Papst Benedikt XVI. hat am Samstag das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen. In dem nach Angaben des Vatikans «herzlichen Gespräch» hätten beide Seiten ihren Willen bekräftigt, «die ökumenischen Beziehungen zwischen Katholiken und Anglikanern fortzusetzen und zu stärken».

Papst und Primas seien auch «auf die jüngsten Vorkommnisse in den Beziehungen» eingegangen, teilte der Vatikan weiter mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Benedikt XVI. hatte unlängst eigene Kirchenstrukturen, sogenannte «Pastoralordinariate», für Anglikaner geschaffen, die zur katholischen Kirche übertreten wollen. Dieser Schritt war in Teilen der anglikanischen Kirche auf Kritik gestoßen.

Erzbischof Williams hatte bereits am Donnerstag an einer Tagung an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom teilgenommen. Dabei nannte er «das ökumenische Glas halbvoll», gab aber der katholischen Kirche die Verantwortung für ein Fortdauern der Trennung. Die katholische Kirche müsse begründen, warum die mit den Anglikanern erzielte Übereinkunft in zentralen Glaubensfragen weniger ins Gewicht falle als rechtliche oder institutionelle Gründe für die Trennung.

Die Schaffung eigener Kirchenstrukturen durch den Papst für übertrittswillige Anglikaner nannte Williams «fantasievoll». Aus seiner Sicht werde sie nicht zu einem Massenübertritt führen. Am Freitag hatte der Erzbischof von Canterbury mit Kurienkardinal Walter Kasper in Rom einen Gottesdienst gefeiert. Kasper ist Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.