Der Theologieprofessor Thomas Weißer hält Spott über den Glauben für produktiv. Die Kirchen sollten sich freuen, wenn sie Gegenstand von Comedy werden, sagte Weißer am Donnerstag beim Evangelischen Medienkongress in Leipzig.

Es sei ein Fehler zu denken, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit stünden in Konflikt miteinander: "Witze über Jesus schränken meine Glaubensfreiheit nicht ein." Der Glaube sei nicht so verletzungsanfällig gegenüber Angriffen, wie oft angenommen werde.

Der Schriftsteller Jakob Hein sagte, es sei ein zu einfaches Verständnis von Religion, wenn gesagt würde, Humor gibt es bei uns nicht. Gute Witze über den Glauben seien gar nicht so einfach, sich über den Glauben lustig zu machen, sei billig. Es sei zwar richtig auf die Frage, was Satire darf, zu antworten "Alles", aber ebenso wichtig sei die Frage, was Satire wolle. Guter Humor brauche ein Gegenüber, das mitlache. Andere auszulachen sei kein guter Humor.

Der Autor Rainer Dachselt erklärte, in der Komik würden immer Tabus verletzt. Die Menschen lachten am liebsten über Dinge, die ihnen Angst machten. Dazu gehörten die großen Mysterien wie Tod, Sexualität und Glaube. Dass sich dabei immer auch jemand auf den Schlips getreten fühlen könne, sei normal. Die meisten empörten Reaktionen habe er in diesem Jahr auf einen satirischen Radiobeitrag über Veganer erhalten.
 Der Evangelische Medienkongress zum Thema "Daten – Medien – Religion" tagte am Mittwoch und Donnerstag beim MDR in Leipzig. An der Tagung nahmen rund 150 Vertreter aus Medien und Kirchen teil.

(Quelle: epd)