Mit Blick auf eine drohende Spaltung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) auf Weltebene haben drei europäische EmK-Bischöfe zur Einheit aufgerufen. Streitpunkt ist der Umgang mit dem Thema Homosexualität.

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In einer am Montag veröffentlichten Erklärung sprechen sich Christian Alsted für den Bischofssprengel Nordeuropa und Baltikum, Harald Rückert für Deutschland und Patrick Streiff für Mittel- und Südeuropa sowie Nordafrika dafür aus, sich gemeinsam für eine Evangelisch-methodistische Kirche einzusetzen, in der Menschen mit ihren unterschiedlichen Überzeugungen weiterhin ihren Platz haben. Konservativ und traditionell orientierte Christen wollen sich von der Kirche abtrennen. Hintergrund ist die jahrzehntelange Auseinandersetzung um den Umgang mit Homosexualität.

Eine Spaltung stehe seit Februar 2019 zunehmend im Raum, weil die Generalkonferenz als höchstes Leitungsgremium der Kirche bei einer außerordentlichen Tagung einige Passagen der Kirchenordnung zu Fragen der Homosexualität „mit strafbewehrten Formulierungen sogar noch verschärfte“, hieß es weiter. Seither gibt es weltweit heftige Auseinandersetzungen, die von einigen Gruppen teilweise mit dem Ziel einer Spaltung der Kirche verfolgt werden.

In ihrer Erklärung setzen sich die EmK-Bischöfe Alsted, Rückert und Streiff für eine Reform und Neustrukturierung der Kirche ein. Den verschiedenen Weltregionen der Kirche solle mehr Freiheit zugestanden werden. Nur so könnten „kontextbezogene Regelungen gefunden werden und Formen von Mission und gesellschaftlichem Einsatz entwickelt werden, die zur Kultur und Gesellschaft der jeweiligen Region passten“.

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Die deutschen Methodisten haben unterdessen den jahrelangen Streit um den Umgang mit Homosexualität vorläufig beigelegt und die Einheit ihrer Kirche bewahrt. Den Angaben zufolge wurde am 12. Februar der „Gemeinschaftsbund der Evangelisch-methodistischen Kirche“ gegründet. Darin finden laut EmK Menschen und Gemeinden mit überwiegend konservativer Prägung in sexualethischen Fragen weiterhin innerhalb der Kirche eine Heimat. Die Bildung des Gemeinschaftsbunds als Teil der EmK in Deutschland habe, so Bischof Rückert, international „viel Zuspruch“ ausgelöst.

Link: Methodisten stehen vor Trennung

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist eine evangelische Freikirche, die aus einer Erweckungsbewegung in England im 18. Jahrhundert hervorging. Weltweit zählen sich zur Evangelisch-methodistischen Kirche ungefähr zwölf Millionen Menschen. Zur EmK in Deutschland zählen sich rund 49.000 Kirchenglieder und Kirchenangehörige in rund 440 Gemeinden. Die EmK gehört zum Weltrat Methodistischer Kirchen, in denen über 51 Millionen Menschen ihre geistliche Heimat haben.

10 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Entschuldigt, dass mich dieses Thema so triggert, aber ich war damals im Februar 2019 online live dabei, als es passierte. Vieles ist in diesem Artikel stark gekürzt bzw. einseitig dargestellt. Es verhält sich nämlich m.E. nach so: Die EMK IST gespalten, seit vielen Jahren schon und spätestens jetzt auch formell. Es gibt keine Einheit mehr, die man erhalten kann und die Spaltung, vor der man warnt, ist längst vollzogen und zwar durch die, die vor der Spaltung warnen!

    Im Februar 2019 fand eine außerordentliche Generalkonferenz der United-Methodist-Church statt, auf der ausschließlich darüber debattiert wurde, ob die „Verfassung, Lehre, Ordnung“ (VLO) abgeändert werden und gleichgeschlechtliche Partnerschaften die volle Zustimmung der Kirche bekommen sollten, oder eben nicht. Die Befürworter der Änderung hatten in der Vergangenheit und besonders massiv zu jener Konferenz die Tagesordnung gestört, so dass ein konstruktiver Austausch unmöglich war. Es lagen mehrere Pläne auf dem Tisch, die nicht zur Abstimmung kamen. Alles war sehr zäh, emotional aufgeladen, weder christlich noch in irgendeiner Weise konstruktiv. Die stark gewachsene, konservative Afrikanische Kirche der UMC verhinderte eine Änderung der VLO, und so hieß es am Ende 47% zu 53% gegen eine Änderung.

    Des weiteren gab es bereits in der Vergangenheit Absätze in der VLO, nach denen homosexuelle Trauungen durch Pastoren der methodistischen Kirche untersagt und Zuwiderhandlungen intern zu ahnden waren. Die Strafen dafür waren genau festgelegt. Das hatte man in den USA und besonders in Deutschland vernachlässigt und es wurde seitens der Generalkonferenz angeregt, Verstöße zukünftig so zu ahnden, wie es die Gesetzestexte vorsahen, um dieser Festlegung, dass nur „die Ehe zwischen Mann und Frau die volle Zustimmung findet“ Gewicht zu geben.

    Das war ein Schock für Harald Rückert und seinne […] [Gerne kritisch, aber dieses Wort impliziert eine Straftat, auch wenn dies vermutlich nicht in Ihrer Absicht lag. / MfG, die Redaktion] . In Deutschland waren die Mehrheitsverhältnisse nämlich völlig anders: 80%zu20% für eine Änderung der VLO. Um also eine massive Austrittswelle zu verhindern, setzte sich Rückert über den Beschluss der Generalkonferenz hinweg und beschritt so etwas wie einen „deutschen Sonderweg“. Jeder Gemeindebezirk sollte selbst entscheiden, wie er in dieser Frage zu Werke ging. Gemeinde A dürfe sagen, dass Homosexualität eine Sünde ist, Gemeinde B sei es gestattet, homosexuelle Paare zu trauen. Rhetorische Frage: Welche Einheit wird hier erhalten? Rückert versucht das Kunststück fertig zu bringen, Fußball mit den Händen zu spielen und wundert sich, warum er dafür die rote Karte bekommt. (Und mit ihm alle, die seinen Kurs unterstützen!)

    Rückert und seine [s.o. / MfG, die Redaktion] aus historisch-kritischen Liberaltheologen, Pastoren und Laienpredigern delegierten ein Problem, welches sie nicht lösen konnten, in die Gemeinden und so wurde die Frage nach der Akzeptanz der „Homoehe“ ein Problem der Gemeinden. Die Folgen sind verheerend. Rückert ist es, der mit seinem Ungehorsam die Spaltung vorangetrieben hat, weil er nicht den Mut hatte, sich zu dem zu bekennen, was Gott sagt. Wenn ihr mich fragt: Der Mann ist als Bischof eine katastrophale Fehlbesetzung.

    PS: Bin gespannt, wie er die Ruhestandsgehälter seiner Pastoren aufbringen will, wenn die UMC wegen seines Ungehorsams den Geldhahn zudreht.

    • Danke für Ihren Kommentar. Hätten Sie nicht geschrieben, hätte ich es getan. Es ist tatsächlich so, es existiert vielleicht noch eine strukturelle Einheit, aber innerlich schon lange keine mehr. Diese Analyse könnte man auch auf die Evangelische Kirche anwenden (siehe den Fall Olaf Latzel), auf die Evangelische Allianz (siehe Martin Grabe zum Thema Homosexualität) oder sogar allgemein auf die Ökumene (Die Kirchen haben es in Jahrzehnten nicht mal geschafft, gemeinsam das Abendmahl zu nehmen).

      Echte Einheit kann nur entstehen, wenn alle Beteiligten ihre Theologien und Ideologien beiseite legen und sich vom Wort Gottes, explizit von den Worten Jesu Christi, korrigieren lassen. Eine rein organisatorische Einheit ist eine tote Einheit, ein dunkles Licht, das in die Irre führt.

      • „Echte Einheit kann nur entstehen, wenn alle Beteiligten ihre Theologien und Ideologien beiseite legen und sich vom Wort Gottes, explizit von den Worten Jesu Christi, korrigieren lassen.“

        Schade nur, dass genau in der Frage die hier grade spaltet (Homosexualität) Jesus Christus sich überhaupt nicht geäußert hat.

        • Wenn er davon spricht, dass eine Ehe aus einem Mann und einer Frau besteht, dann ist das schon ein Hinweis 😉

          Und bei Paulus sind die Aussagen eindeutig…

          Das wir Homosexuellen mit Respekt und Wertschätzung begegnen sollen, steht ja außer Frage. Wir können aber nicht Verhaltensweisen, die Gott für Sünde hält, rechtfertigen und auch noch fördern…

  2. Bravo Methodistische Kirche

    Bravo Methodistische Kirche: Immerhin bemüht man sich dort in Deutschland um Einheit, ohne spalten zu wollen. Ich muss zugeben, dass ich in einem anderen Kontext erlebt habe, wie schwierig es ist, dass Menschen sich über ihre Werte und Normen konstruktiv streiten. Niemand kann so ohne weiteres die für ihn überzeugenden Werte und Normen, die mehr sind als Meinungen, einfach wie Meinungen auch ändern. Aber hier treffen wir daher auf den Grundkonflikt der entsteht, wenn anscheinend absolute (geistliche ??!!) Wahrheiten auf entsprechend entgegengesetzte absolute Wahrheiten treffen.
    Allerdings verdient das Grundthema Sexualität den (ungern gehörten) Hinweis, dass Christinnen und Christen hiermit bereits ein grundlegendes Problem haben. Lust an der Sexualität wurde – wie ich annehme – bewusst und/oder auch
    unbewusst über viele Jahrhunderte als Sünde angesehen. Aber Menschen haben zu vielem Lust, sogar in Coronazeiten: Ins Konzert oder ins Kino zu gehen, ein gutes Essen mit allen Sinnen zu genießen, oder sich nur an einer ungesunden fetten Buttercremetorte zu laben. Es ist uns sehr imanent, seelische und körperliche Freuden zu genießen. Leider hat uns Gott auch die Sexualität geschenkt, die sehr umfangreich unser Leben bestimmt. Dazu gibt es jede Menge Beweise durch Literatur, viele Filme und weiteres. Im Pantoffelkino überwiegen Liebesdramen und Herzkinofilme alle anderen Themen.

    Dazu kommt noch, dass manche Leute eine andere sexuelle Orientierung haben, die keine Krankheit ist und daher keine Therapie verträgt. Es gibt zudem Menschen im falschen Körper, manche sind teilweise Frau und Mann zugleich und seltener ist jemand – vereinfacht ausgedrückt – geschlechtslos. Leider vermag niemand sich ein anderes Gehirn zu beschaffen oder einen Ersatzkörper. Gott hat jeden Menschen zum Einzelkunstwerk gemacht. Menschen aber aussortieren, sie nicht genug wertschätzen zu wollen oder ihnen die Gottebenbildlichkeit abzusprechen, wäre nicht nur gedanklich sondern im Vollzug fast ein Verbrechen.

    Es muss jede und jeder in einer christlichen Gemeinde willkommen sein, ohne Ansehen der Hautfarbe, seines Geschlechtes und seiner (vielleicht kritisch zu würdigenden) Grundeinstellungen. Man muss miteinander nicht nur auskommen, sich nicht nur vertragen, sondern Christinnen und Christen sollten sich annehmen wie Christus uns angenommen hat. Etwas bedrückt mich, dass die Methodisten eine Kirche in der Kirche gründen, einen Gemeinschaftsbund. Vielleicht könnte man auch ohne dieses Vehikel einer Konfliktlösung doch den Versuch machen, friedlich und konstruktiv zu streiten. Dieser Versuch würde beinhalten, dass ich nicht für gut halten muss wovon andere überzeugt sind, aber ihre ethischen und moralischen Argumente tolerierte und aushalte. Vielleicht ist ja auch christlich, den Juden ein Jude und dem Griechen eine Grieche zu sein. Während ich hier schreibe lese ich unten: „Papst Franziskus macht sich für Homosexuelle stark“! Es ist glaubwürdig.

  3. Es geht bei weitem nicht nur um die EmK oder um das Homo-Thema. Wenn der HERR auf uns CHRISTen schaut, dann sieht ER nur Konfessionen- u. Dogma-Gewürge, selbst in kl. Dörfern > tradierte SPALTUNGEN überall und das seit Jahrhunderten !
    Wobei EINHEIT ( siehe z.B. Joh.17+Eph.4+1.Kor.12 ) doch so einfach wäre, denn jeder echte CHRIST gehört nicht zu einem Club ( Ev, Kath, Freikirchen etc.) sondern zum LEIB des CHRISTUS. Daher sollten wir unsre Gemeinde-Kirchen-Namen und Brief- köpfe auf den einzig richtigen Namen ändern: CHRISTUS-Gemeinde. Denn vor GOTT gibt es keine Mitglieder, sondern nur Glieder am LEIB des CHRISTUS. Nur so entsteht LEIB-Bewußtsein. Die SPALTUNGEN überall machen uns und vorallem den HERRN unglaubwürdig und spalten die KRAFT und den SEGEN GOTTES und das ist eine Schande. Nur wer CHRISTUS von Herzen vertraut gehört zu SEINEM kostbaren LEIB. Alle anderen nicht, so einfach ist das. Leider befürchte ich, dass nur Druck oder CHRISTenVerfolgung regelt, wer wirklich zu IHM gehört und wer nicht ! „HERR lass Dein Volk aufwachen und er-kennen was DU unter EINHEIT verstehst … AMEN !!!“

    • Lieber Bruder Mucke,

      alles richtig gesehen und geschrieben. Aber: Es ist leider nicht so einfach. Denn die Verschiedenheit von Menschen, auch im Glauben und dort eher nicht im wesentlichen, ist immer unterschiedlich. Dies ist einfach menschlich. Es wäre schon hier auf Erden phantastisch, wenn wir alle die wir uns Christinnen/Christen nennen, eine WIRKLICHE EINHEIT IN DER VIELFALT wären. Dazu gehört ganz wesentlich, dass man gastweise auch das Abendmahl mit Geschwistern feiern darf, die einer anderen Konfession angehören. Dann müssten wir uns – Entschuldigung für diesen technischen Begriff – unter uns Jesus-nachfolgern viel mehr vernetzen.

    • Muss ich es noch mal hinschreiben: Was bewegt Menschen diesen Altherren-Mumpitz für bare Münze zu nehmen?
      Ja, katastrophaler noch, Ihnen jahrtausendelang blindlings zu folgen? Warum lassen sich die Gottesanbeter knebeln von einer Moral, die – milde formuliert – nichts zu Lebenslust beiträgt, nie die Glücksfunken anfeuert, eher selten zu Freundschaft zwischen den Völkern anstiftet, nie „unnormale“ Frauen und Männer achtet, nie das Hochlied des Denkens anstimmt, nie Einspruch duldet? Die Antwort ist komplex, aber eine Antwort übertönt alle anderen.
      Angst! Dass der Weltenhöchste jede Abtrünnigkeit am „Jüngsten Tag“ heimzahlt.

      • Vor Gott braucht niemand Angst zu haben

        Hallo Dieter,
        dass der Weltenhöchste jede Abtrünnigkeit am „Jüngsten Tage“ heimzahlt ??? Ich bemühe mich fromm zu sein in einem positiven Sinne und in der Freiheit des Glaubens an einen Gott, der Liebe ist. Angst ist menschlich, aber Gottesangst leider grenzwertig. Denn Christinnen und Christen glauben zumeist, dass das Kreuz von Golgatha die Versöhnung mit uns Menschen ist, die wir uns nicht durch gute Taten – die oft gar nicht gut sind, verdienen können. Im Grunde geht es in diesem christlichen Glauben um ein großes Vertrauen, dass wir Menschen und jegliche Kreatur im Universum erlöst werden. Dass Kirchen und Religionen Angst verbreiten, auch wenn sie dies nicht immer unbedingt beabsichtigen, ist leider Realität. Mündige Christen haben keine Denkverbote und sie achten unnormale Frauen und Männer, denn wir alle sind auch an verborgenen Ecken und Enden unnormal. Jesus hat jene Unnormalen geliebt, wenn und weil sie ehrlich und offen damit umgegangen sind. Auch der Satz, dass die Ersten die Letzten sein werden – und umgekehrt – beschreibt, dass ein unendlicher Geist der Liebe ganz andere Maßstäbe hat: Er straft nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe. Wir alle sind wie Verlorene Söhne (siehe Gleichnis), die heimkehren und liebevoll empfangen werden.

        • Moin, ich will Ihnen Ihren Glauben nicht nehmen, Herr Hehner.
          Aber vielleicht haben Sie eine Antwort auf meine Frage, warum Gott sich seltsamerweise nur Gläubigen „offenbart“. Warum zeigt sich Gott niemals Atheisten? Das wäre doch viel sinnvoller, als jene zu erscheinen, die schon überzeugt sind. Ist „Gott“ etwa unlogisch? Oder interessieren ihn die Ungläubigen, die Gottlosen und die Verlorenen nicht?
          Schade, dass Gläubige nicht weiter schauen können, als bis zu ihrer Bibel. Trotzdem lasse ich jedem seinen Aberglauben, solange es Dritten nicht schadet.
          Mit freundlichen Grüßen

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