In „St. Maik“ dreht sich alles um einen Pfarrer – aber keinen echten. Das bekannte Motiv vom Trickbetrüger in der Soutane interpretiert die neue RTL-Dramedyserie publikumstauglich: Sie stellt eher die formellen Aspekte des christlichen Glaubens in den Vordergrund.

Von Michael Seiler

Aber von vorn: Maik (Daniel Donskoy) verdient seinen Lebensunterhalt als Trickbetrüger. In seiner Tarnung als falscher Schaffner droht er jedoch aufzufliegen, also schnappt er sich das Gewand eines auf der Fahrt verstorbenen Pfarrers. An der Endstation läuft er gleich der engagierten Haushälterin des sehnsüchtig erwarteten neuen Pastors in die Arme. Diese führt ihn gleich mit Feuereifer in die Gemeinde ein, die von dem gutaussehenden jungen Pfarrer trotz mancher unorthodoxen Methode zunehmend begeistert ist.

Serienklassiker wie „Der Gauner und der liebe Gott“ haben es vorgemacht und das, was Pfarrer Maik hier erlebt erinnert auch an viele andere klassische Verwechslungskomödien. Mancher Gag wurde etwas zu offensichtlich platziert, während das Zwischenmenschliche in der Gemeinde in der Regel gut funktioniert.

Die Damen vom Kirchenchor schließen den Pfarrer gleich ins Herz, er selbst sorgt in manchem Haushalt wider Willen für Frieden und probiert sich sogar als Eheberater aus. Der Glaube selbst steht eher in Form von gottesdienstlichen Ritualen und der traditionellen Kirchenzugehörigkeit in der Kleinstadt im Vordergrund. Am Ende jeder Folge darf allerdings eine Grundsatzfrage gestellt werden, etwa ob wirklich alle Sünder in den Himmel kommen oder, was der Gottesdienstbesuch für jeden Einzelnen bedeutet.

Wer eine etwas schwungvollere Adaption von Serien wie „Um Himmels Willen“, gemischt mit einer Prise „The Young Pope“ sucht, der wird hier fündig. Langweilig ist „St. Maik“ in keiner Minute, auch wenn man die meisten Figurenkonstellationen und potentiellen Konflikte schon kennt. Dafür ist das alles flüssig erzählt und es gibt kleinere Überraschungen bei den meist sehr sympathischen Nebenfiguren. Maik selbst darf hier nicht nur der übliche mal naive und mal gutgläubige TV-Pastor sein, sondern mit Herz und Verstand für seine gar nicht so kleine Gemeinde da sein.