Aktuell sind Gruppentreffen wegen der Pandemie untersagt. Wie geht das Gemeindeleben weiter in Zeiten von Corona? Eine kleine Umfrage.

„Skype ist besser als gar kein Treffen“

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Mein eigener Hauskreis hat sich zuletzt über Skype „getroffen“. Jetzt probieren wir Zoom aus. Diese virtuellen Treffen sind nicht so schön, wie sich in einem Wohnzimmer zu begegnen, aber besser als nichts. Wichtig ist nur, dass alle nacheinander sprechen, da immer nur ein Lautsprecher oder Mikrofon aktiv ist. Gemeinsam zu singen oder laut Vater-Unser zu beten kann leicht zu einer Überforderung führen. Für mein Ehrenamt als Hauskreiskoordinatorin bleibt mir gerade wenig Zeit, insofern weiß ich nicht, wie es unseren anderen Hauskreisen geht. Ich arbeite im Labor und wir machen Corona-Tests, sodass sich meine Arbeitszeiten gerade stark verlängern und wir auch am Wochenende arbeiten müssen. Meine Arbeit im Labor macht mir Spaß, aber der Stress dort wird wohl auch noch anhalten, wenn die Regeln gelockert werden und die Allgemeinheit so langsam zurück ins normale Leben geht.

Rebecca Uloth ist ehrenamtliche Hauskreiskoordinatorin im Lutherhaus Jena.

 

„Die wahre Größe der kleinen Gruppen“

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Ein kleines Virus legt die Welt lahm. Plötzlich sind Home-Office und Home-Schooling mein Alltag. Schrittweise wurden die Sozialkontakte eingeschränkt. In der Gemeinde haben wir diese Entwicklung nachvollzogen: Sukzessive haben wir unsere Aktivitäten runtergefahren. Das fasziniert mich: Wir fahren Deutschland runter und die Hauskreise gehören zu den letzten Gruppen, die wir schließen. Sie zeigen in der Krise gleich mehrfach ihre wahre Größe:

  • Sie fanden noch statt, als anderes schon lange nicht mehr ging.
  • Sie finden virtuell bereits wieder statt – mitten in der Krise.
  • Die Teilnehmer haben einen vertrauten Rahmen, in dem sie über ihre Ängste und Unsicherheiten reden können. Sie können in Kontakt bleiben und füreinander da sein.
  • Und sie können etwas für uns alle tun: Beten: Füreinander, für die Gemeinde, für den Ort, für unser Land und alle, die zur großen Familie Mensch gehören.

Jesus hat gesagt: „An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Joh 13,35 HfA) Was dieser Satz in Corona-Zeiten bedeutet, erfinden wir gerade ganz neu. Gerade Hauskreise haben das Potenzial, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Deshalb machen wir schon wieder Hauskreis. Virtuell. Unsere Jugendhauskreise sind jetzt die Pioniere und wir anderen lernen davon. Unsere „älteren“ Hauskreise, die nur teilweise online sind, telefonieren viel. An Gründonnerstag feierten einige Hauskreise Abendmahl miteinander. Ich bin gespannt, wie viel Kreativität diese Zeit noch hervorbringen wird und was wir davon mit hinübernehmen werden in die Nach-Corona-Zeit.

Ina Bülles kümmert sich um die Bereiche Hauskreise und Seelsorge in der Andreasgemeinde Niederhöchstadt.

 

„Virtuelle Lobpreistreffen“

Unsere Hauskreise und gemeindlichen Kleingruppen gehen unterschiedlich mit den Einschränkungen durch die SARS-CoV-2-Pandemie um. Zwei unserer fünf Hauskreise haben sich virtuell über Skype getroffen und ausgetauscht. Bei den anderen drei Hauskreisen gab es in der jeweiligen Gruppe noch keine Versuche zu einem alternativen, digitalen Treffen. Unser Gebetsteam hat sich für Gebetsspaziergänge mit zwei Personen und Sicherheitsabstand entschieden. Unser monatliches Männertreffen hingegen wird wiederum digital über Zoom stattfinden.

An den ersten beiden Sonntagen unter den Versammlungsbeschränkungen haben wir auf Initiative von zwei Gemeindemitgliedern am späten Nachmittag virtuelle Lobpreistreffen durchgeführt und dabei mit Skype und Zoom Erfahrungen gesammelt. Als Pastorenehepaar haben wir an diesen Sonntagen Predigten als Video aufgenommen und auf YouTube veröffentlicht. Am Palmsonntag sind wir dazu übergegangen zur gewohnten Zeit über Zoom einen Live-Gottesdienst zu feiern mit festem Ablauf, Predigt, Anbetungsteil und Gebetsgemeinschaften in Kleingruppen. Die Funktion der Breakout-Sessions in Zoom lässt sich dafür gut nutzen. Für uns als Gemeinde ist das eine relativ einfache Möglichkeit, live miteinander Gottesdienst zu feiern. Vor allem haben auch Senioren die Möglichkeit, zumindest akustisch per Telefon beim Gottesdienst dabei zu sein, was bei einem einem Internet-Livestream etwa über YouTube nicht möglich ist.

Christian Wehde ist Pastor der EFG-Kelkheim.

 

„Wichtiger Hirtenjob“

Ich habe den Eindruck, dass die Hauskreise gerade in diesen Zeiten ein ganz wichtiger Schatz sein können. Das habe ich auch versucht unseren Hauskreisleitern zu signalisieren, dass ihr „Hirten-Job“ in dieser Zeit eine ganz wichtige Funktion hat. Erstmal habe ich die Hauskreisleiter ermutigt, kreativ in der Beziehungspflege zu werden. Was sie daraus gemacht haben, das weiß ich bisher nur teilweise. Von mehreren Hauskreisen weiß ich, dass sie sich per Skype treffen – einmal konnte ich auch dabei sein. Von einer Telefonkonferenz wurde mir berichtet. Ein Hauskreisleiterpaar ruft wöchentlich etwa 30 Leute an – alle mit einer Vorgeschichte psychischer Erkrankungen. Das ist ein großartiger Dienst! Daneben gibt es die Vernetzung per WhatsApp-Gruppe.

Bei meinem eigenen Hauskreis habe ich unsere Gruppe in Zweierteams eingeteilt, die sich an diesem Hauskreisabend anrufen und mal hören, wie es so geht und füreinander beten. Auf diese Weise hatte ich selbst einen fast kompletten Hauskreis-Abend. Für nächste Woche werde ich jeweils andere Teams bilden, sodass irgendwann jede/r mit jedem telefoniert hat. Als Hauskreis-Leiterin rufe ich alle auf jeden Fall nach und nach an.

Heimke Hitzblech ist als Pastorin in der EFG-Walderseestraße für die Kleingruppenarbeit der Gemeinde zuständig.

 

„Videokonferenzen eignen sich nicht für alle“

In Zeiten von Corona versuchen wir in unserer Gemeinde so viele Gemeindeveranstaltungen wie möglich virtuell durchzuführen. Dafür eignet sich beispielsweise die Videoplattform Jitsi.org. Wir glauben, dass es gut ist, gerade in diesen herausfordernden Zeiten miteinander verbunden zu bleiben, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu helfen und Gemeinschaft miteinander zu haben. Und so sind auch unsere Hauskreise ermutigt worden, ihre Treffen per Videokonferenz durchzuführen. In meinem persönlichen Hauskreis hat sich gezeigt, dass diese Form nicht für alle gut und möglich ist. Manche können gesundheitlich nicht so lange vor dem PC sitzen, andere sitzen schon den ganzen Tag vor dem PC und arbeiten im Homeoffice mit Videokonferenzen – da ist die Luft abends manchmal einfach raus. In unserem ersten Testlauf haben wir erlebt, dass es trotzdem schön ist, sich zu sehen und voneinander zu hören. Das tut einfach gut. Wir erleben aber auch, dass ein persönliches Telefonat einen tieferen und intensiveren Austausch ermöglicht. Deshalb handhaben wir es in unserem Kreis nun so, dass wir uns in ausgelosten Zweierschaften am Telefon verabreden, austauschen, uns ermutigen und füreinander beten. Daneben treffen wir uns alle zwei bis drei Wochen virtuell per Videokonferenz, damit wir uns auch als große Gruppe nicht aus dem Blick verlieren.

Claudia Schubert ist ehrenamtliche Hauskreiskoordinatorin in der FeG Hildesheim.

 

„Und auf einmal ist es anders“

Man kann es schon fast nicht mehr hören, das Wort Corona, und doch hat es so viel und so schnell verändert. Auch bei uns in der Kleingruppen-Arbeit hat sich einiges getan, und das Kirchenschiff ging mit den Meereswogen, ausgelöst durch die Krise, hoch und runter. Am Anfang noch mit kleinen Wellen und kleinen Einschränkungen (Versammlungen unter 1000 Personen sind erlaubt), was uns daran hinderte, den Gottesdiensten zusammen durchzuführen (nur noch Live-Stream), aber der Kleingruppe einen gewaltigen Schub an Wichtigkeit gab, denn nun kamen in unseren Häuser zusammen. Es war sogar so, dass ich mich als Kleingruppenverantwortlicher plötzlich in einem christlichen Radiostudio wiederfand, um die Wichtigkeit und Vorteile der Kleingruppe zu erklären. Doch auch das ging schnell vorüber, und die Wellen wurden größer und das Ganze noch unübersichtlicher und unsicherer.

Unsicherheit ruft oft zwei Reaktionen hervor, von denen wir auch nicht gefeit waren: starr werden wie eine Maus vor der Schlange oder in Aktivismus verfallen. Wir suchten nach Wegen, den Kleingruppenleitern zu helfen, ihnen Ideen zu geben, wie man mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben und sich online weiterhin treffen kann, damit gerade jetzt der Nächste nicht in Vergessenheit gerät.

Hier einige Gedanken, die wir als Verantwortliche der Kleingruppenarbeit weitergaben:

  • Frage immer wieder nach, ob und wie du helfen kannst und sage den Teilnehmern auch, wie sie dir helfen können, sei authentisch und zeige deine Bedürfnisse.
  • Informiere deine Kleingruppe regelmäßig über deine Gedanken und ermutige sie.
  • Du kannst als Leiter/in nicht alles abdecken, darum delegiere bestimmte Aufgaben.
  • Die „prophetische Postkarte“: gezeichnet, geschrieben oder einfach mit einem Bibelvers versehen jemandem in der Kleingruppe schicken.
  • Ketten-Telefon / -Mail / -Brief= A ruft B an und B danach C usw. und am Schluss wieder A.
  • Tageslosung: Jeder übernimmt einen Tag und gibt einen Vers mit einem Gedanken im Chat weiter.
  • Bilder-Story: Jeder verschickt ein Foto pro Tag von seinem Alltag (eventuell mit Kommentar, nicht zu lange).
  • Nehmt euch bewusst Zeit als Gruppe, euch zum gewohnten Zeitpunkt zu treffen (zum Beispiel mit Zoom).
  • Ganz bewusst eine Fürbitte-Liste zusammen durchbeten (Ämter, Politiker usw.).
  • Wo kann ich praktisch helfen in meiner Nachbarschaft?
  • Wo kann ich neu den Kontakt via Telefon, Mail, Brief usw. aufbauen … einfach mit nachfragen und ermutigen (auch in der Verwandtschaft!)?
  • Schreibt Dankeskarten an Spitäler, Lehrer, Gemeinde etc.
  • Ladet Freunde zum Live-Stream Gottesdienst ein (jetzt erst recht).

Die Liste wurde länger und länger, und ich denke, sie ist gut und hilfreich. Doch ich kam mir vor wie ein Jünger, der bei hohem Wellengang im Boot ist und das eindringende Wasser mit einem Eimer fortwährend wieder hinausbefördert. Das ist sehr anstrengend, so zu leiten und das Boot auf Kurs zu halten… Doch dann erinnerte ich mich an Jesus, der ist doch auch noch auf dem Boot!? Ich fand mit ihm zusammen Ruhe in dem Ganzen und durfte lernen, dass leiten nicht nur heißt, Menschen anzuleiten, ihnen zu sagen, wie es geht, sondern sie freizusetzen, ihnen zu vertrauen, dass sie es mit Jesus zusammen gut machen werden. Das war und ist mein Schritt aufs Wasser mit dem Blick auf Jesus, denn er ist derselbe gestern heute und auch in der Zukunft – mit und ohne Corona!

Manuel Liniger ist Community Pastor und Leiter der Kleingruppenarbeit in der GvC Winterthur.


Die Umfrage erstellte Christof Klenk. Er ist Chefredakteur beim Hauskreis Magazin.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Schade das sich nur wenige über Datensicherheit und Datenschutz der jetzt aus dem Boden schiessenden Software interssiert.

    • Hallo Lutz,
      wir haben das Thema auf dem Schirm – aber noch nichts gefunden, was beides erfüllt: Nutzerfreundlichkeit und Datensicherheit. Jitsi bietet mehr Datensicherheit, läuft aber nicht immer stabil. Zoom hat unter dem Druck der Öffentlichkeit ja angeblich nachgebessert, was die Datensicherheit angeht. Hast du Tipps?

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