Während Worship in manchen Gemeinden seit Jahren fest etabliert ist, fremdeln andere mit dieser Form der Kirchenmusik. Was macht Lobpreismusik aus? Wie kann sie sinnvoll eingesetzt werden und generationsübergreifend gelingen? Ein Gespräch mit Sänger und Lobpreisleiter Timo Langner.

Timo, was ist für dich das Besondere am musikalischen Lobpreis?
Ich denke, Gott schuf die Musik, weil er wusste, dass wir sie brauchen. Wir begegnen ihm zwar auch durch sein Wort, in der Natur, im Gebet, durchs Fasten, durch Menschen und vielem mehr. Musik trägt für mich aber eine besondere Kraft in sich, dabei zu helfen, unseren Blick von uns auf Ihn zu richten. Ich liebe diese Art der Anbetung und die daraus fließende Begegnung mit Gott.

Was charakterisiert Lobpreis, der von Gottes Geist gelenkt ist?
Lobpreis der nicht von Gottes Geist gelenkt ist, ermöglicht keine Begegnung mit Gott und ist demnach auch kein Lobpreis, wie er von Gott gedacht ist. Als Lobpreisleiter haben wir die Aufgabe, eine Atmosphäre zu schaffen, in der diese intime Begegnung mit Gott stattfinden kann. Aber alles beginnt mit dem Eingreifen und Wirken des Heiligen Geistes. Er offenbart uns Jesus und Jesus offenbart uns das Herz des Vaters.

Warum laden wir den heiligen Geist im Lobpreis eigentlich immer wieder neu ein? Ist der nicht eh schon in uns?
Ich glaube, dass es eine Taufe im Heiligen Geist gibt und dass er in uns lebt, aber es gibt viele Füllungen. Vor allem im neuen Testament, zum Beispiel in der Apostelgeschichte, liest man ganz oft, dass Menschen vom Heiligen Geist erfüllt wurden (z. B. in Lukas 1,34 a). Die Füllung im Geist ist also keine einmalige Geschichte. Da fließt etwas von Gottes Thron, die Frage ist nur: Füllen wir uns damit oder mit anderen Dingen? Denn nur das, was in uns ist, ist das, was wir ausgießen können.

„Du kannst jemanden nur dorthin führen, wo du selbst bist
oder schon warst.“

Wenn ihr auf der Bühne steht, könnt ihr euch dann selbst fallen lassen in den Lobpreis und die Begegnung mit Gott?
Ich glaube zum einen, dass man auf der Bühne auch dadurch leitet, sich fallen zu lassen und anzubeten. Die Gemeinde sieht dann Menschen, wie sie vor den Thron Gottes kommen. Das ist auch Leitung, denn du kannst jemanden nur dorthin führen, wo du selbst bist oder schon warst. Zum anderen ist es unheimlich wichtig, dass der Lobpreisleiter wahrnimmt, wo die Gemeinde innerlich gerade ist. Wenn der Leiter ganz in die Anbetung versunken ist, dann wird es schwierig für ihn, zu spüren, was im Raum passiert. Wenn wir uns zum Beispiel in der Bridge von einem Song befinden und der Lobpreisleiter merkt: Hier passiert gerade etwas durch Gottes Geist, das ist ein heiliger Moment; dann wäre es natürlich völliger Unsinn, nur so lange dort zu bleiben, wie es im Originalsong auf Spotify läuft.

Das klingt nach einer gesunden Mischung aus vorbereitet sein und Spontaneität.
Auf jeden Fall. Wenn ich sonntags leite, dann bin ich mindestens eineinhalb Stunden früher da und verbringe Zeit mit Gott, bis alle anderen kommen. Ich höre auf seine Worte und richte meinen Fokus auf ihn aus. Das ist der Schlüssel: Mich mit ihm zu füllen, damit das aus mir herausfließen kann. Das ist meine Aufgabe als jemand, der eingesetzt wird, um eine Gemeinde im Lobpreis zu leiten. Ich empfinde das als eine große Verantwortung. Es kann nicht sein, dass die musikalische Probe meine geistliche Vorbereitung auf den Gottesdienst ist. Sonst brauche ich im Gottesdienst ja erst mal drei Lieder, um selbst bei Gott anzukommen, um dann meinen Job zu machen. Dann kommt aber auch der Moment, wo ich aus meiner Vorbereitung herausgehe und mich frei leiten lasse.

Ich habe letztens gehört „Die Lobpreiser sind diejenigen, die vorausgehen und damit auch am meisten angefochten sind“ – also Lobpreis als geistiger Kampf. Wie erlebst du das?
Anfechtung ist generell eine reale Tatsache in unserem Leben als Christen. Ich glaube, dass überall da, wo Menschen ihre Knie vor dem lebendigen Gott beugen, andere Kräfte versuchen, das zu stören und zu stoppen. In unserer Gemeinde gibt es Menschen, die speziell für das Lobpreisteam beten, aber ich würde sagen: Anfechtung geschieht in allen Bereichen. Überall da, wo Nachfolger die Wahrheit erkennen und ihren Auftrag, sie weiterzugeben, da schaut der Feind nicht einfach nur zu, sondern versucht, zu zerstören.

Ich glaube, dass die echte Begegnung mit Gott und die Liebe, die wir von ihm empfangen, das ist, wonach sich unsere Generation, teilweise auch ohne es zu wissen, sehnt.

Welche Sehnsucht spürst du dem Lobpreis der jungen Generation ab?
Ich spüre eine große Sehnsucht nach Authentizität, nach einem Ort, wo Schwäche Platz hat, wo man ehrlich sein darf und seine Masken ablegen kann. Und nach einem vertrauensvollen Rahmen, wo man Dinge, die einen bewegen, teilen darf und wo füreinander gebetet wird. Unterm Strich kann diese menschliche Gemeinschaft die Leere, die in uns ist, natürlich nur begrenzt füllen. Ich glaube, dass die echte Begegnung mit Gott und die Liebe, die wir von ihm empfangen, das ist, wonach sich unsere Generation, teilweise auch ohne es zu wissen, sehnt.

Darf ich im Lobpreis etwas singen, was ich in dem Moment noch gar nicht glaube?
Ich persönlich denke: Ja, auf jeden Fall! Ich lese ja auch Worte in der Bibel, die mich herausfordern und für die ich noch Wachstum in meinem persönlichen Leben brauche. Soll ich diese Stellen deswegen auslassen? Nein, ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns mit diesen Wahrheiten füllen und wir sie sogar über unserem Leben aussprechen. Hier liegt die Kraft für das Wachstum unseres Glaubens.

Welche Gefahren siehst du in der aktuellen „Lobpreis-Kultur“ in Gemeinden?
Im Moment wird immer wieder von der „Generation Lobpreis“ gesprochen. Das heißt, Anbetung scheint ein Zugang zu sein, den Gott verstärkt nutzt, um dieser Generation zu begegnen. Gemeinden haben somit die Verantwortung, darauf zu reagieren.

„Nicht alles muss sich auf den Sonntagmorgen konzentrieren.“

Um neue Wege zu gehen, braucht man Mut und Offenheit. Die Gefahr, die ich sehe, ist dass Gemeinden zu sehr an Altem festhalten und damit das Neue verpassen, was Gott machen möchte.

Wie kann man den verschiedenen Generationen in Gemeinden musikalisch gerecht werden?
Ich glaube, es ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu haben, dass die junge und die ältere Generation einander brauchen. Wir brauchen die Väter und Mütter im Glauben, die uns an die Hand nehmen. Wir können von ihren Erfahrungen profitieren, zum Beispiel bei Fehlern, die sie gemacht haben und die wir deshalb nicht mehr machen müssen. Und wir brauchen eine ältere Generation, die sich nicht über die Jüngeren erhebt, sondern die sie wertschätzt und ihnen zutraut zu wissen, wie man eine junge Generation erreichen kann. Wenn die neue Generation Verantwortung übernehmen soll, dann muss man ihr auch zusprechen, prägen und entscheiden zu dürfen. Gleichzeitig sollen auch die Älteren Raum bekommen die Zugänge zu Gott zu praktizieren, welche sie seit Jahren gewohnt sind und die ihnen Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Man kann dafür ja auch unterschiedliche Settings schaffen, nicht alles muss sich auf den Sonntagmorgen konzentrieren.

Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Julia Kallauch

Timo Langner ist Lobpreisleiter und Sänger von DMMK („Die Musik meiner Kirche“), der Lobpreisbewegung von G5meineKirche.


Das vollständige Interview mit Timo Langner ist zuerst in der Zeitschrift DRAN erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört

 

 

 

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