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Die SPD wirft sächsischen Kirchengemeinden nach Bekanntwerden eines Predigtverbotes gegen den evangelischen Jugendwart Jens Ullrich (54) wegen dessen Homosexualität „offene Diskriminierung“, erklärte Oliver, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung in der SPD Sachsen, am Montag in Dresden. Die sächsische Kirchenleitung stellte sich erneut hinter den Jugendwart und kritisierte das Predigtverbot.

„Diese Zustände erinnern an die finstersten Zeiten der Schwulenverfolgung, als homosexuellen Männern Berufsverbote drohten, wenn sie sich outeten oder geoutet wurden“, kritisiert Strotzer.

Schon nach dem Beschluss einiger erzgebirgischer Kirchgemeinden vor zwei Jahren, der Ullrich wegen seiner Homosexualität als quasi unerwünscht erklärt hatte, habe die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens mit „Kritik und Unverständnis“ reagiert, betonte Landeskirchensprecher Matthias Oelke am Montag in Dresden.

Der Beschluss sollte zurückgenommen werde. Bisher ist aber offenbar nichts passiert. Die „Dresdner Morgenpost“ hatte am Montag über den Jugendwart berichtet und von einem „Predigt- und Begegnungsverbot“ gesprochen. Tatsächlich werde der Jugendwart, der beim Kirchenbezirk Aue angestellt ist, von einigen Gemeinden im Erzgebirge nicht mehr zu Veranstaltungen eingeladen, bestätigte Oelke. Allerdings stehe sein Arbeitgeber, der Kirchenbezirk, hinter ihm.

Der studierte Diakon und Religionspädagoge Ullrich ist Jugendwart im Kirchenbezirk Aue (Erzgebirgskreis). Die evangelische Wochenzeitung „Der Sonntag“ hatte bereits mehrfach über die Querelen um den schwulen Jugendwart berichtet.

Innerhalb der sächsischen Landeskirche hatte es jahrelange Debatten um die Öffnung der sächsischen Pfarrhäuser für schwule und lesbische Paare gegeben. Ein Zusammenleben ist zwar grundsätzlich möglich, aber nur wenn die Ortsgemeinde zustimmt. Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing hatte sich gegen die Segnung von homosexuellen Paaren im Gottesdienst ausgesprochen.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Seltsam an dieser Meldung ist, dass im Titel „Predigtverbot“ genannt wird, aber im Text geht es nur noch um Unterstützer des Mannes. Sind das „die finstersten Zeiten der Schwulenverfolgung“? Auch die Landeskirche – die ihm das Gehalt zahlt – steht anscheinend hinter ihm. Wenn man den Bericht genau liest, bleibt übrig, dass einige Kirchengemeinden (vermutlich solche, in denen noch die Bibel im Original gelesen wird) ihn nicht einladen.

  2. Was zeigt, dass die evangelische Kirche nicht so einheitlich ist, wie es andere in der Kirche wiederum erzwingen wollen.
    Was das Verbot, dass ja kein neues Vorgehen ist betrifft. Dieses gibt es bereits seit 1,5 Jahren. Hat da die SPD geschlafen? Vielleicht genauso, wie die Behauptung, es sein eine Diskriminierung falsch ist. Natürlich darf man in Deutschland Homosexualität für eine Sünde halten und auch im Rahmen des Legalen, seine Konsequenzen ziehen. Das läuft in Deutschland unter Grundrecht. Wenn jemand in Sünde lebt und dieser davon nicht ablassen kann, oder es für keine Sünde hält, dann kann es passieren, dass man nicht predigen darf. Das betrifft alle Bereiche der Frage der Sünde.

    • Es ist Wahlkampf, deshalb hat die SPD 1,5 Jahre gebraucht. Denn damals hätte es niemanden interessiert, was die SPD da von sich gibt.
      Haben wir in Deutschland nicht eine Trennung von Kirche und Staat?
      Alles andere sollte Sache zwischen diesem Mann, Gott und der Kirche bleiben.

    • Ich bin der Meinung, daß es auch die potentiellen Kirchgänger interessiert. Das wäre möglicherweise ein finanzieller Nachteil für den Verein. Wenn er mehrheitlich abgelehnt wird, bringt das auch Niemandem etwas.

  3. Die SPD ist fundamental-atheistisch. Und der Verdacht, daß das Christentum zerstört werden soll, liegt nach allem, was politisch und medial geschehen ist, ja wohl auf der Hand.

    Jede Religion hat einen Moralkodex. Der ist das A und O jeden geistigen Fortschritts. Dem Christentum würde es vielleicht aus der Patsche helfen, wenn es Elemente buddhistischer und hindustischer Askese aufnähme?

    Umgekehrt wird das Christentum diskriminiert.

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