Ein Priester gibt einer Frau eine Hostie.
Abendmahl (© epd-bild / Jens Schulze)
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, betonte zum Abschluss der bischöflichen Frühjahrsversammlung, dass konfessionsverschiedene Ehepaare ein zunehmendes Bedürfnis nach der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie hätten. Der katholische Priester solle im Einzelfall beurteilen, ob von dem protestantischen Ehepartner „der Glaube der katholischen Kirche“ geteilt wird, sagte Marx. Dazu würde eine pastorale Handreichung der katholischen Bischöfe veröffentlicht. Von evangelischer Seite kamen gemischte Reaktionen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte erfreut. „Für Menschen, die nicht nur ihren Glauben an Jesus Christus, sondern auch ihr Leben miteinander teilen, stellt das eine echte Erleichterung dar“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm. „Die Entscheidung macht deutlich, dass das Bedürfnis konfessionsverbindender Ehepaare, gemeinsam an den Tisch des Herrn treten zu können, von der Bischofskonferenz gehört und gewürdigt wird“. Auch der rheinische Präses Manfred Rekowski begrüßte diesen Schritt. „Es wäre ein ermutigendes Zeichen, wenn es den konfessionsverbindenden Paaren auf diesem Weg erleichtert wird, den Glauben gemeinsam zu leben“, sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf.

Kritisch äußerte sich hingegen der evangelische Theologe Ulrich Körtner: „Die Deutsche Bischofskonferenz läuft der in den Gemeinden schon längst verbreiteten Praxis hinterher, wo sich viele längst nicht mehr um dogmatische Feinheiten scheren“, sagte Körtner am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Die angekündigte neue Praxis – die schriftlichen Details stehen ja noch aus – sollen es den Bischöfen erlauben, ohne Gesichtsverlust ihren Sanctus zur Praxis zu geben.“

Dazu erklärte Körtner: „Nach wie vor wird es aber, soweit ich verstanden habe, den katholischen Ehepartner untersagt sein, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen. In meinen Augen ist das alles ein Murks. Aber die EKD-Spitze ist ja auch nicht unbedingt an solider Theologie interessiert, sondern nur an guter Stimmung und ökumenischer Beziehungsarbeit.“

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