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Der evangelische Sozialethiker Wolfgang Huber hält nichts von einem Verbot der Pränataldiagnostik oder des Down-Syndrom-Bluttestes. "Mit Verboten hat man in diesem Bereich keine Chance, und es ist auch nicht der ethisch angemessene Weg", sagte der Berliner Altbischof am Freitag beim 6. Berufsschultag der bayerischen evangelischen Landeskirche.

 Es gehe vielmehr um die Stärkung "des verantwortlichen Entscheidens". Der Bildungsabschluss eines Menschen sei hierbei völlig egal. Jeder müsse fähig sein, in solchen Fragen eigene Entscheidungen zu treffen. "Niemand soll sich vorgeben lassen, was die Gesellschaft oder der Arzt von ihm erwartet."

 Huber warnte auch vor einer Art Gen- oder Chromosomengläubigkeit in der Medizin: "Die wenigsten Menschen sind aus genetischen oder aus chromosomalen Gründen behindert." Die Mehrzahl der Behinderungen entstehe im Leben. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisierte, dass die UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion in allen Lebensbereichen umgesetzt und zugleich alles getan werde, um zu verhindern, dass auch künftig Menschen mit Behinderung zur Welt kommen. "Was senden wir für Signale aus, wenn wir sagen: Solche wie ihr sollen künftig nicht mehr auf die Welt kommen", stellte Huber diese Logik in Frage.

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 Der Altbischof betonte die Bedeutung von Religionsunterricht. "Bioethische und wirtschaftsethische Fragen sind in der Gesellschaft die am häufigsten gestellten und die am intensivsten diskutierten ethischen Fragen", sagte er. Religionslehrer hätten die Chance, junge Menschen zu begleiten, sich mit solchen elementaren Fragen zu beschäftigen: "Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit."

(Quelle: epd)