Missbrauch: Höchstes Gericht spricht Kardinal Pell frei

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George Pell
Kardinal Pell, Foto: picture alliance / AP Photo / Andy Brownbill
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Kardinal George Pell ist frei. Das Höchste Gericht in Australien hat den wegen Missbrauch angeklagten Geistlichen freigesprochen. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien. Eigentlich war der ehemalige Finanzsekretär des Vatikans zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, von denen er mindestens drei Jahre und acht Monate absitzen sollte. Demnach wäre er erst 2022 aus dem Gefängnis entlassen worden. Ihm war vorgeworfen worden, in den Neunzigerjahren zwei Chorknaben in der Sakristei in der Kathedrale in Melbourne missbraucht zu haben. Pell hatte die Vorwürfe immer bestritten. Er legte zweimal Berufung ein.

Die sieben Richter des Höchsten Gerichts sprachen den 78-Jährigen jetzt frei. Es gebe eine „signifikante Möglichkeit, wonach eine unschuldige Person verurteilt worden sei“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Zusammenfassung des Urteils. So hatten beispielsweise Zeugen ausgesagt, dass es nach dem Sonntagsgottesdienst gar keine Möglichkeit gegeben habe, so eine Tat unbemerkt zu begehen. Kardinal Pell hat mittlerweile das Gefängnis verlassen. Medienberichten zufolge teilte er mit, dass er „keinen Groll“ gegen die Belastungszeugen hege.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Es zeugt von der Reife dieses Mannes, dass er allen, die ihm Unrecht zufügten, verzeiht.
    Es war ja beschämend, wie die Presse immer wieder einen wütenden Mob („To hell with Pell“!) gegen ihm mobilisierte.

    • Ob es Unrecht war, werden nur er und die mutmaßlichen Opfer wissen.

      Man hat Zweifel und deshalb wird man in Rechtsstaaten zu Recht freigesprochen. Das heißt nicht, dass die Zeugen gelogen haben oder das es nicht passiert ist. Es heißt, dass man es nicht rechtssicher beweisen kann.

      Das es hier sehr unsicher ist, was passiert ist, zeigt der erste Schuldspruch.

      Ich wäre also vorsichtig damit, dass ihm hier Unrecht zugefügt wurde und dass das alles ein Zeichen seiner Reife ist.

      Dein posting unterstellt den Zeugen und mutmaßlichen Opfern, dass sie gelogen haben. Das ist aber genausowenig bewiesen!

  2. Als „Zuschauer“ fragt man sich jetzt: Wurde ein Schuldiger mangels Beweisen freigesprochen, oder ein Unschuldiger rehabilitiert? Das weiß nur Gott (und die Beteiligten, sofern sie sich nicht erfolgreich selbst belogen haben).

    Egal was stimmt: Am Missbrauchsskandal an sich ändert das fast nichts.

  3. Eine rein verfahrenstechnische Anmerkung:
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    Es ist im Justiz-System (auch schon im alten Rom: Marcus Tullius Cicero bringt hierzu ja viele Beispiele) doch ein großer Unterschied, ob eingeschworene Laien oder rechtskundige, prozesserfahrene höchste Richter — und dazu auch noch wie hier *einstimmig* — ein Urteil abgeben.

    • Das Berufungsgericht, dass die Berufung abgelehnt hatte, bestand allerdings auch aus richtigen Richtern, die sicher auch rechtskundig und prozesserfahren waren.

      Insofern wurde er nicht nur von Laien in 1. Instanz sondern auch von Profis in 2. Instanz verurteilt. Erst die 3. Instanz sah Zweifel.

      Übrigens war auch der Richter in 1. Instanz Profi. Dieser Vorsitzende Richter Peter Kidd bezeichnete die Taten Pells als „atemberaubend arrogant“,

      https://de.wikipedia.org/wiki/George_Pell#Strafverfahren

  4. Falls die Vorwürfe der Anklage gestimmt hätten, denen zufolge Kardinal Pell zwei Chorknaben nach einer Sonntagsmesse in der Sakristei der St. Patrick’s Kathedrale von Melbourne sexuell missbraucht habe, dann hätten nach der Messe innerhalb von zehn Minuten folgende 10 Dinge passiert sein müssen, auf welche die Verteidigung im Rahmen des zweiten Verfahrens vergeblich hingewiesen hatte.

    • Pell müsste seine jahrzehntelange Praxis, Gläubige nach der Messe außerhalb der Kathedrale zu begrüßen, unterbrochen haben.

    • Er müsste die Sakristei alleine betreten haben, ohne seinen Zeremoniär und ohne den Mesner.

    • Der Zeremoniär, der Pell immer begleitete um ihm beim Ablegen der Messgewänder in der Sakristei behilflich zu sein und der dort auch seine eigene liturgische Kleidung ablegte, müsste verschwunden sein.

    • Der Mesner, der für die Sakristei verantwortlich war, müsste ebenfalls verschwunden sein.

    • Der Mesner konnte auch nicht zwischen dem Altarraum und der Sakristei hin und her gegangen sein, um Messbücher und liturgische Gefäße zu verstauen, wie es seine Aufgabe und lang geübte Praxis war.

    • Die Ministranten müssten ebenfalls verschwunden sein, an Stelle dem Mesner beim Aufräumen des Altarraums zu helfen.

    • Die Priester, die mit Pell konzelebriert hatten, waren nach der Messe ebenfalls nicht in der Sakristei, um ihre Messgewänder abzulegen.

    • Mindestens 40 Personen ist es nicht aufgefallen, dass zwei Chorknaben die Prozession nach der Messe verlassen haben.

    • Zwei Chorknaben hätten nach der Anklage die Sakristei betreten und dort Messwein getrunken haben. Sie seien dabei von Pell zur Rede gestellt und sexuell missbraucht worden, während die Sakristeitür offen war und der Erzbischof noch seine Messgewänder getragen habe.

    • Die missbrauchten Chorknaben seien dann durch zwei versperrte Türen in den Chorraum gelangt, ohne dass es jemand bemerkt habe und hätten an einer Probe teilgenommen. Niemand habe gefragt, warum sie zehn Minuten zu spät waren.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die zehn Punkte in zehn Minuten ereignen können, so ist berechnet worden, bestünde 1:1Milliarde.
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    Zudem: Einer der beiden Kläger sei vor Prozessbeginn verstorben, der seiner Mutter gesagt haben soll, dass er nie missbraucht worden sei.

    Während des Prozesses hat niemand die Anschuldigungen des anderen Klägers bestätigt.
    Der selbst sei, obwohl längst erwachsen, >> nicht geladen gewesen, habe seine Anklage daher nicht persönlich erhoben < 25%) auch in Australien zur Genüge, die in aller Öffentlichkeit „Pell to hell“ skandierten.

    • Auf Grund dessen, dass er von 2 Instanzen schuldig gesprochen wurde und erst die 3. Instanz Zweifel sah, dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht bei 1:1 Milliarde (wer hat das berechnet; sein engster Fanclub?) sein sondern bestenfalls bei 50:50, eher deutlich weniger, was aber für einen Freispruch reicht..

      Außerdem fokussierst Du dich auf einen einzigen Vorfall, ihm wurden Missbräuche über Jahrzehnte vorgeworfen.

      Vielleicht bringt der jetzt zu erwartende Zivilprozess ja mehr Licht ins Dunkel. Auch über sein mutmaßliches Decken und Vertuschen anderer Missbräuche in seinem Verantwortungsbereich (die er teilweise bereits eingeräumt hat). Der Aufklärungsprozess beginnt ja erst.

      „Kardinal George Pell hatte noch vor einigen Jahren als Zeuge vor der Royal Commission ausgesagt, per Video vom Vatikan aus. Dort war er als Schatzkanzler der dritthöchste Mann im Kirchenstaat. Als es um einen bestimmten pädophilen Priester und seine Verbrechen ging, sagte Pell nur: „Eine traurige Geschichte, die mich nicht sehr interessierte.“
      https://www.tagesschau.de/ausland/freispruch-pell-101.html

      Mein Mitgefühl hebe ich mir lieber für jemand anderen auf.

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