Was die Bibel über das erste Osterfest berichtet, klingt wie ein Märchen. Kann man das als aufgeklärter Mensch heute noch glauben? Wolfgang Kraska stellt das Leben der Person vor, um die sich bei diesem Fest alles dreht.

Von Wolfgang Kraska

Es gibt viele Gründe, Ostern zu feiern. Und alle sind sie schön. Nach der langen, dunklen Winterzeit freuen sich die meisten Menschen, dass es wieder wärmer wird. Die ersten Blumen blühen, die Tage sind heller und spürbar länger. Wenn das kein Grund zum Freuen ist! Für viele gibt es Schulferien, und so ist Ostern auch die Zeit des Verreisens und der Besuche. Ich selbst verbinde mit Ostern nach wie vor das Ostereiersuchen im Garten – früher mit unseren kleinen Kindern und heute mit den Enkeln.
Auch die christlichen Kirchen sind außergewöhnlich aktiv und laden zu besonderen Gottesdiensten ein. Manchmal sogar auf dem Friedhof. Weil Jesus auferstanden ist, sagen sie. Das ist schon ungewöhnlich, hier am Ort der Verstorbenen und der Trauer. Aber – so die Idee dahinter – wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, hat das auch etwas mit unseren Verstorbenen und mit unserem eigenen Sterben zu tun. Genau diese Fragen bilden den eigentlichen Kern von Ostern und sind der Grund dafür, dass das Fest eingeführt wurde.
Egal was man davon hält, das Thema ist in jedem Fall spannend, und es lohnt sich, diesen und ein paar weiteren Fragen nachzugehen. Zum Beispiel: Wer war dieser Jesus eigentlich, und was ist von seiner angeblichen Auferstehung zu halten? Und schließlich: Was hat das mit mir heute zu tun, und wo sollte das von Bedeutung sein für mein Leben? Auf diese Fragen möchte ich näher eingehen.

„Warum sollte Gott, der Schöpfer, nicht noch einmal kreativ werden können und etwas noch nie Dagewesenes neu schaffen“

Wer war dieser Jesus?

Die ersten dreißig Jahre hat Jesus ziemlich unspektakulär im Norden Israels in der Provinz gelebt, er war also Jude. Jedermann ging davon aus, dass Maria und Josef seine Eltern waren. Tatsächlich war das alles etwas komplizierter: In diesem Jesus kam Gott selbst auf diese Welt. Aber das Geheimnis seiner Geburt können wir jetzt einmal ausklammern. Maria und Josef sorgten für ihn und erzogen ihn, wie es damals üblich war. Dazu gehörte auch die Handwerkerlehre beim Vater. Jesus hatte also einen ganz normalen Beruf: Zimmermann.
Aber mit dreißig Jahren änderte sich alles. Jesus begann, seiner Bestimmung gemäß zu leben: Er erzählte den Menschen, wie sie Gott als Vater kennenlernen können. Dazu verließ er seine Familie und suchte sich einen Kreis von zwölf Männern, die er unterrichtete wie ein Rabbi, ein Gelehrter, der die jüdische Bibel auslegte. Und das, obwohl er nie Theologie studiert hatte. Das allein war schon eine Provokation für die offiziellen Religionslehrer. Aber erst recht das, was er lehrte und wie er auftrat. Er konnte sehr einfühlsam und verständnisvoll sein. Vor allem wenn er es mit Leuten zu tun hatte, die mit ihrem Leben kaum klarkamen. Andererseits war er auch sehr hart und kämpferisch in der Auseinandersetzung mit den religiösen Führern seiner Zeit. Er deckte ihre Widersprüche und ihre Heuchelei öffentlich auf und wagte es, die Bibel der damaligen Zeit, das Alte Testament, neu zu interpretieren.

„die auferstehung von jesus war nur der erste schritt von gottes zukunftsplänen.“

Das Volk war begeistert, aber die Mächtigen wurden immer entschlossener, ihn beiseitezuschaffen. Dabei sollte alles rechtmäßig und legal aussehen. Das war aber nicht so einfach, weil die Juden in vielen Bereichen von der römischen Besatzungsmacht abhängig waren und zum Beispiel Todesurteile nicht selbst verhängen konnten. Also musste der römische Gouverneur irgendwie ins Boot geholt werden. Das war eine mühselige Angelegenheit, aber schließlich gelang die Intrige doch, und der oberste Römer der Provinz, Pontius Pilatus, stimmte der Hinrichtung zu.

Das kann doch gar nicht wahr sein!

So wurde Jesus – obwohl offenkundig unschuldig – auf einem Hügel am Rand von Jerusalem gekreuzigt. Das war damals die übliche Form der Hinrichtung für Schwerverbrecher und insofern nichts Besonderes. Besonders, ja geradezu unglaublich ist aber das, was danach geschehen sein soll. Die vier ersten Bücher im Neuen Testament, die Evangelien, berichten ausführlich darüber. Die Jünger waren zunächst völlig desorientiert und verzweifelt. Dann aber berichteten einzelne von ihnen, dass Jesus lebe und ihnen erschienen sei. Es kam zu immer mehr Begegnungen, auch mit allen zusammen, sodass sie es schließlich glauben konnten und bekannten: „Der Herr ist auferstanden!“
Weil so etwas ja eigentlich gar nicht möglich ist, hat man immer wieder versucht, die Berichte der Jünger umzudeuten. Dass das Grab von Jesus leer war, konnte niemand bestreiten. Man musste ja nur hingehen und nachschauen. Aber warum? Wurde der Leichnam gestohlen? Von wem und warum? Vielleicht sogar von den Jüngern? Dagegen spricht, dass seine Nachfolger zunächst selbst völlig überrascht und irritiert waren. Auch sie brauchten eine ganze Zeit, bis sie realisierten, was passiert war. Das spricht auch gegen die Theorie, die Jünger hätten sich in ihrer Trauer und Verzweiflung gemeinsam in Wahnvorstellungen hineingesteigert. Nach den vorliegenden Berichten lag ihnen nichts ferner, als an eine Zukunft zusammen mit Jesus zu denken.

Wieso eigentlich nicht?

Keine Frage, es ist verlockend, über solche Fragen zu spekulieren. Dahinter steckt die Annahme, dass es so, wie es in der Bibel berichtet wird, auf keinen Fall gewesen sein kann. Aber warum eigentlich nicht? Nur weil wir dafür keine Parallele kennen und deshalb meinen, es sei unmöglich? Bei uns Menschen ist das ohne Frage so. Aber auch bei Gott? Wenn man grundsätzlich glauben kann, dass diese Welt einen Schöpfer hat, der ihre Existenz wollte und deshalb aktiv geworden ist, wird auch die Auferstehung durchaus denkbar. Warum sollte derselbe Gott nicht noch einmal kreativ werden können und etwas noch nie Dagewesenes neu schaffen? Die Auferstehung lässt sich nicht aus der Welt und ihren Gesetzmäßigkeiten erklären. Wenn sie wirklich stattgefunden hat, kann es sich nur um eine total neue Initiative des Schöpfers handeln.
Aber ist das wirklich so? Und kann eine solche Annahme so weit überzeugen, dass man sie ernst nimmt und Konsequenzen für sich daraus zieht? Die Jünger damals haben solche Überlegungen wohl nicht angestellt. Sie hatten sie – anders als wir heute – auch nicht nötig. Für sie war alles klar, als sie dem auferstandenen Jesus begegneten und mit ihm aßen und redeten. Das Problem ist nur, dass wir heute Jesus nicht in gleicher Weise begegnen können wie sie damals. Und doch bleibt es dabei: Überzeugen kann uns am Ende nur Jesus selbst. Doch wie kann das geschehen?

„Wir alle sind eingeladen, dem zu folgen, ebenfalls einmal aufzuerstehen und dann in einer völlig anderen Weise für immer bei Gott zu sein.“

Es ist ein erstaunliches Phänomen, dem die Kirche bis heute ihre Existenz verdankt. Immer wieder berichten nämlich Menschen, dass sie in einer für sie selbst überraschenden Weise mit Jesus in Kontakt treten. Ermöglicht wird das durch den „Heiligen Geist“, der laut biblischem Bericht an Pfingsten allen, die glaubten, geschenkt wurde. Die Bedeutung und das Wirken des Heiligen Geistes sind ein ähnlich spannendes Thema wie die Auferstehung, aber darauf einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Jedenfalls berichten bis heute viele Menschen, Jesus sei keineswegs tot, sondern höchst aktiv in dieser Welt und in ihrem Leben unterwegs. Ich selbst gehöre übrigens auch dazu.

Gott hat Großes mit uns vor

Bleibt noch die Frage, warum die Auferstehung wichtig ist und welche Bedeutung sie für mich persönlich hat. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich bereits, dass es Begegnungen mit Jesus im Alltagsleben gibt. Christen denken nicht wehmutsvoll an ihren Helden zurück. Vielmehr versuchen sie, im Gespräch mit ihm die Gegenwart zu gestalten und erleben das meist als enorm hilfreich. Aber das ist noch nicht alles. Die Auferstehung von Jesus war nur der erste Schritt von Gottes Zukunftsplänen, ist in der Bibel zu lesen. Wir alle sind eingeladen, dem zu folgen, ebenfalls einmal aufzuerstehen und dann in einer völlig anderen Weise für immer bei Gott zu sein. Jesus war nur der Prototyp der Auferstehung. Sie soll, wenn Gott die Zeit für gekommen hält, in Serie gehen. Und zwar mit uns!
Unglaublich? – Ja, in der Tat! Was Gott mit uns und dieser Welt vorhat, sprengt jeden Rahmen unserer Fantasie. Es ist unglaublich groß, anders und schön. „Unglaublich“ bedeutet aber nicht, dass es nicht doch möglich wäre, im Glauben einen Zugang dazu zu bekommen – und dann Schritt für Schritt zur Gewissheit und zu einer lebendigen Hoffnung zu gelangen. Ich finde, diese Perspektive ist so verlockend und wichtig, dass man sich zumindest weiter orientieren sollte, ob und wie man Jesus persönlich kennenlernen kann. Ein erster Schritt könnte sein, sich z. B. im Internet zu erkundigen, wo in der Nähe demnächst ein Info-Kurs über den christlichen Glauben stattfindet. Es gibt sie überall und es lohnt sich, an diesen Fragen dranzubleiben.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Lebenslust erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.