Mit einer neuen Publikation wollen die Historiker Mirko Gutjahr und Benjamin Hasselhorn Zweifel an Luthers Thesenanschlag ausräumen. Der Thesenanschlag an die Tür der Wittenberger Schlosskirche habe sich tatsächlich ereignet, sagte Hasselhorn im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Wittenberg.

Demnach schlug Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit dort an. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte. Am Mittwoch soll das Buch in Wittenberg vorgestellt werden. Gutjahr und Hasselhorn sind Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

epd: Was war Ihre Motivation, jetzt, ein Jahr nach dem 500. Reformationsjubiläum diese Publikation zum Thesenanschlag herauszubringen?

Hasselhorn: Die Veröffentlichung ist auch eine Reaktion auf 2017. Wir waren in diesem Jahr sehr überrascht, dass es in der Öffentlichkeit so viele Zweifel an Luthers Thesenanschlag gab. In den Medien hieß es im Zusammenhang mit dem Thesenanschlag auch meist ’soll stattgefunden haben‘ oder ‚der Überlieferung nach‘, was den Faktengehalt infrage stellt. Zudem wurde in der Wissenschaft auch Kritik am Thesenanschlag als Symbol und damit am Mythos laut. Dabei ging es um die Verwendung des Hammers als Symbol, das beispielsweise für die Nationalen Sonderausstellungen genutzt wurde.

Was ist das Besondere oder Neue an Ihrer Publikation?

Wir haben alle relevanten Quellen zusammengetragen und auch die Gründe, warum das Ereignis angezweifelt wurde, auseinandergenommen. Wir bieten dabei auch einige neue Argumente und Interpretationen. Das Buch ist ein Plädoyer dafür, den Thesenanschlag ernst zu nehmen. Es richtet sich an ein Publikum, dass sich für Luther interessiert – für den Mythos und die Wirklichkeit.

Ihr Fazit ist nun: Der Thesenanschlag habe tatsächlich genau so stattgefunden. Daran haben Sie keine Zweifel?

Nach unserer Einschätzung sind keine ernsthaften Zweifel am Thesenanschlag möglich. Wir können das natürlich – wie immer in der Geschichtswissenschaft – nicht mit absoluter, aber doch mit relativer Sicherheit sagen. Die Indizien dafür sind überwältigend und überzeugend. Es gibt eine Notiz von Luthers Privatsekretär Georg Rörer als früheste Quelle über die Geschehnisse des 31. Oktober 1517 und auch Luthers Freund und Mitstreiter Philipp Melanchthon (1497-1560) bezeugte den Thesenanschlag. Eine Prüfung dieser und aller anderen relevanten Quellen ergibt: Melanchthon hatte Recht. Zudem spricht wenig dafür, dass Luther mit Leim und Pinsel vorgegangen ist, wie das im vergangenen Jahr immer wieder ins Gespräch gebracht wurde, sondern vielmehr wirklich mit einem Hammer.

Die Fragen stellte Romy Richter (epd).

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