Smartphone Handy
Foto: Pixabay
Laut Statistiken blicken wir über 50 Mal täglich auf unser Smartphone. Aber was steckt eigentlich unter dem Display? Und was hat das mit Schöpfungsbewahrung und Menschenrechten zu tun? Eine Entdeckungsreise zu den Abgründen der Handyproduktion.
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Von Laura Schönwies

MineHandy heißt das Game, das im Minecraft-Stil den Spieler in die Rolle eines Journalisten schlüpfen lässt. Der Journalist ist auf Recherchereise. Er möchte herausfinden, wie Smartphones entstehen: Welche Rohstoffe stecken in diesem kleinen Gerät? Wo kommen sie eigentlich her? Was bedeutet das für die Umwelt? Und vor allem: Wie geht es den Menschen, die daran arbeiten?

Fragen, mit denen sich Jugendliche im Rahmen eines Workshops des Südwind-Instituts auseinandergesetzt haben. Sie haben das Minigame entwickelt. Mit dabei: Die 16-Jährige Anna.

Diese Spielstation zeigt die Arbeitsbedingungen der Menschen in der Handyproduktion (Bild: Südwind-Institut)
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In einem Handy stecken etwa 60 Rohstoffe, davon 30 Metalle wie zum Beispiel Zinn und Kupfer, gewonnen von Bergleuten in Mienen. Der In-Game-Journalist entdeckt solche Minen beispielsweise in Indonesien. Als Spieler durchläuft man in MineHandy vier Stationen: Eine Zinnmine, ein Kupferwerk, eine Fabrik und eine Müllhalde. An jeder Station bekommt der Spieler Informationen zu den Bedingungen vor Ort und zu den Arbeitern.

Am Ende des Spiels schreibt der Journalist einen Zeitungsartikel über das Erlebte. So bekommt der Spieler eine Zusammenfassung darüber, was er im Laufe des Spiels gelernt hat. „Okay, das ist nicht ganz Minecraft-Style“, gibt Anna lachend zu. Aber es geht schließlich um die Botschaft dahinter.

Schicksale hinter Pixeln

Trotz der verpixelten Umgebung „lässt sich die Umgebung der Minenarbeiter angemessen darstellen“, versichert Anna. „Es kommt sehr nah an das heran, was wir in Filmen zu den Minen und Produktionsstätten gesehen haben.“ Sie wird nachdenklich. „Ich fand es ziemlich krass, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in den Minen sind. Genauso wie in den Handyfabriken. Das hätte ich nicht gedacht.“

Anna untersucht die winzigen Bestandteile eines Smartphones (Bild: Südwind-Institut).

Was macht diese Entdeckung mit ihr? „Dadurch bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, was Menschen für mein neues Handy auf sich genommen haben.“

Auch die Workshopleiterin Eva Reinwald vom SÜDWIND-Institut berührt die Thematik: „Wir tragen das Handy ständig mit uns herum, es verbindet uns mit so vielen Menschen auf der Welt. Gleichzeitig blenden wir Menschen völlig aus, deren Schicksal daran hängt. Die Arbeiter setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Es ist sehr gefährlich, in den Minen zu arbeiten. Dort werden nur sehr niedrige Sicherheitsvorkehrungen getroffen. In den Zinnminen kann es zu Erdrutschen kommen. Bei den Kupferwerken entstehen hohe Abgaswerte. Auf Menschenrechte wird kaum Wert gelegt.“ Eine Pause zum Schlucken und Durchatmen entsteht. „Hinzukommt, dass die Aufseher nicht besonders freundlich sind. Das konnten wir in einem Film sehen, der uns gezeigt wurde. Die Menschen haben Angst, wenn die Aufseher kommen“, erzählt Anna mitfühlend.

Gewissensbisse

Eins ist Eva Reinwald trotz der bedrückenden Thematik wichtig: „Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommen, sondern lieber zum Nachdenken einladen und zeigen: Da läuft einiges schief in der Handyproduktion. Wir haben ein Spiel entwickelt, weil das deutlich ansprechender ist, als einen Text darüber zu lesen oder ein Bild zu betrachten. In einem Spiel erkundet man das Thema selbst. Ein echter Mehrwert.“

Figur aus dem Spiel MineHandy (Bild: Südwind-Institut)

Anna ist stolz auf das Erreichte: „Beim Spielen ist es ein cooles Gefühl, wenn man sich daran erinnert, wie man einen Text geschrieben hat oder was man sich bei der Story gedacht hat.“ Und sie hat einen Wunsch: „Ich hoffe, dass Leute das Spiel nicht nur durchzocken, als wäre es ein Spiel wie jedes andere. Wir haben uns schließlich etwas dabei gedacht.“

Handy kaputt? Grün denken!

Innenleben eines Smartphones (Bild: Südwind-Institut)

Was können wir Handybesitzer im Umgang mit unserem Smartphone für die Umwelt tun? „Mit unserer Handysammelaktion wollen wir dazu anregen, dass man in Gemeinden, am Arbeitsplatz oder in Schulen Sammelboxen aufstellt, damit alle gesammelten Handys fachgerecht recycelt werden können“, erklärt Eva Reinwald die Motivation hinter einem parallel zur Game-Produktion laufenden Projekt. Anna hat schon eine Idee, wie ihr Anliegen noch mehr Menschen erreichen könnte: „Es wäre cool, wenn sich Gruppen beim Gemeindefest oder Schulfest mit einem Informationsstand hinstellen und die Leute neugierig machen.“

Und es gibt noch mehr Möglichkeiten: „Ich mache viel in der Jugendarbeit. Beispielsweise zeige ich den Konfis unser Spiel“, erzählt Anna. Auch ihre Freunde lässt sie an ihrem neuen Wissen teilhaben. Jetzt will sie bei sich selbst anfangen: „Nachdem ich bei der Spielentwicklung mitgemacht habe, werde ich auf jeden Fall vorsichtiger mit meinem Smartphone umgehen, weil jedes Handy, das kaputtgeht und nicht wieder repariert werden kann, in den Müll kommt. Das ist schade, weil für jedes Gerät unendlich viele Schritte durchlaufen werden, an denen viele Menschen beteiligt sind. Und nur, weil es ein neues Smartphone gibt, werde ich nicht direkt eins kaufen. Meine alten Handys werde ich vernünftig entsorgen und darauf achten, dass sie nicht einfach irgendwo landen, wo sie Mensch und Umwelt gefährden.“


 In der aktuellen Ausgabe des Magazins TEENSMAG, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört, wurden Anna und das Spiel MineHandy vorgestellt. Für die Veröffentlichung des TEENSMAG-Beitrags auf Jesus.de wurde der Text minimal angepasst.

Mehr Informationen

Handy Aktion-NRW

Auf der Seite Handy Aktion-NRW steht das Spiel zum Download zur Verfügung, inklusive eines Begleithefts für die Jugendarbeit. Wer auf der Seite weiterstöbert, findet auch Infos zu den Handysammelaktionen.

 

 

 

 

                         Südwind Institut

            

 

Weitere Mitwirkende:    

       

        Evangelische Jugendbildungsstätte Tecklenburg

 

Junge Akademie Wittenberg