Buchhändlern fehlt religiöses Fachwissen, berichtet das Börsenblatt. Christliche Verbände wollen das nun ändern.

Von Ann-Sophie Bartolomäus

Vor allem in der Buchhändler-Generation unter 40 und bei Auszubildenden fehlen „elementare Kenntnisse zur christlichen Literatur“, berichtet das Fachmagazin Börsenblatt. Eine Verkaufsschulung für Buchhändler soll nun den Umsatz religiöser Bücher stärken. Immer wieder erreichen den Evangelischen Medienverband Deutschland (EMVD) Anfragen: Der Sortimentsbuchhandel will seine Kenntnisse im religiösen Bereich auffrischen. Deswegen hat der EMVD gemeinsam mit der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB), dem Katholischen Medienverband und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels das Projekt ins Leben gerufen. „Roadshow Religion“ heißt die verlagsübergreifende Schulung rund um religiöse sowie christliche Literatur und insbesondere das weite Feld der Bibelausgaben.

Renate Nolte, Geschäftsführerin der VEB, sieht den Grund für fehlendes Basiswissen auch in der Schule. Vielerorts sei der Religionsunterricht freiwillig, die Themen kämen im Alltag der Schülerinnen und Schüler nicht vor, erzählt sie im Gespräch mit dem Medienmagazin Pro. Das fehlende Wissen zeigt sich im Sortiment: In den meisten Geschäften fänden sich neben der lutherischen meist nur ein oder zwei weitere Übersetzungen, sagt Nolte.

Buchhandel entgeht Umsatz

„Da sich die Altersstruktur der Kunden im Sortimentsbuchhandel jedoch deutlich in Richtung 60 plus verschiebt, entgeht dem Buchhandel und den Verlagen hier ein Umsatz, der nur zum Teil über andere Vertriebswege wie Versender oder On­linehändler ersetzt werden kann“, sagt die Göttinger Verlegerin Reinhilde Ruprecht, stellvertretende Vorsitzende des EMVD. Da 55 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger Mitglied in einer Kirche sind, gehen die Initiatoren von einem größeren Interesse aus, als bisher bedient wird.

Die Roadshow soll aber keine Missionsveranstaltung werden. Es soll viel mehr darum gehen, wie sich die Warengruppe Religion im Buchhandel verkaufen lässt. Auch mit der Zielgruppe und den „Jahreszeiten“ religiöser Themen setzen sich die Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer intensiv auseinander. Im Hinblick auf die Ausbildung angehender Buchhändlerinnen und Buchhändler kommen unter anderem die Ausbildungsstätte Mediacampus sowie die buchhändlerischen Berufsschulen für Seminare in Betracht.

Über Freikirchen weiß kaum jemand Bescheid

Noltes Ziel ist es, die Vielfalt der religiös interessierten Kunden deutlich zu machen: „Über Freikirchen weiß doch kaum jemand Bescheid“, sagt sie. Und damit auch nicht über die vielen Verlage, die sich an ein frommes Publikum richten.

Der Auftakt des Projektes ist für den 30. September in der Buchhandlung in der Marktkirche in Hannover geplant. Insgesamt sollen in diesem Jahr noch vier Treffen stattfinden. Einige Verlage sind bereits an Bord, darunter das Katholische Bibelwerk, die Deutsche Bibelgesellschaft, Bene! und Herder. Es laufen außerdem Gespräche zu möglichen Kooperationen für Inhouse-Seminare in Medienunternehmen.

 

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Angesichts dessen, das zunehmend die christlichen Buchhandlungen „sterben“, ist es für die säkularen Buchhandlungen umso wichtiger, diese Kundschaft wenigstens mit den wichtigsten und gängigsten Produkten zu bedienen. Auch Dauerbrenner wie Losungen oder Neukirchner Kalender sollten im Sortiment einer Buchhandlung zu finden sein.

    • Wohl wahr. Und wer kauft die ganzen kleineren christlichen Verlage und Buchhandlungen auf?

      Wenn ich mich in den grösseren Buchhandlungen nach theologischer Literatur umsehen möchte, werde ich meist an die Ecke „Spiritualität / Esoterik / Lebenshilfe“ verwiesen, und was da so zu finden ist, darüber schweige ich lieber…

      Ich glaube auch eher, das Problem liegt generell in der mangelhaften Allgemeinbildung, da sind BuchhändlerInnen keine Ausnahme.

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