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Wie ging der Text dieses Liedes „Geh aus, mein Herz“ noch mal weiter? Da summt einem eine Kirchenmelodie durch den Kopf, aber wie heißt eigentlich der Choral dazu? Fragen dieser Art könnte in Zukunft ein Anwendungsprogramm (App) für Smartphones und Tabletcomputer beantworten. Entwickelt wird die Gesangbuch-App derzeit von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Von Marcus Mockler (epd)

Den Machern geht es nicht darum, mittelfristig die gedruckten Gesangbücher aus den Kirchen zu verbannen. Im Gegenteil: Kirchenrat Dan Peter, bei der württembergischen Landeskirche für Publizistik zuständig, kann sich sogar neues Interesse am Liedgut zwischen zwei Buchdeckeln vorstellen, wenn es durch eine App wieder populärer geworden ist. Zuerst ziele die App auf den einzelnen Nutzer. „Sie soll zum Singen animieren und neuen Zugang zu geistlichem Liedgut eröffnen“, sagt Peter.

App erkennt Textfetzen und Melodien

Den Inhalt eines Gesangbuchs mit der digitalen Welt zu verknüpfen, bietet viele Chancen. Eine Volltextsuche ermöglicht es, Lieder nach Stichwörtern zu durchforsten. Wer nur noch einen Choralfetzen in Erinnerung hat, findet auf diese Weise in Sekundenschnelle das komplette Lied. Auch das Summen einer Melodie kann die App verstehen – und dann nachschauen, welche Lieder genau diese Melodie verwenden.

Nützlich ist die App auch, um sich Liedgut zu erschließen. Bei einem neuen Song (oder einem alten, den man nirgends mehr hört) hilft die App, indem sie die Melodie vorspielt. Dabei lassen sich Tonhöhe und Geschwindigkeit variieren. Weiteren Nutzen gibt es für Musiker, die ganze Chorsätze finden und vom Tablet herunter mehrstimmig spielen können.

Beim gemeinsamen Singen vom Bildschirm ist vor allem an Gottesdienste im Grünen oder an Reisegruppen gedacht. So könnten christliche Touristen in Kirchen textsicher vom Smartphone aus einen Kanon schmettern. Schon heute holten manche bei Google Rat, wenn sie ohne Gesangbuch unterwegs sind, beobachtet Kirchenrat Peter.

Außerdem ist ein offenes System geplant, dem die Nutzer auch weitere elektronische Liederbücher hinzufügen können. Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke nennt das die „Entkanonisierung“ des Gesangbuchs. So ließen sich etwa moderne Lobpreissongs, die gerade bei jüngeren Leuten beliebt sind, mit wenigen Klicks einbinden.

App muss die 1 Mio.-Nutzer-Marke knacken

Auch eine Kooperation mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, der zur alle zwei Jahre stattfindenden Großveranstaltung ein eigenes Liederbuch herausbringt, ist angedacht. Außerdem lässt sich die Mehrsprachigkeit geistlicher Lieder durch entsprechende Module ausbauen. Eine Anpassung des Programms an die Bedürfnisse der katholischen Kirche, die noch keine vergleichbare App besitzt, sei ebenfalls denkbar.

Als besonders heikel erweisen sich im Entwicklungsprozess Rechtsfragen. Lizenzen für Liedtexte und Notensätze müssen bei den Verlagen eingeholt werden. Bisher regeln Rahmenvereinbarungen und Pauschalverträge die kirchliche Nutzung von Liedblättern und Beamereinsätzen im Gottesdienst. Bei einer App müssen die neuen Einsatzfelder mit den Rechtevertretern verhandelt werden. Kompliziert ist zudem das Einspielen von Musikvideos, weil hier auch die Rechte der Aufführenden berührt sind, selbst wenn das Video an anderen Stellen schon öffentlich zugänglich ist.

Gratis wird die Gesangbuch-App für die Nutzer nicht. Die württembergische Kirche übernimmt zwar die Anschubfinanzierung mit rund 500.000 Euro, danach muss sich das Projekt aber selbst tragen. Aus Sicht der Macher ist das keineswegs unrealistisch. Wenn von den 22 Millionen Protestanten in Deutschland sich nur eine Million für die App entscheidet, ließe sich der Weiterbetrieb problemlos finanzieren. Bis zur württembergischen Frühjahrssynode in Stuttgart soll ein Business-Plan für die App vorliegen. Die Entwickler hoffen, spätestens bis zum 1. Advent 2018 eine marktfähige Version herausbringen zu können.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Ich glaube nicht, daß Gott wert drauf legt, ständig gepriesen zu werden. Ich glaube, er würde es besser finden, hielte sich die EKD an die 10 Gebote. Das ist der wahre Gottesdienst.

    Komischerweise trifft die EKD mit der Werbung für Apps genau den Zeitgeist und findet sicher Freunde bei der Telekom, Facebook und google, deren Aktien damit angetrieben werden. Und sie proklamiert das, was alle Parteien proklamieren, viel viel mehr Digitalisierung.

    Der Demagoge Martin Schulz hielt heute eine revolutionäre Rede. Nicht nur, daß er die Deutschen an die demokratisch nicht legitimierte EU-Kommission verramschen will unter der Begründung: wir brauchen, er sagte auch, wir brauchen mehr Digitalisierung.
    Also, ich brauche das alles nicht. „Ich“ zu meinen und „wir“ zusagen, ist eine der ausgesuchtesten Unverschämtheiten.

    Alle Parteien machen mit der Digitalisierung einen Lärm, als wollten sie die Revolution anführen, dabei gehen sie nur gemeinsam auf den Balkon. Da wartet auch schon die EKD mit ihrer Einfältigkeitsapp.
    Dahinter steckt eine autoritäre Gesinnung, denn die Digitalisierung ist – im Gegensatz zum Glauben heute – keine Privatsache. Alle Bürger in diesem Land werden Opfer des Digitalisierungswahns, weil die Strippenziher in der Politik gleich die fesselnden Gesetze hinterher schieben. Was anfangs Kür war, der PC, ist heute Pflicht! Wie die GEZ, die mit meinem Geld das Internet ausbaut, sich großzügig selber die Pensionen bezahlt und für alles das wirbt, was ich aus Gewissensgründe ablehnen muß. Weil ich sonst in die Hölle komme. Mit Gerücht, Schlagwort und Aufmarsch wird der politische Gegner eingeschüchtert und der blinde Gewaltausbruch gegen ihn geradezu herausgefordert.

    In signo vinces. Gott findet den Schuldigen.

    „Die degenerierten Völker des Westens werden willig an ihrer eigenen Zerstörung mitarbeiten. Ihr Kunst ist formalistisch und mit dem Gift des Nihilismus und der totalen Verachtung aller kulturellen Werte durchtränkt.“ Schepilow, sowj. Außenminister 56

    Und das ist immer schlimmer geworden. Von allen Seite kommt das Unheil, zum Beispiel auch über miserabilistische Kunst. Skulpturen, ungeschickter Bastellarbeiten, Bilder, die heuer teuer beworben und mit Millionen bezahlt werden, galten früher als Symptom depressiver Verstimmung. Die hat der Psychiater herangezogen zur Analyse, aber bestimmt nichts ins Wohnzimmer gehängt.

    Symptome einer ansteckenden Krankheit: Man schaue mal die Bilder von Piet Mondrian und Pablo Picasso – Mondrian kriegte nur Rechtecke hin, Picasso konnte auch nicht malen. Seine morbiden Strichmännchen sind handwerkliche Unfähgikeit. Irgendwo hängt ein Auge dran und sowas wird bei Christies für 100 Mill. Dollar versteigert. Auch die schiefen Linien von Friedensreich Hundertwasser sind eine pupertäre Banalität.
    Hyperintelligente, Hochbegabte – das ist der Größenwahn der Zwerge.

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