Leben“ als ein „wichtiges ökumenisches Hoffnungszeichen“. Es gelte, denen eine Stimme zu geben, die ihr Selbstbestimmungsrecht noch nicht zum Ausdruck bringen könnten. Außer Voderholzer nahmen auch die katholischen Bischöfe Matthias Heinrich (Berlin), Hubert Berenbrinker (Paderborn) und Florian Wörner (Augsburg) an der Veranstaltung teil.

Zugleich zogen am Samstag rund 2.000 Feministinnen für das Recht auf Abtreibung vom Wittenbergplatz zum Pariser Platz. Dort vereinigten sie sich mit einem weiteren Demonstrationszug mit rund 1.000 Menschen des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung. Die Gegendemonstrationen wurden unter anderem vom Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), sowie dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen), unterstützt.

Wegen einer Sitzblockade der Gegendemonstranten musste die Polizei den „Marsch für das Leben“ zwischendurch umleiten. Trotzdem sei alles friedlich verlaufen, hieß es.

„Wahrhaft demokratisches Anliegen“

Kritiker werfen den Abtreibungsgegnern religiösen Fundamentalismus vor. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bezeichnete dagegen in einer Grußbotschaft an die Abtreibungsgegner den Einsatz für das Lebensrecht des Menschen in all seinen Entwicklungsphasen als „ein wahrhaft demokratisches Anliegen“. Er frage sich, warum der Lebensschutz für das ungeborene Leben noch immer relativiert und zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt werde, so Koch.

Innerhalb der evangelischen Kirche sind die Abtreibungsgegner umstritten. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beteiligte sich wie in den Vorjahren nicht an dem Marsch. Anders als der Bundesverband Lebensrecht stehe die Landeskirche für eine ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung, die die Gewissensentscheidung der Frauen und Paare unterstützt, hieß es zur Begründung.

Ekkehart Vetter, Präses des Mülheimer Verbandes und Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, erklärte, es komme darauf an, Mütter und Vätern bei Konflikten zur Seite stehen und sie finanziell, bei Behördengängen und der Kinderbetreuung zu unterstützen. Vetter erinnerte an den bekannten Vers aus dem Buch des Propheten Jeremia: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.“ (1,5).

13 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Weiter so, es ist ein deutliches Zeichen, dass das Thema nicht abgeschlossen ist. Wie kann es auch abgeschlossen sein, schließlich geht es um die Frage des Leben.
    Es wird die Abtreibungsgegnergegner ärgern, aber das ist ihr Problem.

  2. Wir waren mindestens 7500 Leute Es war berührend, wenn soviel Menschen singen und das vor dem Reichtagsgebäude: Komm und lobe den Herrn meine Seele sing,bete den König an…oder : Ruft zu dem Herrn alle Enden der Welt, Ehre und Dank ihm, der alles erhält…Die guten Worte von Bischof Voderholz kann man nachhören. Schaut einfach für viele gute Beiträge im Internet nach

  3. Es macht Hoffnung, dass Mit-Christen auf die Straße gehen, das nächste Mal mache ich mit, wir waren bis gestern zu einer Bibel-Freizeit.

    • Lieber Michael, wir wollen gerne wieder mit demonstrieren, denn die Sache ist uns immer wichtiger denn je. Willst du uns begleiten. Schreibe mir bitte privat.
      lg
      Michael Agotz

  4. Ich war mit meiner Frau zum zweiten Mal, beide im Rollstuhl, Spastiker und verheiratet seit fast 30 Jahren, bei den „Marsch für das Leben“.
    Wir waren überrascht. Es war keineswegs rechtsradikalmäßig noch hat es nicht nach AfD gerochen. Es war friedlich, kooperativ, still und doch Aussagekräftig. Die Gegendemo versuchte uns zwar mit sinnlosen Schreien zu stören, aber ohne jeden Erfolg!
    Ich bin selber Opfer einer ungewollten Geburt. Wenn in den 50igern Jahren die Abtreibungsmethoden genauso „modern“ gewesen wären, gäbe es mich nicht!
    Trotzt aller Schwierigkeiten, die unsere Behinderung so bringt, lebe ich gerne!
    Den Müttern sollte nicht verurteilt oder verdammt werden, die aus ihrer Not heraus abtreiben, sondern ihnen sollte jede Unterstützung zuteil kommen werden lassen.
    Nein zur Abtreibung – Ja zum Leben, bedeutet auch, das die Gesellschaft lernt die Werte Des Lebens neu zu erkennen und umzusetzen.
    Gebet, Handeln und mit Liebe den anderen begegnen ist ganz wichtig.
    Michi

  5. Die Christen leiden an doppelter Selbsttäuschung. Während man vordergründig für das Leben demonstriert, demonstriert man gleichzeitig für den Internationalismus einer undemokratischen EU. Und im Hintergrund kriegt man sich kaum ein mit Tiraden gegen die AfD. Das Netz ist genau dazu geschaffen worden, Wortführern Möglichkeiten der Beeinflussung zu geben und Deutschland zu zerstören.

    Christen sind dumme Schafe. Alles, was sie können, ist Parolen anderer zu übernehmen.

    Die EU war der Plan der Nazis und sie ist übergangslos beim Zusammenbruch der Weimarer Republik in die Tat umgesetzt worden.

    Man ist oberflächlich gegen Nazis und demonstriert für die mächtigen Nazis. Wann genau haben die Christen gegen die IG Farben demonstriert? Wann haben sie die IG Farben bei den unzähligen Kranziederlegungen erwähnt? Nie? Oder gar nicht?
    Die wirkliche Nazis hatten alle Gewalt über Waffen, Heere und die Propaganda und sie haben den Holocaust verursacht. Die Gewalt haben sie bis heute.

    Tatsächlich hetzt man im Hintergrund gegen das eigene Volk mit Methoden, die der Propaganda im 3. Reich nicht nachsteht.Man stürzt sich auf die Ohnmächtigen, weil man hofft, einen leichten Sieg zu haben, veruntreut dabei die Wahrheit, um die Mächtigen der IG Farben, Banken und Politik zu schützen.

    In diesen wirren Zeiten muß man sich schon auskennen, sonst wird man Opfer der eigenen blinden Parolen.
    An Jesus glaubt auch der Militärapparat der USA. Fürs Glauben kriegt man nichts.

    Telford Taylor, amerikanischer Chef-Ankläger, in seinem Eröffnungsplädoyer bei den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen gegen die Manager des Öl- und Pharmakartells, der IG Farben: „Ihr Ziel war es, Deutschland in eine Militärmaschine zu verwandeln, damit sie ihre Herrschaft Europa und auch Staaten jenseits Europas aufzwingen konnten.Sie waren Kette und Schuß des schwarzen Todgewebes, das sie über Europa ausbreiteten.“

    Paß mal auf, daß euer Marsch für das Leben nicht ein Todesmarsch ist.

    • Herr Schnelle, leider erschließt sich mir der Sinn ihrer Argumentation nicht ganz. Bei dieser Demo haben die Christen keine Parolen übernommen sondern still demonstriert (abgesehen von einigen Liedern). Es ist richtig, dass Christen nicht gegen IG Farben demonstriert haben, aber warum sollten sie? Sie haben auch nicht gegen Thyssen-Krupp, gegen VW oder gegen Siemens demonstriert. Warum stürzen sich Christen auf Ohnmächtige? Bei dieser Demo wurde für Ohnmächtige (ungeborene Kinder) demonstriert. Wenn Sie gegen gegen Nazis demonstrieren möchten haben Sie in diesem Land alle Möglichkeiten. Wenn Sie gerade Telford Taylor zitieren, dieser Vorwurf passt auch auf die Vorgehensweise der Amerikaner in bestimmten Kriesenherden auf der Welt.

    • Hallo Herr Schnelle,

      es ist schade, dass sie alle Christen als dumme Schafe bezeichnen.
      Hier gehen Menschen auf die Straße, um für das ungeborene Leben einzutreten.

      Hier geht es nicht um die AFD oder die IG Farben oder die EU.

      Die AFD hat hier und da auch gute Ansätze, aber welche Partei hat das heute nicht.
      Bei der IG Farben wurden viele Fehler in der Vergangenheit, bis hin zur Aufarbeitung gemacht.
      Und die EU ist wie sie ist. Wir Christen wollen weiter für unser Land beten.

      Jesus lebte auf der Erde auch in sehr wirren Zeiten. Er kam in ein besetztes Land, welches hart mit den Einheimischen umging.
      Jesus war nicht für einen Umsturz. Jesus wollte, dass sie weiterhin ihre Steuern zahlten. Aber: Er war für die Menschen da.
      Für alle!

      Damals gab es Gläubige die Fehler gemacht haben und heute gibt es die genauso. Aber viele Christen sind von ganzem Herzen bemüht Gott nachzufolgen. Wir sind Menschen mit Fehlern. Bitte verzeihen sie uns, wenn wir sie verletzt haben!

  6. Herr Schnelle Ihr Geschichtswissen ist gleich null! Sie wollen nicht wahrhaben,dass die Kommunisten die Ursache für die Probleme des 20 Jahrhunderts sind!

    • Liebe frau Retzloff,
      ich verstehe ihre Antwort sehr gut, aber ich muss sagen, das der Blickwinkel etwas schief hängt. Nicht die Kommunisten sind Schuld, sondern wir Christen tragen Mitschuld. Lese mal die Geschichte etwas genauer. Wären wir eine echte Einheit, dann käme die Sünde zum Töten nicht zum Tragen!
      Beten wir lieber mehr, dass Christus in uns mehr Raum gewinnt, damit nicht noch mehr Dummheiten geschehen.
      Wenn Sie den anderen verurteilen, werden wir genauso verurteilt.
      Das Zauberwort heißt: #Liebe# !

  7. Ein Grußwort zu senden ist gut. Aber warum kommt Herr Lammert oder Herr Kauder mal nicht selbst vorbei und spricht? Das wäre allerdings politischer Selbstmord, so gegen den Mainstream zu sein.

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