Foto: EKHN
Die Fußballhymne „You’ll never walk alone“ ist ab sofort Teil der evangelischen Kirchenmusik. Eine Erweiterung des traditionellen Evangelischen Gesangbuchs der hessen-nassauischen Kirche ist offiziell eingeführt worden.

Neben dem bekannten Stadiongesang, der nicht auf Anraten von Sportfans, sondern auf ausdrücklichen Wunsch von Seelsorgerinnen und Seelsorgern aus der Praxis in das neue Liederbuch aufgenommen wurde, gehören jetzt auch Stücke von Eric Clapton, Rod Steward und Judy Bailey zum protestantischen Liedschatz. Ihre Klassiker „Tears in heaven“, „Sailing“ und „Jesus in my house“ sind nur drei von insgesamt 164 neuen Liedern, die das Beiheft mit dem Namen „EGplus“ enthält. Es wurde gemeinsam mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von einem 21-köpfigen Team entwickelt. Es suchte aus über 600 Vorschlägen die Stücke aus, die jetzt Eingang in das rund 300 Seiten starke Ergänzungsheft fanden. Ziel des Beihefts ist es auch, „generationenübergreifendes Singen“ zu fördern. Deshalb enthält das Liederbuch besonders auch Stücke, die für das gemeinsame Singen mit Kindern geeignet sind. Einfache Singformen wie liturgische Sprüche, Call-and-Response-Songs oder Refrainlieder sollen den Gesang in Gottesdiensten unterstützen und zur musikalischen Vielfalt im Gemeindeleben beitragen.

Neue Lieder gefragt

Pünktlich zum 500. Reformationsjubiläum will das „EGplus“ das traditionelle Evangelische Gesangbuch mit Stücken erweitern, die sich nach 1995 in vielen Kirchengemeinden bereits bewährt haben. Auch dem Mangel an modernem Liedgut beispielsweise für Trauerfeiern oder Trauungen will der Ergänzungsband abhelfen. So findet sich nun Eric Clapton mit „Tears in heaven“ (Tränen im Himmel) unter der Rubrik „Sterben, Ewiges Leben, Bestattung“. Ziel war es auch, eine stilistisch vielfältige Liedauswahl zu treffen und unterschiedliche Frömmigkeitstraditionen mit ihren jeweiligen Ausprägungen musikalisch abzubilden. Zu den neu aufgenommenen Liedern gehören deshalb neben Popsongs auch Lobpreislieder, Gospels und Stücke aus aller Welt, wie etwa „Amazing Grace“, das es bislang nicht in das traditionelle Gesangbuch geschafft hatte. Die Nachfrage ist hoch: Noch vor der offiziellen Einführung des Beiheftes waren bereits rund 30.000 Exemplare allein aus dem hessen-nassauischen Kirchengebiet vorbestellt.

Mit Musik Herzen erreichen

Kirchenpräsident Volker Jung erhofft sich von der Gesangbuch-Erweiterung einen „neuen Anreiz“, wieder mehr zu singen. Von Anfang an waren nach Jungs Worten der Gemeindegesang, Musik und Lieder „ausgesprochen wichtig dafür, dass aus Martin Luthers Thesenanschlag eine Reformation wurde“. Gerade auch durch Klänge sei das Evangelium neu verkündigt und verbreitet worden. Jung: „Es hat so auf eine ganz besondere Weise nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen der Menschen erreicht.“

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt den üblichen Kirchenspagat: viel längst in die Jahre gekommener Sakro-Pop, haufenweise nichtssagende modern-ambitionierte Neukompositionen, wenige evangelikale Hits (Peter Strauch, Jürgen Werth), daneben noch ein paar Alibi-Songs aus der säkularen Musikszene oder aus der Gospel-Ecke (die eher davon zeugen, was man in deutschen Kirchenkreisen für Gospel hält). Was nahezu völlig fehlt, ist Worship von Hillsong, Bethel, Outbreakband und den vielen anderen Interpreten, die mittlerweile in der YouTube-Kultur mit überzeugender Selbstverständlichkeit angekommen sind. Das höchste der Gefühle, zu denen man sich gerade noch hat hinreißen lassen können, sind Albert Frey und Judy Bailey. EG plus ist weder Fisch noch Fleisch. Schade – schon wieder eine vergebene Chance.

  2. „You’ll never walk alone“ ist keine allgemeine Fußballhymne. Das ist aber nicht so wichtig. Jeder Dortmunder kennt dieses Lied.

    Vor etwas über einem Jahr, hatten zwei Fußballfans im Stadion einen Herzinfarkt. Einer ist auch dort verstorben. Das sprach sich schnell herum und die Fans haben ein Lied gesungen. Es war: „You’ll never walk alone“ Das muss ein beeindruckendes Szenario gewesen sein und die Empathie ging Verein übergreifend durch die deutsche Fußballfanlandschaft. Für jemand, der vom Fußball nicht berührt ist, mag es langweilig sein.

    In diesem Nachbarverein von Dortmund ist im Stadion sogar eine Kirche. Des Weiteren hat der Verein auch einen eigenen Friedhof. Der BVB war ursprünglich ein kirchlicher Spielverein. Vielleicht ist es mit den Liedern nicht getan, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Kirchen es verlernt haben, beim Menschen mitten im Geschehen zu sein. Es reicht nicht, wenn so ein Lied ins Gesangbuch der Kirche kommt. Die Kirche sollte mitten im Geschehen sein, wenn die Menschen diese Lieder genießen.

    Hier der Link, als das Lied im Stadion gesungen wurde, um den Verstorbenen zu würdigen:

    https://www.youtube.com/watch?v=eawzn3t-Ltw

    PS Einen Kantor könnten die Fans auf jeden Fall gebrauchen. Lol

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