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Nur wenige haben die deutsche Sozialdemokratie in den vergangenen Jahrzehnten so geprägt wie Hans-Jochen Vogel. Am Sonntag ist er im Alter von 94 Jahren verstorben. Gemeinsam mit seiner Frau Lieselotte hatte er seit 2006 in einem Münchener Seniorenstift gelebt. 2015 gab er bekannt, an Parkinson erkrankt zu sei.

Der studierte Jurist war unter anderem Oberbürgermeister von München (1960-1972) und regierender Bürgermeister von Berlin (1981). Den Kabinetten Brandt und Schmidt gehörte er als Bau- bzw. Justizminister an. Als Kanzlerkandidat der SPD unterlag er im März 1983 gegen Helmut Kohl. Anschließend wirkte er acht Jahre lang als Vorsitzender der SPD-Fraktion. Von 1987 bis 1991 war er außerdem Parteivorsitzender.

Zu religiösen Fragen äußerte sich der Katholik Vogel öffentlich nur selten. Deshalb ist auch weniger bekannt, dass er sich auch als Christ engagierte. 2005 saß er im Kuratorium von ProChrist. Sozialstaat und Nächstenliebe seien für ihn eng verknüft mit der Bibelstelle vom Jüngsten Gericht in Matthäus 25,35ff, sagte er in einem Interview mit der ZEIT (Anmeldung erforderlich) im November 2018. Persönlich schätze er die Texte des evangelischen Theologen und Lieddichters Paul Gerhardt. Er habe sein ganzes Leben versucht, seine politischen Einstellungen mit dem Christentum zu vereinbaren. „Ist es mir gelungen? Das kann nur Gott beurteilen“, sagte Vogel. Angst, dass Gott ihn einmal zur Rechenschaft ziehen würde, habe er nicht. „Aber es wird schon ein intensives Gespräch stattfinden.“

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Hans-Jochen Vogel gehörte zu den Sozialdemokraten die wirklich sozialdemokratisch waren. Das sind Positionen die man als Christ hat und vertreten kann und die es in der heutigen SPD nicht mehr gibt.

    Hans-Jochen Vogel war sehr populär und gerade in München sehr erfolgreich. Seine Wahlergebnisse waren sensationell und das obwohl oder weil er das Gegenteil eines Populisten war. Ihm ging es immer um die Sache und nicht um sich selber und das wussten die Menschen in München. Personenkult oder ähnliches war ihm fremd.

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