Der katholische Theologe Wolfgang Beck hat angesichts des Missbrauchsvorwurfs gegen einen ehemaligen Bischof in Hildesheim eine Kontrolle aller deutschen Bischöfe gefordert. In den höheren Ebenen der katholischen Kirche gebe es immer noch einen ausgeprägten Klerikalismus, sagte Beck der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Das Grundproblem sei, dass die Strukturen, die Kindesmissbrauch und andere Skandale begünstigten, bis heute nicht verändert worden seien. Notwendig sei eine unabhängige Kontrolle auch für die hohe Geistlichkeit: "Ab Domkapitularen aufwärts, auch für den Bischof." Früher habe sich ein Kind, das missbraucht worden sei, möglicherweise nicht getraut, etwas zu sagen, "weil ein alter Mann gottgleich auftritt", betonte Beck, der auch das "Wort zum Sonntag" in der ARD spricht.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass der frühere Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) sich über mehr als vier Jahren hinweg an einem Messdiener vergangen haben soll. Das Opfer, heute um die 70 Jahre alt, hatte sich mit diesem Vorwurf nach Jahrzehnten des Schweigens Mitte April an das Bistum Hildesheim gewandt. Damit steht erstmals in Deutschland ein ehemaliger katholischer Bischof posthum im Verdacht, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. 

Auch heute noch müssten sich Bischöfe kaum für etwas rechtfertigen, weder für den Umgang mit Geld noch für Personalentscheidungen, sagte der Juniorprofessor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Auch die Kontrolle der Arbeit der Priester in den Gemeinden funktioniere nicht: "Wenn die keine goldenen Löffel klauen, können sie machen, was sie wollen."

Beck nannte als Beispiel für eine Kontrolle die Situation in den USA. Dort gebe es anonyme Befragungen der Gemeindeglieder, um die Qualität der Arbeit sicherzustellen. Auch Papst Franziskus spreche davon, dass auf allen Ebenen Kontrolle durch Synoden, also frei gewählte Gremien, notwendig sei. "Die deutschen Bischöfe, die sonst sehr auf Rom hören, sind da faktisch sehr zurückhaltend."

(Quelle: epd)