Sechs Jahre lang existierte auf der Wartburg bei Eisenach im Dritten Reich das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Nun hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland als Schuldbekenntnis und zur Mahnung eine Gedenkinstallation aufgestellt. Die WELT sprach mit Jochen Birkenmeier, dem Leiter des Lutherhauses Eisenach, über das „Entjudungsinstitut“.

Ab 1939 wurde hier versucht, alles Jüdische aus dem christlichen Leben zu bannen. Denn Jesus sei eigentlich ein arischer Galiläer und kein Jude gewesen, so die Meinung der sogenannten „Deutschen Christen“. Vier bis fünf Hauptamtliche und 200 Ehrenamtliche waren an dem Projekt beteiligt. Unter anderem brachte das Institut ein „endjudetes“ Neues Testament heraus sowie einen neuen Katechismus und ein neues Gesangbuch. Außerdem veranstaltete es wissenschaftliche Tagungen.

Auch nach Schließung des Instituts waren viele der Vertreter weiter theologisch tätig: „Die Landeskirche hatte einen Mangel an fähigen Theologen, weil viele aufgrund der kirchenfeindlichen Haltung der SED in den Westen flohen“, so Birkenmeier im Interview.

LINK: Als „Deutsche Christen“ Jesus zum arischen Galiläer machen wollten

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