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Ein Konflikt in einer Grenzregion überschattet das Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudans.

 Am Montag, dem zweiten Tag der Volksabstimmung wurde bekannt, dass mindestens 23 Menschen in einem Streit um eine Wasserstelle bei Abiyei getötet worden waren. Die Sudan-Expertin Martina Peter äußerte sich in einem epd-Gespräch in Khartum besorgt über die Lage im Nordsudan.

 In Abiyei kam es laut dem britischen Sender BBC zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen arabischen Nomaden und Mitgliedern der südsudanesischen Volksgruppe der Dinka. Das ölreiche Gebiet ist zwischen Nord- und Südsudan umstritten. Seine Zugehörigkeit soll in einer eigenen Abstimmung geklärt werden. Dinka-Vertreter werfen der islamisch-arabisch dominierten sudanesischen Zentralregierung vor, die Nomaden mit Waffen auszustatten, um den Konflikt zu schüren.

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 Die Sudan-Expertin Marina Peter vom Evangelischen Entwicklungsdienst bezeichnet die Lage im Nordsudan als angespannt. «Ich mache mir mehr Sorgen um die Situation im Norden als im Süden,» sagte die Koordinatorin des Ökumenischen Forums Sudan in Europa am Montag.

 Peter gehört einem Wahlbeobachterteam afrikanischer Kirchen an und ist zurzeit in Khartum, wo Südsudanesen ebenfalls an dem Referendum teilnehmen können. Nur etwa zehn Prozent der rund 613.000 im Norden registrierten Südsudanesen hätten am Sonntag abgestimmt. Aus Angst vor Verfolgung hielten sich die Südsudanesen im Norden bedeckt, sagte Peter.

 Der sudanesische Kirchenrat befürchtet weitere Einschränkungen der Religionsfreiheit im Nordsudan. Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Baschir hatte mehrfach betont, dass bei einer Unabhängigkeit des Südsudans «das Gesetz der Scharia die Quelle unserer Verfassung sein wird und Arabisch die einzige Amtssprache».

 Auch am zweiten Tag der Volksabstimmung, die voraussichtlich bis Samstag dauern wird, gab es lange Schlangen vor den Wahllokalen. Ingesamt sind 3,9 Millionen Südsudanesen als stimmberechtigt registriert. Es wird ein deutliches Votum für einen eigenen Staat erwartet.

 Der frühere UN-Sonderbeauftragte für den Sudan und FDP-Politiker Gerhart Baum mahnte weitere internationale Unterstützung an. Hilfe, aber auch politischer Druck seien nach der zu erwartenden Teilung des Sudans notwendig, sagte der frühere Bundesinnenminister im Deutschlandfunk. Bei aller Euphorie und Zukunftshoffnung seien viele Probleme ungelöst.

 Im Norden des Sudans sieht Baum ein «großes Unruhepotenzial», etwa in der Krisenregion Darfur: «Das ist die offene Menschenrechtswunde des Sudans.» Der sudanesische Präsident Al-Baschir ist wegen Völkermords vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt und deshalb international isoliert.

 Das Referendum im Südsudan ist Bestandteil des Friedensabkommens von 2005, das einen 22-jährigen Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan beendet hatte. Der Norden des Sudans ist islamisch-arabisch dominiert. Im Süden leben vorwiegend Christen und Anhänger afrikanischer Religionen. Präsident Al-Baschir hatte versichert, er werde das Ergebnis des Referendums anerkennen.

 Durch das Friedensabkommen erhielt der Süden bereits eine Teilautonomie. Zu den ungelösten Fragen gehört die Aufteilung der Einnahmen aus der Erdölförderung. Die Ölfelder liegen vor allem im Süden, die Häfen im Norden. Kommt es zu einer Spaltung, würde der Sudan acht Millionen Menschen, ein Fünftel seiner Einwohner, und ein Viertel seiner Fläche verlieren. Als Termin für die Unabhängigkeit des Südsudans ist der 9. Juli vorgesehen.

(Quelle: epd)