Evangelische Kirche und Universitäts-Theologen streiten weiter um das Reformationsjubiläum. Die Theologen würden nichts Konstruktives beitragen, kritisierte jüngst EKD-Vize Thies Gundlach. Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg kontert: „Zu viel Politik, zu wenig Theologie“, sagt sie in Richtung der Kirchenleitung.
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Der wichtigste Maßstab für die Bedeutung des Reformationsjubiläums scheine für den EKD-Vizepräsidenten das Interesse von Politikern und außerkirchlicher Zivilgesellschaft zu sein“, so Wendebourg gegenüber der WELT. Es sei zwar „gut und schön“, dass Politiker Erwartungen mit dem Jubiläum verbinden und der Staat es unterstützt. „Aber die Kirche kann sich doch dieses Interesse nicht einfach zu eigen machen, sondern muss ihre spezifischen, religiös-theologischen Gründe haben, das Gedächtnis der Reformation zu feiern.“

Und hier bietet die EKD nach Ansicht der Kirchenhistorikerin „erstaunlich wenig“. So komme das Wort „Gott“ in Gundlachs jüngsten Ausführungen nicht vor. Dabei sei es in der Reformation gerade auch um das persönliche „Verhältnis des Menschen zu Gott““ gegangen. Statt davon zu sprechen, konzentriere sich die Kirche bei ihren Feierlichkeiten auf das, was an der Reformation für den Staat, die Menschenwürde oder die Demokratie wichtig sein könne. „Dann muss sie sich nicht wundern, wenn Theologen theologische Defizite beklagen und darauf hinweisen, dass Luther etwas anderes im Sinn hatte als das, was die kirchlichen Oberen nun vor allem herausstellen“, so Wendebourg.