Neujahrsvorsätze - und wie man sie wirklich durchhalten kann (Bild: Polina Kovaleva / Pexels.com)

Mindestens 21 Tage muss man eine neues Vorhaben einüben, damit daraus eine Gewohnheit wird. Statistiken besagen jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt schon knapp 30%* ihren Vorsatz aufgegeben haben. Zeit für eine erste Bilanz und Tipps, die sich wirklich umsetzen lassen.

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Text: Hella Thorn

Sich gesünder ernähren, mehr Sport treiben, abnehmen oder mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen – die top Neujahrsvorsätze sind auch 2021 kaum andere als in den vergangenen Jahren. Doch bereits jetzt wird rund jeder Dritte sein Vorhaben wieder aufgegeben und sich den alten Gewohnheiten hingegeben haben, zumindest war das in den vergangenen Jahren stets der Fall.

Doch woran liegt das? Grundsätzlich ist das Einüben neuer Gewohnheiten eine gute Sache und der Mensch ist auf Veränderung ausgelegt. Warum klappt es also nicht, endlich mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Stress zu haben?

Zu unkonkret

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Zum einen, weil viele Neujahrsvorsätze zu unspezifisch sind und sich in ihrer Umsetzung zu riesigen, nicht zu bewältigenden Ungetümen aufbauen. Besser ist es, sich ein smartes Ziel zu setzen: Also ein spezifisches, messbares, attraktives, realistisches und terminiertes Ziel. Heißt übersetzt: Um mich gesünder zu ernähren, koche ich im kommenden Jahr mindestens jeden Freitag ein leckeres, kalorienreduziertes, vegetarisches Gericht, dessen Zutaten ich vorab auf dem Wochenmarkt oder in einem Bioladen besorgt habe.

Zu unattraktiv

Zum anderen sind viele Neujahrsvorsätze spontan aus einer Laune heraus getroffen worden, sodass die Sinnhaftigkeit (Attraktivität) des Ziels einem bereits wenige Tage später nicht mehr ganz einleuchtet. Jeder, der wirklich eine neue Gewohnheit etablieren oder eine Verhaltensänderung hervorrufen will, muss sich fragen, warum dieses Ziel so wichtig und gut ist. Warum will ich mehr Sport machen? Was erhoffe ich mir davon, dass ich mehr Zeit mit der Familie verbringen will (und wie soll diese hinzugewonnene Zeit eigentlich aussehen)? Weshalb will ich mehr in der Bibel lesen (und was bedeutet überhaupt „mehr“)?

Zu groß

Ein dritter Punkt, der viele Vorhaben zum Scheitern verurteilt: Das Ziel ist gar nicht unser eigenes, persönliches Ziel, sondern etwas „das man tun sollte“, etwas, das grundsätzlich ja schon ganz gut wäre, wenn man es irgendwann mal im Leben umsetzen oder verändern würde. Klingt nicht gerade nach einer großen Leidenschaft dahinter, oder? Besser ist es, sich etwas zu suchen, wofür das Herz wirklich brennt.

Und dann gibt es noch den Punkt, dass man gerne etwas verändern und dazu den Schwung des neuen Jahres mitnehmen möchte, aber gar nicht so genau weiß, was. Was könnte in dem neuen Jahr zu einem Herzensprojekt werden? Hier deshalb ein paar Inspirationen für einen (Neu)Anfang.

  • Jesus ähnlicher werden ist ein lebenslang andauernder Prozess, der einen in der Größe regelrecht erschlagen kann. Sich eine Eigenschaft von Jesus herauszusuchen und diese ein Jahr lang in allen Facetten zu beleuchten und einzuüben, ist dagegen ein bisschen leichter. Wie wäre es mit einem Jahr voll: Barmherzigkeit, Gnade, Freundlichkeit, Klarheit, Vertrauen, Direktheit, Schriftkenntnis, Geduld, Hingabe, …?
  • Mehr in der Bibel zu lesen ist ziemlich unspezifisch. Wie wäre es damit: Diese 12 biblischen Bücher will ich in den kommenden 12 Monaten durchlesen. Dabei will ich mir für jedes gelesene Kapitel Zeit nehmen, meine Fragen notieren, über das Gelesene beten oder noch mal etwas nachschlagen. Dafür nehme ich mir eine Stunde in der Woche Zeit, die ich mir im Kalender als Termin notiere.
  • Mehr Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen zu wollen, ist löblich. Doch wie soll diese Zeit aussehen? Wie wäre es mit einer Bucketlist fürs neue Jahr? Mit Jutta einen Kochabend verbringen. Mit Holger unbedingt mal wieder ins Kino gehen (wenn das wieder möglich ist). Mit Andreas und Karen eine Wanderung unternehmen. Und mit den Kindern endlich mal das Picknick im Wohnzimmer veranstalten, das die sich schon so lange wünschen. Am besten für jeden Monat eine Veranstaltung direkt terminieren und planen.
  • Mehr für die Umwelt tun, kann bedeuteten: 3x die Woche vegetarisch zu essen. Beim Einkaufen vor allem zu den Sachen greifen, die regional und/oder saisonal und/oder bio und/oder ohne Verpackung sind. Den Weg zum Büro mit dem Fahrrad fahren. Kräuter und Gemüse auf dem eigenen Balkon (oder im eigenen Garten) anpflanzen. Den Steingarten vorm Haus durch Wildblumen ersetzen. Einen Baum pflanzen. Auf festes Shampoo und feste Duschseife umsteigen. Den Stromanbieter wechseln. Mindestens drei Bücher zu dem Thema lesen. Die kaputte Waschmaschine reparieren, anstatt sie einfach zu entsorgen.
  • Mehr Solidarität und Hilfsbereitschaft: Wer könnte in der Nachbarschaft, der Gemeinde, der eigenen Familie, von der Arbeit Hilfe und Unterstützung gebrauchen? Gibt es Kinder, die einmal in der Woche jemanden brauchen, der sie beaufsichtigt? Muss der Rasen älterer Gemeindemitglieder gemäht und deren Hecken geschnitten werden? Braucht die Familie aus dem dritten Stock vielleicht einmal in der Woche ein warmes Abendessen, weil der Tag so stressig war, dass sie nicht zum Kochen kommen? … Auch zu Corona-Zeiten gibt es viele Dinge, wie man anderen unter die Arme greifen kann.
  • Sparsamer leben: Hier ein Kaffee, da ein Eis, dort ein Strauß Blumen – es gibt viele kleine und große Dinge, die wir mehr oder weniger mit Bedacht kaufen. Wer die Dinge benennen kann, die er mal eben so im „Vorbeigehen“ mitnimmt ist schon einen Schritt weiter. Wer diese Dinge dann im Regal lässt, ist nah dran am Vorhaben, sparsamer zu leben. Konkreter wird die Veränderung so: Wenn ich jede Woche einen Coffee to go (selbstverständlich im eigenen Becher) für 2 Euro weglasse, spare ich im gesamten Jahr rund 100 Euro. Das Geld spende ich am Ende des Jahres einem Hilfswerk. So hat man das ganze Jahr über das Ziel fest im Blick, und weiß, wofür man es tut.
  • Dankbarkeit einüben. Wer dankbarer durchs Leben läuft, ist glücklicher. Und auch wenn der Tag noch so mies gelaufen ist, wenigstens drei Kleinigkeiten findet man auf jeden Fall, für die man dankbar sein kann: Eine Umarmung, jemandem zuhören zu können, Sonne im Gesicht gespürt zu haben, das Lieblingslied im Radio, Gottes Wort im Alltag präsent gehabt zu haben, ein Stück Schokolade, …
  • Sprache bestimmt unser Sein. So, wie wir reden, zeigt viel davon, wie es in uns aussieht. Diskussionen führen, je nach Thema, jedes Mal zu Streit, harten Worten, verbalen Entgleisungen. Oft geht es in Gesprächen gar nicht mehr um die Sache, sondern um das eigene Recht. Mit allen Mitteln. Welch ein Gewinn für einen selbst, aber auch die Gesellschaft wäre es, wenn man sich im kommenden Jahr darauf konzentrieren würde, klar, aber zugewandt und wertschätzend zu kommunizieren. Wenn man nicht auf Provokationen einsteigen würde, sondern stattdessen den Provokateur in Gedanken segnet. Wenn man nicht um der Sache willen streitet, sondern darum kämpft, den (von Gott geliebten) Menschen hinter den Aussagen hervorzuheben? Wenn man immer einmal mehr „Du“ sagt als „Ich“.

 

* 30% der befragten Deutschen ab 18 Jahren, die angaben, Vorsätze fürs neue Jahr gemacht zu haben (Quelle: Statista).  

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