Ende dieser Woche kommt die neue Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen. Inhaltlich wird sie der Umgang mit dem Mitgliederverlust prägen. Zuerst steht sie aber vor personellen Weichenstellungen: Wer folgt auf Präses Irmgard Schwaetzer?

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Von Corinna Buschow (epd)

Es wird ein digitales Kennenlernen für die neuen Kirchenparlamentarier. Von Donnerstag bis Samstag konstituiert sich die inzwischen 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 128 Synodalen, darunter viele Neue in dem Gremium, können wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant in Bonn tagen, sondern nur per Videokonferenz. Erprobt darin ist das Kirchenparlament schon seit seiner Tagung im November vergangenen Jahres, die letzte der alten Synode, bei der sich die Teilnehmer kannten. In der neuen Zusammensetzung ist die Herausforderung größer, zumal wichtige inhaltliche und Personalentscheidungen anstehen, über die man auch in der Kirchenpolitik gern am Rande eines Tagungssaals verhandelt.

Neue Gesichter in der Synode

Zum Auftakt muss die Synode das siebenköpfige Präsidium neu wählen. Spannend wird dabei, wen das Kirchenparlament an die Spitze wählt. Die derzeitige Präses Irmgard Schwaetzer, frühere FDP-Bundesministerin, scheidet aus. Auch vor ihr übernahmen oft Politiker das Amt, das neben der oder dem EKD-Ratsvorsitzenden die evangelische Kirche nach außen repräsentiert.

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In der aktuellen Synode haben erneut die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die schon einmal Präses war, und der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Hermann Gröhe (CDU) einen Platz. Neu in der Synode sind der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Stefan Ruppert und der Linken-Bundestagsabgeordnete Friedrich Straetmanns. Sie alle wurden vom Rat der EKD in die Synode berufen. Die frühere FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg zieht als gewählte Synodale der Berliner Landeskirche in das Gremium ein.

Ausblick: Auch der Ratsvorsitz wird neu besetzt

Die nächste spannende Personalie steht für die Synode auf der Tagung im Herbst an. Dann muss ein neuer Rat der EKD gewählt werden, und auch dort geht es um den Spitzenposten. Der aktuelle Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof in Bayern, hat bereits angekündigt, nicht wieder zu kandidieren.

Eine klare Favoritenrolle wird derzeit noch keinem Bischof oder einer Bischöfin zugeschrieben. Stellvertretende Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus, die im November von ihrer Landeskirche für eine weitere Amtszeit bestätigt wurde. Mit ihren Bemühungen um die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Kirche hat sich außerdem die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs profiliert, die ebenfalls bereits dem EKD-Rat angehört und im Juni für weitere zehn Jahre als Bischöfin in der Hansestadt wiedergewählt werden könnte.

Seit der letzten Ratswahl 2015 sind aber auch neue Gesichter in Bischofsämter gekommen, die in den Rat und damit auch für den Vorsitz gewählt werden könnten, etwa der Bischof der mitteldeutschen Kirche, Friedrich Kramer, Nordkirchen-Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, der Berliner Bischof Christian Stäblein und der rheinische Präses Thorsten Latzel. Auch die Landeskirchen der Pfalz, in Bremen, Oldenburg, Sachsen und Kurhessen-Waldeck sowie die reformierte Kirche haben seitdem neue leitende Geistliche gewählt. Der Rat der EKD hat 15 Mitglieder, ein Sitz ist für den oder die Synodenpräses reserviert. Neben Theologen sind zudem Laien Mitglieder.

Einsparungen und Mitgliederverlust prägen inhaltlichen Fokus

Inhaltlich wird es für die neue Synode in der bevorstehenden sechsjährigen Wahlperiode darum gehen, die Beschlüsse zur Zukunftsstrategie umzusetzen, die die Kirchenparlamentarier der Vorgängersynode verabschiedet haben. Angesichts des Mitgliederverlusts will sich die evangelische Kirche inhaltlich fokussieren und teilweise neu orientieren. Vor allem muss sie aber auch sparen. Die Synode beschloss im November, dass der Haushalt der EKD im Jahr 2030 insgesamt 17 Millionen Euro weniger Ausgaben umfassen soll als 2019.

Die Synode hat maßgeblichen Einfluss darauf, wo der Rotstift angesetzt wird. Sie beschließt den Haushalt der EKD in der Regel auf der Novembertagung. Bei der konstituierenden Sitzung dürfte es also noch nicht ans Eingemachte gehen. Dort steht nach Angaben der EKD erst einmal auch das auf der Tagesordnung, was die Form des Treffens prägen wird: Es soll einen Austausch über digitale geistliche Formate und die Erfahrungen damit in der Pandemie geben.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Mitgliederschwund … ist immer dann der Fall, wenn etwas an der Realität vorbei geht, gesetzlich, unglaubwürdig abläuft. Wir CHRISTEN sind nur dann attraktiv, wenn wir glaubwürdig LIEBE leben intern und extern. Die höchste Anziehungskraft bekom- men wir nur, wenn wir endlich alles demontieren, was der längst fälligen EINHEIT unter uns im Wege steht. Als das blöde Konfessions-Gewürge und die damit verbundenen Spaltungen selbst in kleinsten Dörfern. Alles wäre mit einem Schlag einfach, wenn nur der sich CHRIST nennen darf, der IHM vertrauen und gehorsam sein will. Alle anderen gehören nicht zum LEIB des CHRISTUS … Unsere bisherigen Gemeinde- und Kirchennamen zeigen schon, dass wir nur polarisieren (spalten) und nix ver-standen haben. Muß denn erst, auch bei uns, CHRISTENverfolgung einsetzen, damit die Echten von den Unechten getrennt werden …

  2. Neue EKD-Synoden müssen sich dem Mitgliederverlust widmen

    In einer nach meiner Erinnerung in den 1970er Jahren herausgegebene Studie bezeichnet diese beide großen Kirchen als stabil. Sie erreichten 3 – 5% der Gemeindemitglieder, durch Gottesdienste und die Gruppen, Kreise und Angebote in den Gemeinden, genannt die Kerngemeinde. Dazu gehörten auch die Menschen in den Synoden, Gremien bzw. den Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten. Das restliche brav Kirchensteuer zahlende Kirchenvolk mochte nicht aus der Kirche austreten und wurde zu Lebensabschnittsgelegenheiten durch Diakonie, Seelsorge, Taufe, Vorkonfirmandenunterricht bzw. Firmunterricht und somit aufgrund von Konfirmation erreicht. Bisweilen ging man auch noch an hohen Feiertagen in die Kirche. Die große Möglichkeiten, u.a. auch Menschen durch konfessionelle Kindertagesstätten, Sozialstationen oder im Kindesalter – vor allem auch aufgrund der Taufe – zu erreichen, wurde als ein Pfund nicht vermehrt. Oder konnte auch überhauopt nicht funktionieren.

    Heute treten auch immer mehr evangelische Kirchenmitglieder aus, ein Trend der sich verstärkt und seit geraumer Zeit als Traditionsbruch bezeichnet wird. Davon sind auch die allermeisten Freikirchen betroffen, auch hier ist tendenziell die Teilnahme am Gemeindeleben und Gottesdienst rückläufig. Das bedeutet ganz konkret, egal ob die Menschen austreten weil sie mit dem Glauben nichts anfangen können oder weil sie es aus Gründen einer berechtigten Kritik tun: Die Kirche schwumpft Mancherorts sind Kindergottesdienste traurige Veranstaltungen genauso wie Gottesdienste an normalen Sonntagen, wenn nur ein bis zwei Dutzend Gläubige im Gotteshaus sitzen. Eltern gehen selbst auch immer weniger in Gottesdienste oder Andachten und sie nehmen auch ihre Kinder nicht mit. Diese werden nicht dazu motiviert, in die Kinderchorarbeit zu gehen, sodass es irgendwann keine Kantoreien oder Kirchenchöre mehr gibt. Manche Kirchenbezirke sind finanziell so klamm und es können daher keine größeren oder überhaupt keine Kirchenkonzerte stattfinden.

    Der Traditionsabbruch, das Schrumpfen der Kirchen, hat Gründe sowohl geistlicher als auch anderer Ursachen. Jede anderen Organisation würde alles in Bewegung setzen und sich um eine Reform an Haupt und Gliedern der Institution zu bemühen. Es gibt bereits unerhörte laute Warnrufe, die da lauten: „Wir als Kirche schaffen uns selbst ab“! Die geistlichen und sonstigen Ursachen brauchen einen großen „“Bumms“, eine Ninive-Inspiration sowie vor allem ein wenig mehr Begeisterung für die beste Botschaft im Universum. Dieses Thema muss endlich als dringlich formuliert werden, sonst nutzen uns die neuen Synodalen, neue/ Kirchen*präsdiden*tin oder Bischof an der Spitze der EKD überhaupt nichts. Längst müsste die 50 Jahre alte Erkenntnis auch Raum greifen, dass nur die schönen und neuen Gottesdienstformen – über die ich mich wirklich sehr freue – alleine nichts nutzen. Also setzt bitte dieses angesprochene Thema als Dauertagesordnungspunkt auf die Agenda. Es könnte ja sein, dass man urplötzlich zu der Erkenntnis kommt, wieder mehr an die Hecken und Zäune zu gehen und bei der Gleichgültigkeit der Wochenhauptversammlung der Gemeinde (dem Gottesdienst) gegenüber, auch mal ein anderes Modell ausprobiert: Etwa die gottesdienstliche Feier mutig auch mal in einen Sozialen Brennpunkt zu verlegen und beim Abendmahl mit den Menschen zu essen und zu trinken. Gemeindearbeit ist auch Beziehungsaufbau und -pflege. Beileibe nicht alle, aber nicht gerade wenige Gemeindesituationen sind wie das Erleben einer Schlafwagengesellschaft. Auch bei Dornröschen sind alle plötzlich eingeschlafen. Wen brauchen wir da als schönen Prinzen, der das liebliche Kirchenwesen aufweckt? War Corona und die guten Erfahrungen mit den vielen wunderbaren und teilweise interaktiven Gottesdiensten im Fernsehen und Netz nicht auch schon ein Hallo-Wachruf ? Anscheinend geht es durchaus, neues zu tun und erfinderisch zu sein. Dem Heiligen Geist wirft man dabei keine Knüppel zwischen die Beine. Er gibt uns Rückenwind

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