Heute vor 40 Jahren erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis. Für ihre Arbeit wurde sie bewundert. Dabei waren nicht Erfolg und Reichtum ihr Antrieb, sondern die Sorge um die Ärmsten der Armen. Damit wurde sie zur lebenden Anklage für unsere Leistungsgesellschaft.

Eine Gesellschaft wird geprägt, durch die Menschen, die sie bilden. Wir in Europa leben in einer so genannten Leistungsgesellschaft. Wert wird nach Leistung ermittelt, ebenso Respekt und Anerkennung. Schönheit, Erfolg, Intelligenz und Reichtum – wenn wir ehrlich sind, messen wir uns und andere oft daran.

Am 26. August 1910 wurde Mutter Theresa als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Üsküb, einer Stadt im heutigen Mazedonien, geboren. Sie wuchs in einer wohlhabenden katholischen Familie auf. Als sie zehn Jahre alt war starb ihr Vater. Agnes Gonxha vertiefte sich mehr und mehr in den Glauben. Schon bald entschied sie sich, als Ordensschwester zu leben. Mit achtzehn Jahren schloss sie sich dem Orden der Loretoschwestern an.

In Indien unterrichtete sie Kinder, dolmetschte und legte mit 26 Jahren das „ewige Gelübde“ ab. Seitdem trug sie den Namen Teresa, nach der heiligen Térèse von Lisieux.

Während einer ihrer vielen Fahrten durch Kalkutta soll sie die göttliche Berufung erhalten haben sich fortan für die Ärmsten der Armen einzusetzen. Sie entschied sich für den radikalen Weg und lebte – mit dem Segen des Papstes – gemeinsam mit den Armen und Kranken außerhalb des Ordens in den Slums von Kalkutta.

„Nicht ich, sondern Gott tut alles.“

Was sie dort tat, machte sie berühmt. Wo andere beim Anblick von Tod und Leiden zurückschreckten, dort ging sie hin. Und blieb dabei stets eine fröhliche Frau, die Energie und Lebenskraft versprühte. Auf die Frage, woher sie die Kraft nehme, antwortete sie stets: „Nicht ich, sondern Gott tut alles.“ Sie war ein Werkzeug Gottes, dessen war sie sich bewusst.

Als erste Reaktion auf den Friedensnobelpreis zeigte sie weg von sich und hin auf den einen, in dessen Dienst sie zeitlebens stand:

„Er [der Friedensnobelpreis] wurde mir zur Ehre Gottes verliehen. Ich glaube, man will seine Anwesenheit in der Welt anerkennen. Dass er viel größer ist als alle Staatsmänner der Welt.“ (Quelle: Deutschlandfunk)

Kritiker bemängeln schlechte Hygiene

Natürlich gab auch kritische Stimmen im Bezug auf ihre Arbeit. Ärzte bemängelten die schlechte Hygiene und die unprofessionelle Arbeit ihrer Helfer. Oft wurde sie für ihre festgefahrenen Einstellungen und ihre Sturheit kritisiert. Mutter Teresa erwiderte darauf stets, es sei nicht ihr Ziel, das Leben in Indien zu verbessern, sondern ihre Nächsten zu lieben und den Einzelnen zu beachten.

Ihr Werk hat damals wie heute viele Menschen fasziniert und angezogen. Wer sie traf, dessen Welt wurde auf den Kopf gestellt. Shane Claiborne, Autor des Buches „The simple Way“ schreibt, nicht die eigentliche Begegnung mit Mutter Teresa habe ihn verändert, sondern die Liebe, die zwischen den Menschen in ihrer Umgebung zu spüren war.

Etwas leisten, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen

Mutter Teresa hat viel geleistet. Es ging ihr nicht um Ruhm und Ehre für sich selbst. Sie war bewegt von dem Wunsch, Gott die Ehre zu geben und seine Liebe zu leben. Und das, obwohl sie selbst immer wieder von Zweifeln geplagt war. Vielleicht ist es gerade das, was unseren Respekt verdient: Etwas zu leisten, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Reichtum und Karriere sind mit solch einem Lebensstil nur schwer kompatibel. Nicht zuletzt deshalb bleibt Mutter Teresas Leben auch heute noch eine Anklage gegen den Individualismus unserer westlichen Gesellschaft.