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Pater Nikodemus Schnabel ist Prior der deutschsprachigen Benediktiner-Abtei Dormitio am Rande der Jerusalemer Altstadt. Er beobachtet, wie in seiner Heimatstadt die Religionen von der Politik zunehmend instrumentalisiert werden. Im Interview mit der Deutschen Welle sagt er: „Wir sind ein Gegenüber der Politik.“ Die Religionen müssten endlich klarmachen, wofür sie wirklich stehen und sich dabei gegenseitig respektieren: „Wie langweilig wäre Jerusalem, wenn es rein jüdisch wäre, rein muslimisch, rein christlich. Der Zauber der Stadt wäre weg.“ Sogar das Auswärtige Amt beteiligt ihn an seinem Projekt „Friedensverantwortung der Religionen“.

Hier geht es zum kompletten Interview.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. WER AN GOTT GLAUBT MUSS FÜR DAS VERSÖHNEN SEIN

    Glaube an Gott sollten wir als Christen daran messen, was Jesus damals sagte, wie er lebte, starb und auferstand. Die fiktive Frage wäre, was er heute dazu sagen würde, wenn der Gottesglaube ideologisch missbraucht oder ignoriert wird. Gelten die 10 Gebote nicht mehr im Krieg ?. Oder wenn Geheimdienste Bösewichte vernichten ? Die Frage ist auch, wie sich Jesus zu den Bomben auf Palästinenser oder Morde an Juden stellen würde. Was er von Drohnenangriffen hält oder von dem Hass auf Soldaten, die von Jugendlichen mit Steinen beworfen werden. Was er von den angeblichen Gotteskriegern hält, die Menschen die Köpfe abschneiden. Oder von der vergleichsweise harmlosen Aktion gegen politische Gegner für den Fall, dass man es mal braucht, Belastungsmaterial zu sammeln. Auch das ist Kriegsvorbereitung mitten im Frieden.

    Ich will hier im einzelnen nicht entfalten, was der Nazarener über die Liebe zu Gott und den Menschen sagte, was in der Bergpredigt über die Friedfertigen und geistlich Armen steht und wie er für die Menschen am Rande der Gesellschaft nicht nur eingetreten ist, sondern mit ihnen Gemeinschaft hatte.

    Jesus würde nicht mit der Pegida über die Straßen marschieren oder sich unter den AfD-Christen betätigen. Die Aussage in der Bergpredigt, dass jeder zuerst den Balken aus seinem Augen ziehen muss, bevor er den Splitter im Auge des Mitmenschen kritisiert, zeugt von einer gehörigen Portion Antipopulismus, Menschen in Schubladen der Vorurteile einzuordnen, verstößt nicht nur gegen den christlichen Glauben, sondern gegen jede wirkliche Religion. Gott hat keine Vorurteile und er sieht in das Herz eines jeden Menschen. Bisweilen sind wir alle kleine oder verborgene Populisten, müsste man eigentlich selbstkritisch einschränken. Vorallem dann, wenn Glaube zu Rechthaberei wird und Rechtgläubigkeit über das Liebesgebot dominiert. Zu den schlechten menschlichen Eigenschaften gehören das Pauschalurteil (Flüchtlinge sind potentiell gewalttätig) oder Sündenböcke zu kreieren (auch zwischen Parteien, Bürgern und Staaten). Christen, Juden und Muslime im Heiligen Land haben durch die schlechten gegenseitigen Erfahrungen und nicht gelöster politischer bzw. sozialer Probleme sowie unterschiedlicher Kulturen Hass und Hoffnungslosigkeit im Herzen. Es gibt zu viele Gräber und Toten. Hier müssten die drei großen Religionen, die sich alle auf einen barmherzigen liebenden Gott berufen, mit der Versöhnung beginnen. Das wäre sehr im Sinne von Jesus Christus, den auch alle Moslems als großen Propheten verehren.

    Christen sind grundsätzlich keine besseren Menschen als die Beter und Praktizierer anderer Religionen oder Nichtgläubiger. Aber sie sollten mit allen Jugendlichen, Frauen und Männern guten Willens zusammenarbeiten, wenn Politik in religiöser Form missbraucht wird, um Menschen zu manipulieren oder zu desinformieren. Hier ist in seiner gröbsten Form der Islamismus zu erwähnen. Für die Menschenwürde sowie gegen Krieg und Gewalt müssten eigentlich alle positiven Religionen einmütig ihre Stimme erheben. Es gab noch nie so eine große Möglichkeit, eines solches Votum über die Massenmedien unter die Menschen zu bringen. Nur tun müsste man es. Konkrete Anlässe gibt es nicht nur in Jerusalem, Israel, sondern in der ganzen Welt. Damit könnte man auch den Erdogans dieser Welt gewaltig auf den Wecker fallen und Druck ausüben. Dies sage ich eher mit schwacher Hoffnung ohne Realitätssinn. Auf den Neuen Himmel und die Neue Erde zu hoffen bedeutet hier, gegen den Strom zu schwimmen. Statt an Länder ausserhalb der Nato Waffen zu verkaufen, sollten Waffenfabriken diesbezüglich ihre Produktpalette verändern. Es gibt weltweit viele fehlende nützliche Dinge. Entwicklungshelfer sind effektiver als Soldaten,dafür müssen sie einen ganz langen Atem mitbringen. Steht nicht sogar im Alten Testament, dass sie ihre Waffen zu Pflugscharen machen ? Das kann man nur auf Erden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man noch den Mut zu sagen, dass Krieg gegen den Willen Gottes ist.

    Ich halte es auch nicht für einen Widerspruch, wenn ich formuliere: Nur wer den (interreligiösen) Dialog pflegt, darf auch missionieren. Nicht nur die großen Weltreligionen sollten sich mehr als bisher für den Frieden und das Überleben der Menschheit einsetzen sowie dafür beten. Vorallem sollten die Religionen diesbezüglich mit einer Stimme sprechen. Natürlich ist das nur eine Irrlehre und der Versuch, eine böse Welteinheitsreligion zu fordern (höre ich sie schreiben).

    Bernd Hehner, Kaiserslautern

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