Miroslav Volf: „Zusammen wachsen. Globalisierung braucht Religion“

0

In unserem Zeitalter der unaufhaltsam voranschreitenden und unübersichtlichen Globalisierung sind die Religionen für viele eher Teils des Problems als Teil der Lösung. Andererseits sehen immer mehr Menschen skeptisch und mit Ängsten in die näher zusammenrückende Welt und gerade aktuell sehen wir, dass dies zu Populismus und Konflikten führt.

Miroslav Volf argumentiert: Die durch die Marktkräfte getrieben Globalisierung schafft Wohlstand bei gleichzeitiger Reduktion des Menschen auf materialistische Aspekte. Damit das Zusammenrücken der Menschen nicht in Gewalt und Unmenschlichkeit endet, brauchen wir die Religionen. Und zwar Religionen, die an ihren Kernwerte wie Glaubensfreiheit und Respekt aktiv festhalten und damit dem politischen Pluralismus eine Seele geben.

Volf skizziert in fünf Kapiteln den Rahmen für eine zu führende Diskussion – und versteht ihn als „Einladung für Anhänger anderer Religionen und religionsloser Humanisten, ihre eigenen Darstellungen zu artikulieren“. Der Essay ist in einer für den interessierten Laien verständlichen Sprache geschrieben. Vertiefungen befinden sich in einem eigenen, sehr umfangreichen Fußnotenteil.

In Kapitel 1 und 2 arbeitet Volf die Charakteristika von Globalisierung und Religion heraus und zeigt auf, warum diese beiden Kräfte für das menschliches Gedeihen idealerweise Hand in Hand gehen. Schließlich sind die Weltreligionen die Ursprünge der Globalisierung.

In den Kapiteln 3-5 geht es dann um das „Wie“. Hier beleuchtet er die Aspekte Respekt und politischen Pluralismus. Er legt dar, warum religiöser Exklusivismus kein Widerspruch zu politischen Pluralismus ist.

Hervorheben möchte ich das 5. Kapitel zum Thema „Konflikte“. Hier liefert Volf deutlich mehr als eine Skizze, sondern sehr konkrete Vorschläge zum Versöhnungsprozess. In den vor-und nachgestellten sehr persönlichen, inhaltsdichten und exzellenten Kapiteln „Einleitung: Wo ich stehe“ und „Nachwort: Gott, Nihilismus und zusammen wachsen“ tritt Volf dann für den zu führenden Dialog quasi in Vorleistung für den christlichen Glauben.

Noch eine Anmerkung: Christlicher Exklusivismus für Volf eine hilfreiche Position, die er sehr verteidigt und deren positiven Beitrag für diesen Dialog hervorhebt. Ob er verstanden wird, hängt für manche sicher davon ab, wie sehr es gelingt Abwehrreflexe oder gar Berührungsängste hintenanzustellen.

Von Peter Hakenberg

 

Verlag: Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 978-3-579-08679-8
Seitenzahl: 336
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Sterne