Trotz seiner erst 29 Jahre zählt Samuel Harfst zu den bekanntesten christlichen Musikern Deutschlands. Sieben Studioalben hat er inzwischen veröffentlicht. Kaum zu glauben, dass er einmal als Straßenmusiker angefangen hat. Im Interview verrät er, wie seine Songs entstehen und erzählt von einem Perspektivwechsel in seinem Glauben.

Samuel, packt dich manchmal noch die Sehnsucht, dich mit der Gitarre in die Fußgängerzone zu stellen

Total. Mir macht Straßenmusik immer noch genauso Spaß wie früher. Leider ist es inzwischen so, dass wir so viele feste Buchungen haben, dass ein gewisses Live-Pensum erreicht ist. Dann ist man froh, wenn man nicht noch zusätzlich auf der Straße spielen muss. Das hat aber dann nie was damit zu tun, dass wir nicht auf die Straße möchten.

Wie arbeitest du? Wie entsteht bei dir ein Song? 

Am Anfang ist da ein Gefühl, das in Worte und Töne gefasst werden möchte. Es gibt so eine Art Fährte, das kann eine Akkordfolge auf der Gitarre oder auf dem Klavier sein, das kann mal ein Text sein. Musik entsteht nicht im, aber aus dem luftleeren Raum. "Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug", um es in den Worten von Hilde Domin zu sagen. Bei dem aktuellen Album hatten wir ein Lied komplett aufgenommen und dann entstand aus dem Playback ein ganz neuer Song. Dann gibt es andere Lieder, bei denen erst der Text kam wie bei dem Titel "Hilde". [Aus dem neuen Album "Chronik einer Liebe" – Anmerkung der Red.]

Was möchtest du mit deiner Musik bewegen?

Vor allem möchte ich erst mal mich selber bewegen und bewegt sein. Wenn es andere Hörer dann auch bewegt, freut mich das natürlich sehr. Es ist mir nicht mehr wichtig, dass Leute in das Lied genau das hineininterpretieren, was mir wichtig war. Meine Musik soll Spiegel sein und nicht Propaganda oder was auch immer. Ich bin ein großer Oscar Wilde-Fan, der viele schöne Dinge über die Kunst gesagt hat, zum Beispiel: "Die Kunst zu offenbaren, den Künstler zu verbergen – das ist das Ziel der Kunst."

In einem Interview mit dem Magazin "Melchior" hast du gesagt, dass es einen Perspektivwechsel in deinem Glauben gab, und zwar von einem Glauben an ein Leben nach dem Tod zu einem Glauben an ein Leben vor dem Tod. Was war Auslöser für diesen Perspektivwechsel?

Das war ein Prozess und hatte verschiedene Gründe. Zum einen glaube ich, dass man kostbare Zeit mit Spekulation über die Frage nach dem Tod verlieren kann. Das kann leicht zu Realitätsflucht führen. Ähnlich wie bei vielen die Rente: Bedürfnisaufschub bis zum Abflug. Aber das Himmelreich ist jetzt mitten unter uns. In mir, durch mich als ich. Das, was jetzt und hier passiert, ist relevant, ohne dieser anderen Realität irgendeine Bedeutung abzusprechen. Ich habe mir in meinem Leben zu viele Gedanken um die ungelegten Eier gemacht und zu wenig um die gelegten. Warum haben wir das Leben, wenn es nur um das Leben danach geht? Ganz viel von unserem Umgang mit diesem Planeten hat damit zu tun: Die Schönheit, die wir dem Hier und Jetzt beimessen, beeinflusst maßgeblich den Umgang mit unserem blauen Planeten.

Vielen Dank für das Gespräch!
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Die Fragen stellte Melanie Eckmann (Redaktion "dran next")

Das vollständige Interview kannst du in der Ausgabe 8/15 der Zeitschrift "dran next" lesen. Du kannst "dran next" hier abonnieren oder kostenlos testen.