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Die umstrittene frühere „Hakenkreuz-Glocke“ im niedersächsischen Schweringen erhält von zwei Nürnberger Künstlern eine neue Inschrift. Zudem werden die Künstler Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler am Fuße des Kirchturms eine quaderförmige Skulptur schaffen, die Besucher auf die oben hängende Glocke hinweist. „Nichts von der Geschichte wird verleugnet oder in einen früheren Zustand zurückgeführt“, betonte Eichler am Montag am Rande eines Informationsabends in der Schweringer Kreuzkirche. Dort wurde der Entwurf des Ateliers „Arnold+Eichler“ öffentlich präsentiert.

Die beiden Nürnberger hatten einen Künstler-Wettbewerb für sich entschieden. „Unser Ziel ist, dass man stutzt und beginnt, über die Geschichte der Glocke nachzudenken“, sagte Eichler. Die Arbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Die Kosten von rund 30.000 Euro trägt die hannoversche Landeskirche.

Streit um Glocke

Die rund 1.800 Kilogramm schwere Bronzeglocke aus dem Jahr 1934 war vor zwei Jahren stillgelegt worden, nachdem dort bei Nachforschungen ein eingegossenes Hakenkreuz entdeckt worden war. Danach kam es in dem 800-Einwohner-Dorf bei Nienburg zu einem heftigen Streit darüber, ob die Glocke weiter läuten oder ausgetauscht werden sollte. Die Landeskirche bot einen Austausch an. Kurz vor Ostern 2018 stiegen Unbekannte unbemerkt auf den Kirchturm und frästen das 35 mal 35 Zentimeter große Hakenkreuz und Teile einer NS-Inschrift mit einem Winkelschleifer weg. Vor einem Jahr wurde die Glocke offiziell entwidmet.

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Arnold und Eichler wollen als „zeitgenössischen Kommentar“ eine neue Inschrift direkt auf das beschädigte Metall aufbringen, wie die Künstler ankündigten. Sie soll sowohl die verbliebenen Teile der ursprünglichen Inschrift als auch die Leerstelle überdecken. „Der neue Text legt sich wie eine Schärpe über den Glockenmantel und einen Teil der Schulter“, erklärte Eichler. „Er lässt die Spuren der Zeit durchscheinen, zeigt aber das neue Verständnis und die Haltung zur Vergangenheit.“ Welcher Text es sein wird, wollen die Künstler gemeinsam mit der Gemeinde festlegen.

Einstimmiges Ergebnis

In den quaderförmigen Monolithen vor der Kirche soll die Negativform der Glocke eingearbeitet werden. Die etwa 1,70 Meter hohe Skulptur aus gemahlenem Klinker soll damit an den Guss der einstigen „Vaterlandsglocke“ erinnern. Sprächen Besucher in die Aushöhlung hinein, reflektiere der Schall zurück, erläuterten die Künstler. Aus einem Denkmal werde so ein „Hörmal“.

Die Wettbewerbsjury sprach sich einstimmig für das Nürnberger Duo aus. „Der künstlerische Entwurf überzeugt mit seiner schlichten, aber umso präziseren Aufforderung, sich der Geschichte der Schweringer Glocke zu stellen“, sagte die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr. Ein zweite „Hakenkreuz-Glocke“ war Ende September in Faßberg bei Celle ausgetauscht worden. Auslöser für die Recherchen der Landeskirche waren Diskussionen um Glocken mit Hakenkreuzen in Rheinland-Pfalz.

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