Ist Gott eigentlich Privatsache? Stefanie Linner von Micha Deutschland beantwortet diese Frage mit einem klaren „Jein“. Als Mensch, der um seine gottgegebene Würde weiß, fühlt sie sich hineingerufen ins öffentliche Leben, in die Gesellschaft, dorthin, wo Würde verletzt wird.

Mit Gott mache ich vieles im stillen Kämmerlein meines Inneren aus. Bei Gott kann ich immer so sein, wie ich bin, und das ist herrlich. Genauso richtig ist, dass mein Glaube dort öffentlich sichtbar wird, wo ich mit meinen Überzeugungen auftrete. Ich bin dazu berufen, meinen Glauben offen und auch öffentlich zu leben. Denn wir sind gemacht als Ebenbilder Gottes und gerufen in die Nachfolge seines einzigen Sohnes (Gen 1,31/ Joh 3,16). Jeder ist gleichermaßen geliebt von Gott, jeder mit einer Würde ausgestattet, die uns zusagt: Mein göttlicher Fingerabdruck klebt auf dir, mein Herz schlägt in dir, meine Gangart läuft in dir. Das ist immer wieder eine fantastische Nachricht und Aussicht. Uns in dieser Würde beheimatet zu fühlen, gibt uns den Grund und die Kraft, uns dafür einzusetzen, dass alle Menschen ihren Zugang, ihr Zuhause darin finden – ein Leben in Würde, innerlich und äußerlich.

Jeder ist gleichermaßen mit einer Würde ausgestattet, die uns zusagt: Mein göttlicher Fingerabdruck klebt auf dir, mein Herz schlägt in dir.

Unsere Würde ist Ankerplatz und Sprungbrett. Sie gibt uns festen Halt und flexiblen Stand im Leben. Und dieses Leben ist einfach viel zu kostbar dafür, es im engen Dunstkreis unserer im Zweifelsfall sehr begrenzten vier Wände zu leben. Das Gänsehaut-Credo der Nachfolge heißt ja: Raus aus der Komfortzone und raus aufs Wasser. Mit Jesus gemeinsam übers Wasser gleiten und Wellen reiten. „Fürchtet euch nicht“ und „Seid getrost“ – immer wieder gibt’s riesigen Zuspruch und die Erlaubnis zum Ausbruch aus zu viel Trott oder Trubel des Alltags.

Wir folgen einem, der es wirklich gut meint. Mit allen. Mit jedem Einzelnen und ganzen Völkern. Er sieht jene, die in der Masse verschwinden. Er hört die Unerhörten. Spricht zu den ihrer Stimme Beraubten. Er holt die Isolierten durch seine Präsenz zurück ins Leben, ruft sie bei ihren Namen und richtet sie auf in ihrer Würde.

In Jesus sehen wir aber auch, dass ein Leben für die Würde eben keine Privatsache ist. Sie ruft auch uns jeden Tag neu heraus. Sie ruft uns auf den Plan Gottes. Mitten hinein ins Leben, in die Gesellschaft, dorthin, wo Würde verletzt wird. Dorthin, wo Entscheidungen darüber fallen, wie die Lebensmöglichkeiten von Menschen heute und in Zukunft aussehen.

In Jesus erscheint Gott auf der öffentlichen Bühne der Welt und macht offenbar, dass er sie nicht wieder verlassen wird. An der Stelle von Tyrannei und Chaos richtet Gott seine Herrschaft der heilenden und wiederherstellenden Gerechtigkeit auf. In Jesus kommen Himmel und Erde zusammen. Sie vereinigen sich in ihm und strahlen in der Welt als Ausdruck des großen Rettungsprojekts Gottes. Jesus sprach und handelte in einer Weise, die uns den Weg weist, uns vorausgeht. Mit dem öffentlichen Wirken, dem Tod und der Auferstehung Jesu zeigt sich Gott in der öffentlichen Welt. Gott ist und bleibt im Wirken von Jesus gegenwärtig. Wir dienen einem In-der-Öffentlichkeit-Gott.

Wir überwinden die Logik der Konsumgesellschaft in der gemeinschaftlichen Nachfolge

Was bedeutet der Dienst an einem öffentlichen Gott für die Nachfolge im Hier und Jetzt, mitten in der Konsumgesellschaft? Unsere Aufgabe als Einzelne, aber vor allem auch als Gemeinden – privat und öffentlich – zu verkörpern, was Jesus für uns tut und erwirkt: die Zeit der Erneuerung durch die Erlösung des Einzelnen, aber auch der ganzen Schöpfung. Den Übertritt in eine neue Wirklichkeit, in der wir neu denken und handeln lernen. Jesus erlöst uns hin zu einer Hoffnung, die Himmel und Erde vereint. In ihm bricht das Reich Gottes in der Welt an – das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Wir überwinden die Logik der Konsumgesellschaft in der gemeinschaftlichen Nachfolge, die mit Liebe, Kraft und Besonnenheit – privat und politisch für Gerechtigkeit und Gemeinwohl lebt und eintritt.

 

Fragen: Lebst du mit Gott in dem Bewusstsein, dass deine Würde dir hilft, für die Würde anderer öffentlich einzutreten? Wie kannst du dieses Bewusstsein stärken?

Beten: Gott, bitte zeige mir, wie ich heraustreten kann aus meiner privaten Komfortzone. Nimm mich mit auf deine Wege hinein in die Gesellschaft und zeige mir, wo und ich mich beteiligen kann, an deinen wunderbaren Plänen unser Leben in Gemeinschaft. Zeige mir, wie das Formen und Farben annehmen kann hier in Deutschland. Lass mich teilhaben an deinem öffentlichen Wirken für die Welt.

Handeln: Welches (gesellschaftliche) Thema bewegt dich besonders? Was macht dich besonders wütend oder was berührt dich tief ? Suche dir Menschen, die das bereits voranbringen oder gründe selbst eine Gruppe dafür – werde gemeinschaftlich laut für dein Herzensanliegen!

 

Einfach leben Micha

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