Der Palliativmediziner Winfried Hardinghaus spricht sich gegen die Suizidbeihilfe aus und warnt vor einem Dammbruch.

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Er selbst würde es ablehnen, einem schwer kranken Menschen auf dessen Wunsch hin Suizidbeihilfe zu leisten. Wenn die Beihilfe zum Suizid auch in Deutschland erlaubt werde, wachse der Druck auf schwer kranke Patienten und ihre Angehörigen, diese auch in Anspruch zu nehmen: „Das ist eine gefährliche Entwicklung“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Ich würde immer wieder versuchen, Betroffenen klar zu machen, wie gut die Möglichkeiten einer hospizlichen und palliativen Begleitung sind“, betonte der Professor, der in Osnabrück und Berlin Palliativstationen in katholischen Krankenhäusern leitet. In den allermeisten Fällen habe sich nach seiner Erfahrung gezeigt, dass viele leidende Menschen nicht wirklich den Wunsch hätten zu sterben. Sie wollten aber nicht mehr leiden. „Mit den heutigen Methoden der Palliativmedizin inklusive der menschlichen Begleitung, die das Allerwichtigste ist, bekomme ich wirklich jeden schmerzfrei“, betonte der Chefarzt.

„Ich würde niemanden verdammen“

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar das seit 2015 geltende Verbot organisierter Hilfe beim Suizid gekippt. Das Gesetz sei verfassungswidrig, weil es das allgemeine Persönlichkeitsrecht einschränke, urteilten die Karlsruher Richter. Jeder Mensch habe ein Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben.

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Hardinghaus betonte, er würde niemanden aufnehmen, der mit dem Wunsch nach Beihilfe zum Suizid zu ihm komme. Sollte sich dieser Wunsch während eines Aufenthaltes auf seiner Station entwickeln, was bisher noch nicht vorgekommen sei, würde das auch für ihn eine schwierige Situation bedeuten, räumte er ein. „Ich würde niemanden verdammen, der Suizidbeihilfe möchte. Ich kann deren Sorgen und Nöte gut verstehen. Aber dennoch müsste sich derjenige dann jemand anderen suchen. Ich tue es nicht.“

Seiner Ansicht nach reiche es aus, dass Menschen die Einstellung medizinischer Maßnahmen wie etwa der künstlichen Beatmung verlangen oder bewusst auf Essen und Trinken verzichten könnten, sagte Hardinghaus. Bei dieser Art der passiven Sterbehilfe begleite er auch Patienten. Zudem sei die palliative Sedierung als indirekte Sterbehilfe eine letzte Möglichkeit, Leiden am Ende des Lebens zu lindern: „Ich verabreiche einem Patienten ein Medikament, mit dem ich ihn unter bestimmten Bedingungen über Tage oder zwischenzeitlich schlafen legen kann, in dem Wissen, aber nicht in dem Wollen, dass er früher sterben kann.“


In der ARD-Talkshow „hart aber fair“ geht es am heutigen Montag ab 21.45 Uhr ebenfalls um das Thema Sterbehilfe. Gäste sind unter anderen der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing und die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Das Sterben kann einem fließenden Übergang von Leben in den Tod darstellen.
    Daher sind auch die Fragen bezüglich der “Sterbehilfe” (Beihilfe zu Selbstmord) oft gar nicht klar abzugrenzen

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