Bei den Gegendemonstrationen zum „Marsch fürs Läbe“ in  Zürich ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei musste einschreiten.

Von Nathanael Ullmann

175 Personenkontrollen, eine Festnahme, ein massiv beschädigtes Polizeifahrzeug. Diese Bilanz zieht die Zürcher Stadtpolizei nach dem „Marsch fürs Läbe“. Die Randalierenden sind allerdings nicht die Lebensbefürworterinnen und Lebensbefürworter, sondern die Gegendemonstrierenden. Gleich zwei Gegendemonstrationen mit nach eigenen Angaben insgesamt 2.300 Protestierenden standen den 1.200 Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegnern gegenüber.

Die Demonstration der JUSO war im Vorfeld genehmigt worden. Hier machten 500 Demonstrantinnen und Demonstranten Stimmung gegen die Prolife-Aktivistinnen und -Aktivisten. Diese Gegendemo blieb nach Angaben von JUSO und Polizei friedlich. Darüber hinaus hatten sich allerdings noch 1.800 weitere Protestierende ohne Genehmigung versammelt, um den Marsch gegen Abtreibung aufzuhalten. Nach übereinstimmenden Medienberichten versuchten sie, zu den Lebensrechtlerinnen und Lebensrechtlern vorzudringen.

Brennende Container

Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummischrot ein, um sie daran zu hindern. Die Polizistinnen und Polizisten wurden von den linken Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten mit Flaschen, Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Außerdem zündeten die Randalierenden mehrere Container an und attackierten die Feuerwehrkräfte. Ein Fahrzeug der Polizei erlitt ebenfalls massive Schäden, wie die Behörden berichten. Der „Marsch fürs Läbe“ musste aus Sicherheitsgründen vorübergehend unterbrochen werden. Außerdem konnte er nur auf einer gekürzten Route stattfinden.

„Die Christen-Fundis inszenieren sich als Lebenschützer*innen, doch propagieren sie ein gewaltig reaktionäres, frauen- und LGBTIQ*-verachtendes Menschenbild“, heißt es in einer Mitteilung der Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten. Statt reaktionärer Ideologie sei am Tag der Demonstration die feministische, antirassistische und queere Bewegung in der Öffentlichkeit präsent gewesen. Das erachte man als Erfolg. Es könne nicht sein, dass christliche Fundamentalisten in Zürich ihre Hetze verbreiten könnten, heißt es auch vonseiten der JUSO. Diese kritisierte zudem den Polizeieinsatz. „Protestaktionen dürfen nicht gewaltsam niedergeschlagen werden“, schreibt Anna Luna Frauchiger in einer Stellungnahme.

Kinder mit Down-Syndrom im Zentrum

Ein positives Bild zeichnen wiederum die Veranstalter selbst. Sie seien von zahlreichen Gästen aus dem Ausland unterstützt worden. So seien Prolife-Gruppen aus Polen, Österreich und Deutschland angereist. Im Zentrum stand in diesem Jahr das Leben von Kindern mit Down-Syndrom. Bei der Kundgebung kam unter anderem Monika Schmid zu Wort. Sie hat ein Haus gegründet, in dem Menschen mit geistiger Behinderung leben und arbeiten können: „So lernen Kinder wie auch Erwachsene, dass das Leben nicht perfekt sein muss und man mit einem Defizit ein lebenswertes und glückliches Leben führen kann. Man soll sehen und erleben, dass gerade auch diese Menschen viel geben können und das Recht auf Leben haben“, sagte sie. Der umstrittene Kantonsrat Hans Egli forderte die Einführung von Babyklappen und dass die Folgen von Abtreibung in den Beratungsstellen und Schulen ernsthaft berücksichtigt werden.

Um den „Marsch fürs Läbe“ hatte es bereits im Vorfeld Diskussionen gegeben. Der Stadtrat hatte die Demonstration zuerst verboten, da er gewalttätige Gegendemonstrationen vermutete. Statthalter und Verwaltungsgericht gaben den Lebensrechtaktivistinnen und -aktivisten jedoch recht.

8 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Menschen demonstrieren friedlich dafür, dass man menschliches Leben nicht auslöschen soll, diesmal auch mit Fokus auf das Down Syndrom. Selbstverständlich ist es mehr als frauenverachtend, menschliches Leben nicht auslöschen zu wollen. Selbstverständlich ist es beleidigend und eigentlich der blanke Hohn gegebenüber der LGBTIQ*, menschliches Leben nicht auslöschen zu wollen. Und nicht zu vergessen ist es zutiefst reaktionär, menschliches Leben nicht auslöschen zu wollen.
    *Ironie Ende*

  2. Ich finde die Kommentierung in der Neuen Züricher Zeitung interessant
    (als Norddeutscher habe ich erst Mal gegooglet, wo diese Zeitung im Spektrum angesiedelt ist: Bürgerlich-liberal, also so Mitte-rechts)
    „Am «Marsch fürs Läbe» inszenieren sich rechtskonservative Christen als Lebensschützer. Zugleich rufen Linksextreme unter dem Deckmantel der Toleranz und Gleichberechtigung zu Störaktionen gegen die Demonstration auf. Beiden Parteien geht es dabei um Selbstdarstellung.“
    https://www.nzz.ch/zuerich/marsch-fuers-laebe-um-das-schicksal-der-frauen-geht-es-nicht-ld.1508494

    Zwar ist es das Recht jeder Minderheit, friedlich zu demonstrieren, interessant aber ist das Ergebnis der entsprechenden Volksabstimmung in der Schweiz (steht auch im Artikel). Man muss daher sagen: Das Thema ist in der Schweiz demokratisch wohl durch.

    • Ich finde vor allem auch diesen Satz des von Ihnen erwähnten Kommentars gut und richtig:

      „Um die Frauen, die mit der schweren persönlichen Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch ringen, geht es beiden nicht.“

      Diese Fragen löst man eben nicht auf der Strasse oder mit einfachen markigen Sprüchen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

    • Das Thema mag politisch zwar durch sein (demokratisch passt an dieser Stelle nicht), aber geistlich noch lange nicht. Warum sonst sollte Satan die “friedlichen“ Linken als sein Instrument nutzen gegen die Wahrheit zu hetzen und sein gewalttätiges Gesicht zu zeigen.

      • geistlich ist das Thema auch schwierig und lange nicht so biblisch eindeutig, wie manche Christen suggerieren. 2. Mose 21 ff legt dar, dass die Leibesfrucht schützenswert ist, aber lange nicht den Stellenwert hat wie geborenes menschliches Leben. Der Vergleich z.B. von Abtreibung mit Mord, den man in diesem Zusammenhang immer wieder hört, ist daher unbiblisch.
        Mit ‚demokratisch‘ meinte ich, dass in der Schweiz eben nicht nur die Parteien über irgendeinen Kompromiss (wie in Deutschland) entschieden haben sondern das Volk direkt in großer Mehrheit.

        Deinen 2. Satz verstehe ich nicht.

  3. Wie….ich Dachte immer die Linken sind moralisch erhaben? Die Rechtskonservativen, das sind doch die ganz schlimme. Warum sind letzte dann für Kinder und die anderen gewalttätig dagegen ? Fragen über Fragen

  4. Danke für den Bericht! Ich war selbst dabei, fand die Organisation, die Bühnenthemen, das Standmaterial und die Gesamtstimmung sehr gut.
    Warum allerdings hat Nathanael Ullmann auch die gängige Bezeichnung „Abtreibungsgegner“ übernommen? Ich fände es viel besser von „Lebensbefürwortern“ zu sprechen.
    Viele von denen, die 1x pro Jahr dieses Thema in die Öffentlichkeit tragen engagieren sich an 364 Tagen des Jahres ehrenamtlich für werdende Mütter, junge Familien, Kinder oder traumatisierte Frauen.

    • Hallo Albrecht, „Lebensbefürworter“ hat der Kollege im ersten Absatz auch geschrieben. Um nicht ein und dieselbe Formulierung zu wiederholen, steht dann anschließend tatsächlich „Abtreibungsgegner“ bei der nächsten Erwähnung im Artikel. Aber erst an zweiter Stelle. Danach folgt dann „Lebensrechtler“. Beste Grüße, das Jesus.de-Team

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