Organspende: Keine Widerspruchsregelung, aber Erinnerungen

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Organspende Pixabay
Foto: Pixabay
Es gibt keine Widerspruchslösung beim Thema Organspende. Stattdessen hat sich der Bundestag dafür entschieden, die Spendenbereitschaft regelmäßig abzufragen.
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Mit regelmäßigen Abfragen und der Einrichtung eines Online-Registers soll die Zahl der Organspender in Deutschland gesteigert werden. Der Bundestag stimmte am Donnerstag mehrheitlich für einen Entwurf einer Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Er sieht vor, dass Bürger künftig bei Behörden und Ärzten für Organspende sensibilisiert werden und ihre Spendebereitschaft in einem Online-Register festhalten können. Für den Entwurf stimmten 432 Abgeordnete, 200 stimmten dagegen. 37 enthielten sich.

Das Parlament hatte zuvor die Einführung der Widerspruchsregelung abgelehnt, nach der jeder Bürger Organspender geworden wäre, wenn er dem nicht zuvor widersprochen hat. Der bisherige Grundsatz, wonach eine Organspende die vorherige aktive Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen voraussetzt, wäre damit umgekehrt worden. Für die Widerspruchsregelung hatte unter anderem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geworben, weil er darin ein besseres Mittel zur Steigerung der Organspendezahlen sieht.

Kirchen begrüßen Beschluss

Die beiden großen Kirchen Deutschlands begrüßten die Neuregelung nach einer Pressemitteilung der Evangelischen Kirche. Das Gesetz sei geeignet, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung „praktikabel und nachhaltig“ in eine individuelle Bereitschaft zur Organspende zu überführen, schreibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische deutsche Bischofskonferenz: „Das Gesetz gewährt weiterhin eine möglichst große Entscheidungsfreiheit bei der Organspende und trifft dennoch Maßnahmen die dazu führen, dass die Menschen sich verstärkt mit der Frage der Organspende befassen.“

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Die Entscheidung des Bundestages hat auch bei Fachverbänden ein positives Echo ausgelöst. Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände und der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) begrüßten am Donnerstag in Berlin, dass die Organspende eine freiwillige Entscheidung bleibt. Der Chef des großen diakonischen Trägers Bethel, Ulrich Pohl, zeigte sich dagegen enttäuscht vom Ergebnis der Abstimmung. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sagte, jetzt müsse es vor allem darum gehen, diese freiwillige Entscheidung in der Praxis qualifiziert umzusetzen, so dass sich viele Menschen gut beraten fühlen. Caritas-Präsident Peter Neher wies darauf hin, dass die Abläufe in den Krankenhäusern im Hinblick auf Betreuung und Information „erheblich verbessert werden können, damit mehr Organe gespendet werden“.

Ulrich Pohl sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), es sei eine Chance vergeben worden, den betroffenen schwer kranken Menschen, die auf eine Organspende warten, besser zu helfen als bisher. „Aber diese Entscheidung ist demokratisch getroffen worden und natürlich absolut zu akzeptieren“, sagte der Bethel-Chef.

2019 gab es in der Bundesrepublik 932 Organspender. Deutschland ist damit Schlusslicht in Europa. (epd/nate)


Das Magazin „Christsein Heute“ 2/2019, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört, hat das Thema Organspende umfassend aus christlicher Sicht beleuchtet. Die Titelstrecke der Ausgabe gibt es hier als kostenlosen Download.

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