Ein halbes Jahr vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag steht eine Absage des Christentreffens im Raum. Die Stadt Frankfurt am Main legt das angesichts der aktuellen Corona-Lage nahe, die Organisatoren betonen: „Noch ist nichts entschieden.“

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Von Karsten Frerichs (epd)

Der 3. Ökumenische Kirchentag steht auf der Kippe. In den nächsten Tagen beraten die Organisatoren mit der Stadt Frankfurt am Main, ob das für Mai 2021 geplante Christentreffen trotz Corona-Pandemie stattfinden kann. Der für Kirchen zuständige städtische Dezernent Uwe Becker macht wenig Hoffnungen. Die Veranstalter indes betonen: „Noch ist nichts entschieden.“

Bürgermeister Becker hatte zuvor der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) gesagt, bei aller Freude über dieses Fest des Glaubens und des Miteinanders stelle sich die Frage, ob eine solche Großveranstaltung mit 30.000 oder mehr Teilnehmern in Zeiten von Corona zu verantworten sei. Die endgültige Entscheidung werde allerdings erst in den nächsten Tagen in Gesprächen zwischen der Stadt und Spitzenvertretern der evangelischen und katholischen Kirche getroffen. Beckers Sprecherin Wiebke Reimann sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Es ist eine superschwierige Situation.“

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Kirchentagssprecher Mario Zeißig erklärte: „Wir verstehen die schwierige Situation der Stadt Frankfurt.“ Auch die Veranstalter Deutscher Evangelischer Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken würden seit geraumer Zeit alle Möglichkeiten prüfen. In den nächsten Tagen würden die Verantwortlichen mit der Stadt sprechen. Die Präsidenten des Kirchentages, Bettina Limperg und Thomas Sternberg, würden darüber hinaus zeitnah mit den Leitungsgremien beraten.

Schnelle Absage als einziger Ausweg?

Der Ökumenische Kirchentag ist für den 12. bis 16. Mai nächsten Jahres in Frankfurt geplant. Erst vor zwei Monaten hatten die Organisatoren entschieden, dass wegen der Corona-Pandemie die Teilnehmerzahl auf 30.000 Menschen beschränkt werden soll. Nun lässt die aktuelle Corona-Lage alle Pläne obsolet erscheinen, bei denen unter anderem auf weniger Veranstaltungen, Corona-Schnelltests, den Verzicht auf Privatunterkünfte sowie Zugangsbegrenzungen und hybride Veranstaltungen mit Übertragungen ins Internet gesetzt worden war. Um weitere Kosten zu vermeiden, könnte eine Absage ein halbes Jahr vor dem Termin der einzige Ausweg sein.

Eine Verschiebung innerhalb des Jahres 2021, so hieß es bereits, sei aufgrund der anderweitig gebuchten Messehallen in Frankfurt nicht möglich. Somit dürfte zunächst ungewiss bleiben, wann der nächste gemeinsame Kirchentag von Katholiken und Protestanten stattfinden kann. Im Jahr 2022 soll Ende Mai ein Katholikentag in Stuttgart gefeiert werden. Für 2023 lädt der Deutsche Evangelische Kirchentag Anfang Juni nach Nürnberg ein.

Am ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 hatten mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, beim zweiten in München 2010 waren es mehr als 130.000.

„Noch ist nichts entschieden“

Update (11.11.):

Die Organisatoren des Ökumenischen Kirchentags haben wie folgt Stellung zu dem Bericht in der FAZ Stellung genommen:

„Die Verantwortlichen der Veranstalter sind seit langem in enger Absprache mit der Stadt Frankfurt. Wie in der FAZ berichtet, werden die Gespräche in den kommenden Tagen intensiv fortgesetzt. Die Verantwortlichen des ÖKT haben Verständnis für die derzeit schwierige Situation aller Entscheider in der Stadt Frankfurt. Die einladende Stadt selbst bekräftigt ihr großes Interesse am ÖKT, den sie in seiner Vorbereitung nach Kräften unterstützt und mit dem sie gemeinsam nach verantwortbaren Lösungen angesichts der Corona-Pandemie sucht. Der 3. ÖKT arbeitet deshalb in seinen Gremien und der Organisation intensiv an gemeinsam mit der Stadt getragenen Konzepten. Die Öffentlichkeit wird selbstverständlich fortwährend über Ergebnisse der Beratungen informiert. Die einladenden Kirchen setzen sich ihrerseits ebenfalls weiterhin für das Gelingen eines 3. ÖKT ein.“

Leitwort Ökumenischer Kirchentag
Bettina Limperg und Thomas Sternberg, Präsidentin und Präsident des 3. Ökumenischen Kirchentages 2021, präsentieren gemeinsam das Leitwort „schaut hin“ (Foto: ÖKT)

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Lasst Euch durch nichts entmutigen oder dergleichen. Denn der HERR fragt nicht nach unsrem Konfessions- und Dogma-Gewürge, sondern einzig danach, ob wir IHM vertrauen und gehorsam sein wollen oder nicht !!?! Jede(r) der CHRISTUS vertraut ist unser BRUDER bzw. unsre SCHWESTER, alle anderen Kriterien sind eine Schande unter uns … Durch ständige Vergebungs- und Gesprächsbereitschaft werden wir zum LEIB des CHRISTUS pro Wohnort, Land und weltweit. Alles Andere führt nur zu Spaltungen … Wer allerdings CHRISTUS nur für wahr hält, aber nicht will, dass ER sein HERR über Alles ist, der gehört (noch) nicht zu SEINEM kostbaren LEIB … von Herzen Rolf

  2. Neustart und Neuorientierungsprozess für Ökumene

    So sehr ich mir Kirchentage oder Katholikentage wünsche, so legt die Lage doch derzeit nahe, das Großereignis in 2022 zu verschieben. Dann dürfte – geht es einigermassen gut – die impfwilligen Mitmenschen in unserem Land ihre Spritze bekommen haben. Nach dieser weltweiten Jahrhunderkatastrophe ist es naheliegend, alle Christinnen und Christen hierzu dezentral und zentral anlässlich dem dann stattfindenden großen Glaubenstreffen zu einer geistig-geistlichen Nachbereitung einzuladen und einzustimmen. Denn die derzeitige Lage ist wie jede persönliche und/oder globale Krise immer Anlass für Neuorientierung und Chance. Dazu könnte man sich – ohne zu viele Vor-Antworten zu geben – gemeinsam auf den Weg machen. Es wäre wunderbar, wenn dann die Ökumene sich ganz breit gefächert einbringt und diesem Begriff die ihm gebührende Ehre zukommen lässt. Es gibt unter uns Christen und Staatsbürgern viel zu bereden und zu reflektieren. Denn auch der Mangel an Finanzen zwingt uns gewissermassen sich darauf einzustimmen, dass auch eine Arme Kirche eine Reiche Kirche sein könnte. Es geht um Kernkompetenzen und das Wesentliche. Hier nur ein paar Stichpunkte, die wie ein Koordinatensystem die folgenden Probleme miteinander verbinden: 1) Weniger ist mehr (eine ärmere reichere Kirche 2) Klimakrise (Bewahrung der Schöpfung), 3) Glaubenskrise (Umkehr zur Glaubwürdigkeit) und 4) Urgemeindlich-neugemeindliches (Spiritualität durch Gottes Geist). Unsere Christentreffen der einen oder anderen Konfession – oder hier von beiden – mit den vielen wichtigen Themen, sind ein wunderbares und sinnvolles Vorhaben. Aber vielleicht wäre nach einer Coronakrise ein frommer und zugleich querdenkerischer Ökumenischer Kirchentag auch etwas sehr erfrischendes. Oder sogar: Es müsste eigentlich so sein. Allerdings dürfte und sollte niemand den Begriff „Frömmigkeit“ missverstehen als eine enge Perspektive, sondern Christen sind freie Menschen und einen größeren Querdenker als Jesus Christus ist mir nicht bekannt. Es gibt keine größere Freiheit als die Liebe Gottes. Und dies alles darf man als Fest feiern und im friedlichen Diskurs. Viele Menschen haben das uns ins Wesen gelegte soziale Miteinander in der Coronazeit vermisst. Wir sollten daher mit einem großen ökumenischen Fest auch zur Gemeinschaft einladen und Impulse erarbeiten, für unsere Gemeinden und Gemeinschaften. Da darf auch das Ökumenische Abendmahl nicht fehlen, das seit Jahrhunderten abhanden gekommen ist.

  3. Mir ist etwas unverständlich, warum der Ökumenische Kirchentag nicht um 1 Jahr verschoben werden kann wie etwa die Fußball-EM, Olympische Spiele, didacta, Bethlehem-Chormusical oder der Gospelkirchentag, die das alles schon so realisiert haben..
    Das ist natürlich nicht so einfach organisatorisch zu bewerkstelligen, da infolge dessen natürlich der nachfolgende Katholikentag (Stuttgart) und Evangelische Kirchentag (Nürnberg) auch um (mind.) 1 Jahr wandern müssten. Was ist so schlimm daran, dass wir (großveranstaltungstechnisch) das Kalenderjahr 2020 mehr oder minder ganz streichen und uns auf hoffentlich corona-freie Folgejahre freuen? Der ökumenische Kirchentag ist so wichtig für uns Christen, dass er sich NICHT mit einer Sparversion im Mai 2021 begnügen sollte.
    Ein bißchen mehr Mut im Denken und nicht allzu schnell den deutsche Dreiklang „Das haben wir schon immer so gemacht. Da könnt ja jeder kommen. Wo wollen wir denn da hin“
    LG und Gottes Segen aus Frankfurt

    • > „Was ist so schlimm daran, dass wir (großveranstaltungstechnisch) das Kalenderjahr 2020 mehr oder minder ganz streichen und uns auf hoffentlich corona-freie Folgejahre freuen?“ <
      Der Kirchentag findet im Mai 2021 statt, nicht im Jahr 2020. Eine Verschiebung oder Absage kann auch noch im 3 oder 2 Monate vor dem ÖKT verkündet werden. Bis zum Termin kann sich noch vieles Ändern.

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