Premysl Pitter: Unter dem Rad der Geschichte

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Premysl Pitter war Erzieher und Christ, der unter den Diktaturen des 20. Jahrhunderts aus Überzeugung heraus Nachfolge lebte. Dabei kam Pitter, anders als die großen Theologen seiner Zeit, nicht aus einem dafür typischen Umfeld. Seine Familie beschreibt Sabine Dittrich im Vorwort als gut situiert, in den Zeilen des ersten Kapitels erkennt der Leser, dass Pitter ohne christliche Unterweisung in der Kindheit aufgewachsen ist.

Er beginnt seine Autobiographie mit Gedanken und Fragen über die menschliche Existenz und die Wunder der Schöpfung, die ihn in den Schützengräben des ersten Weltkrieges bewegen. Auf Heimaturlaub wird ihm das Buch von Tolstoi ¨Wo die Liebe ist, da ist Gott.¨ geschenkt. Durch die klaren und anschaulichen Geschichten Tolstois bekommt Pitter Antworten auf seine Fragen geschenkt. Pitter beschreibt hier keine typische Bekehrungsgeschichte, sondern ein Erkennen seines Weges Stück für Stück. Er wächst, vor allem nach dem Ende des ersten Weltkrieges in seine Berufung hinein und damit in den christlichen Glauben.

In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise, des Zweiten Weltkriegs mit der Judenverfolgung, in der Zeit der kommunistischen Revolution nach 1945 und auch nach seiner Flucht aus dem Ostblock sucht er immer wieder nach Wegen und Möglichkeiten, das Leid von Menschen, insbesondere Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, zu lindern. Auch wenn Pitter wenig Details über sein Glaubensleben preisgibt, so ist sein Leben bis hin zum Ende seiner Aufzeichnungen durch die Nachfolge geprägt.

Das von Sabine Dittrich neubearbeitete Buch lebt von einer klaren, sachlichen Sprache, die den Leser durch ihre guten Situationsbeschreibungen und kurzen Beispiele mit hinein in Pitters Situation nimmt. Immer wieder entsteht der Eindruck, Pitter blickt dankbar auf das Erlebte zurück, ohne dass er dabei irgendetwas zu rechtfertigen oder zu beschönigen versucht.

Von Andreas Brand

Verlag: Neufeld Verlag
ISBN: 978-3-86256-083-7
Seitenzahl: 192