Ihr erstes Bett war eine Bananenkiste, ihr erstes Zuhause ein Tipi. Naomi van Dooren wurde 1973 als Kind von Hippies in Kalifornien geboren. Statt mit dem Fernseher wuchs sie mit der Bibel und viel Musik auf. Heute unterstützt sie als Vocal Coach junge Talente in der Castingshow „The Voice Of Germany“. Unserer Kollegin Julia Kallauch vom Frauenmagazin JOYCE hat sie ihre schillernde Lebensgeschichte erzählt – und warum es sich lohnt, Gott immer zu vertrauen.

JOYCE: Naomi, deine Eltern waren Hippies und sind erst kurz vor deiner Geburt zum Glauben gekommen. Wie kam es dazu?

Naomi van Dooren: In der Nacht vor meiner Geburt waren meine Eltern auf der Suche nach einem neuen Standort für ihr Tipi. Sie sind die Küste bei Mendocino in Kalifornien entlang getrampt, als der Fahrer sie fragte, ob sie schon mal was von Jesus gehört hätten. Er hat ihnen dann eine Kommune der Jesus People empfohlen in der noch Platz für ein Zelt war. Meine Eltern hatten viele Religionen ausprobiert und waren auf der Suche nach der Wahrheit. Deshalb sind sie dort hingefahren und haben noch am gleichen Abend ihr erstes Gebet zu Jesus gesprochen. Sie sagten sich, dass sie es wenigstens ausprobieren wollten.

Was ist das Wichtigste, was deine Eltern dir mitgegeben haben?

Dass es eine persönliche Entscheidung ist, Jesus nachzufolgen. Ich bin nicht erzogen worden, eine christliche Kultur zu leben. Dadurch, dass sie aus der Hippie-Szene kamen, wollten sie keine Formeln und Floskeln. Sie waren sehr radikal und wollten keine halben Sachen machen, gleichzeitig war es total wichtig für sie, sich aus freien Stücken zu entscheiden. Deshalb war unser Glaubensleben immer sehr authentisch.

Naomi van Dooren (Bild: Jane Kneusels)

Du hast amerikanische und deutsche Wurzeln. Fühlst du dich als Amerikanerin oder als Deutsche?

Ich empfinde mich als Deutsche, wenn es um Besonnenheit, und als Amerikanerin, wenn es um Herzlichkeit geht. Als ich jung war und angefangen habe Musik zu machen, habe ich mehr englisch geschrieben, gefühlt, gebetet und gedacht. Aber über die Jahre ist Deutsch auch zu meiner Herzenssprache geworden. Ich kann mich mittlerweile auf Deutsch viel besser ausdrücken.

Wolltest du schon immer Sängerin werden?

Ich habe schon immer gerne gesungen. Das habe ich für mich gebraucht, um frei zu sein. Dann habe ich keinen Druck und keine Verantwortung gespürt, denn davon hatte ich als älteste Schwester und Pastorentochter immer sehr viel.

Ihr seid fünf Schwestern. Spürst du heute noch, dass du die Älteste bist?

Ja, aber die Herausforderungen aus der Kindheit werden später zum Kapital. Ich liebe es, wie früher, Lektionen weiterzugeben, die ich erkämpft und gelernt habe, und fühle mich verantwortlich, das auch zu tun.

Du warst mit deinen Schwestern musikalisch lange gemeinsam unterwegs…

Mit 16 habe ich meine eigene Band gegründet. Ungefähr zehn Jahre später habe ich angefangen, meine Schwestern als Background-Sängerinnen zu meinen Konzerten mitzunehmen. Das hat uns an unsere Kindheit erinnert, weil wir da schon zusammen aufgetreten waren. Es hat Spaß gemacht, wieder zusammen zu singen, und durch den Tod unseres Vaters waren wir sehr hungrig danach, uns zu sammeln und wieder zusammen zu sein. Wir haben sehr gutes Feedback bekommen, und so haben wir angefangen, unsere eigenen Lieder zu singen.

Ist es mit fünf Mädchen nicht schwer, sich nicht ständig zu vergleichen?

Wir hatten alle unausgesprochene, teilweise auch unbewusste Komplexe und hatten Mauern aufgebaut. Bei der Zusammenarbeit ist das alles hochgekommen. Bei den Proben flossen oft Tränen oder man hat sich angeschrien. Wir hatten aber, Gott sei Dank, von unseren Eltern gelernt, miteinander zu reden, um Vergebung zu bitten und uns zu versöhnen. Es war eine unfassbar schöne, reichhaltige Zeit von Nähe zueinander und Nähe zu Gott.

„Der Kontakt mit talentierten Leuten macht extrem demütig“

Du hast dich 2009 aus dem Solo-Gesangsgeschäft zurückgezogen. Warum?

Wir sind damals nach Hessen gezogen. In dieser Zeit haben wir unsere Band aufgelöst. Ich hätte ein ganz neues Projekt auf die Beine stellen müssen. Aber mir wurde im Gebet klar, dass ich die eigene Musik loslassen soll. Das war natürlich der Horror. Ich habe so viele Tränen vergossen, aber rückblickend war es befreiend. Ich habe dafür meine Arbeit als Vocal Coach ausgedehnt. Bei „The Voice“ bin ich permanent mit talentierten Leuten im Kontakt, was extrem demütig macht, denn als Sängerin glaubt man gerne, man wäre etwas Besonderes. Wenn ich als Teenie anderen Künstlern begegnet bin, die egoistisch oder selbstzentriert waren, habe ich immer gebetet: „Herr lass mich nie so werden.“ Andere Sänger zu coachen und als Mami meinen Kindern zu dienen, das ist die perfekte Übung.

Naomi van Dooren (Foto: Jane Kneusels)

Das klingt so, als wenn dir immer bewusst war, dass Gott es gut mit dir meint?

Nach Papas Tod sind einige Probleme entstanden, die ich alle versucht habe zu lösen. Eigentlich war ich verwöhnt und wusste es nicht, und plötzlich war alles weg. In dieser Zeit habe ich immer wieder an diese Bibelstelle gedacht, in der ein Samen in der Erde sterben muss, damit er Frucht bringen kann. Ich habe einfach erkannt, dass Jesus mich in das Tal und auch wieder herausführt, und ich genau dort bin, wo ich sein soll. Es ist nicht meine Schuld und er hat mich auch nicht vergessen. Durch die gesamte Krise bin ich ihm immer nähergekommen. Alles zu verlieren, war für mich schlussendlich befreiend. Außerdem habe ich gelernt, dass Liebe einen Preis hat. Eine Mutter zu sein, Ehefrau, Freundin, das kostet etwas und diese Opfer will ich bringen, denn dadurch wird die Beziehung kostbar. Dass Gott mich jetzt, Jahre später, überrascht und plötzlich neue Songs in mir wachsen lässt und ich spüre, dass die eigene Musik wieder dran ist, überwältigt mich. Es lohnt sich, ihm zu vertrauen.

Ist es eine besondere Herausforderung, Teilnehmer einer Castingshow zu coachen?

Bei einer Fernsehsendung geschieht alles unter Zeitdruck. Auch wenn die Künstler bei „The Voice“ fantastisch behandelt werden, fühlt sich jeder Sänger auch ohne Außeneinwirkung unter Druck – eine Mischung aus getrieben und nicht gut genug. Ihnen in dieser Ausnahmesituation beistehen zu können, ist gigantisch und auch für mich ein großes Vorrecht. Kein Sänger ist wie der andere, deshalb liebe ich diesen Job. Ich darf Menschen helfen, so zu singen und das aus einem Song rauszuholen, was für sie von Bedeutung ist.

Was fasziniert dich am Instrument „Stimme“?

Dass sie zu jeder Zeit anders ist. Das heißt, wie du dich fühlst oder was dich bewegt, beeinflusst deine Stimme. Dadurch gibt man sehr viel von sich preis.

Kannst du jedem beibringen zu singen?

Jeder kann singen und ich kann jedem helfen, besser zu werden. Nicht jeder ist damit ausgestattet, das zum Beruf zu machen, aber jeder kann Spaß am Singen haben, wenn man ihm hilft, eine Situation zu finden, in der sie oder er sich wohlfühlt.

Gibt es auf deiner neuen EP Nur zu dir ein Lied, das dir besonders am Herzen liegt?

Ich glaube das Lied „Reise“ ist sehr stark. Der Song ist ein Zwiegespräch mit Gott, in dem es um ihn und mich geht. Etwas, das keiner sehen kann, was aber eine gewaltige Macht in meinem Leben hat. Das ist für mich der absolute Kern dessen, was mich durch das Leben trägt. Da spielen so viele Bilder mit rein, dass ich das Lied auf fast jede Lebenslage übertragen kann.

Danke für das Gespräch!

Die Fragen stelle Julia Kallauch.


Das Interview mit Naomi van Dooren ist zuerst im Frauenmagazin JOYCE des SCM Bundes-Verlags erschienen, zu dem auch Jesus.de gehört.

Link: Die Homepage von Naomi van Dooren

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