Rebecca Dernelle-Fischer: Und dann kam Pia

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Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Besser gesagt: Die schreibt Gott. Und hier ist eine solche Geschichte, die Gott schreibt (ja, immer noch am schreiben ist), und die wirklich mitten ins Herz trifft. Alles beginnt mit dem Wunsch nach einem dritten Kind (zwei Mädels hatte die Familie Fischer zu dem Zeitpunkt) und einer Fernsehsendung, einer Reportage über ein Kind, das adoptiert wird. Damit war der Gedanke geboren: Wie wäre es mit einer Adoption?

Eine Adoption ist nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt: „Das Jugendamt hatte nicht ungeduldig auf uns gewartet, und es würde kein Kind geben, das direkt vom Himmel fallen würde. Niemand sagte eigentlich danke. Wir hatten zu danken.“ (S. 19) Es gab nur sehr wenige Inlandsvermittlungen von gesunden Kindern. Es sei denn, es handelte sich um ein „schwer vermittelbares“ Kind. Ja, wie wäre es denn mit einem Kind mit Down-Syndrom? Rebecca hatte während ihres Studiums in einem Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene gearbeitet.

Im Buch berichtet die Autorin den langen und beschwerlichen Weg, der endlich mit der Adoption endete. Sie erzählt sehr lebendig und ehrlich von ihren Höhen und Tiefen in dieser Zeit. Nicht immer ist eitel Sonnenschein. Als sie Pia zum ersten Mal sah, wurde ihr plötzlich alles zuviel: „Es ist nicht mein Baby, es ist das Baby einer anderen Frau. […] Hallo, ich bin im falschen Film. Ich will eigentlich das Baby wieder weggeben, aufstehen und tschüss, weg bin ich, ade, ade, ich bin die Falsche dafür.2 (S. 89)

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Doch dann entscheiden sie sich für Pia, und schenken ihr ein neues Zuhause. Auch für die beiden älteren Mädels ist die Eingewöhnung mit viel Freude verbunden. Am Ende ist Pia dann richtig adoptiert. Ganz spannend: Bei der Adoption erklären sich Adoptiveltern dazu bereit, für immer und ewig die Eltern des adoptierten Kindes zu bleiben. Diese Schilderung der Gefühle, die diesen Schritt begleiteten, haben mir auch ein paar Tränen in die Augen getrieben. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen – bis weit nach Mitternacht hat es mich gefesselt. Ja, Menschen mit Down-Syndrom sind unendlich wertvoll, unendlich gewollt und unendlich geliebt. Wir brauchen sie. Sie bereichern unsere Gesellschaft und sind ein Segen. Die Autorin schreibt: „Pia lebt und sie ist ein wunderschöner Mensch. Bitte gebt ihr Raum in unserer Gesellschaft. Versucht nicht, zu beurteilen, wer wertvoll ist oder nicht, wer leben darf oder nicht, wer gut genug ist oder nicht. Wir brauchen einander, auch die Menschen mit Behinderung.“ (S. 152)

Von J. Erne

Verlag: Neufeld Verlag
ISBN: 978-3862560776
Seitenzahl: 158
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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