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Gibt es in Deutschland einen mit den USA vergleichbaren „Bible Belt“? Zum Beispiel in Würrtemberg und dem südlichen Sachsen? Ein Web-Talk der Friedrich-Naumann-Stiftung lieferte dazu unterschiedliche Meinungen, wie das Medienmagazin pro berichtet.

Die Religionswissenschaftlerin Katharina Neef konstatierte laut pro, dass es einzelne Regionen mit „höherer Religiosität“ gebe. Aber im Unterschied zu den USA zielten Evangelikale zum Beispiel im Erzgebirge in erster Linie auf Einflussnahme auf innerkirchliche Entscheidungen, weniger auf politische.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack verwies auf die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Online-Befragung. Evangelikale neigten demzufolge zu einem „exklusiven Glaubensverständnis“ und vertrauten weniger Regierung und Institutionen. Sie seien israel- und judenfreundlich, würden sich überdurchschnittlich für familiäre Belange einsetzen und ebenfalls überdurchschnittlich AfD wählen.

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Der frühere Bundestagsabgeordnete Stefan Ruppert (FDP) stellte laut pro eine „Professionalisierung der politischen Interessenvertretung evangelikaler Kreise“ fest. Während es den beiden großen Kirchen eher um strukturelle Einflussnahme gehe, setzten Vertreter evangelikaler Kreise auf Beziehungsarbeit.

Link: Uneinigkeit über deutschen „Bible Belt“ (pro)

11 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Wer sich für die USA und deren politischer Entwicklung interessiert, sollte

    “American Nations“ von Colin Woodward lesen.

    Darin wird u.a. deutlich, was es mit dem Bible Belt auf sich hat, und warum so viele Evangelilale in den Südstaaten Trump verehren. Obwohl das Buch 2012 erschienen ist, ist es hoch aktuell.

    Besonders die Evangelikalen der Südstaaten können nicht mit Europäern verglichen werden. Die Gesinnungen sind dafür zu weit auseinander.

  2. Am meisten sollte es uns darum gehen, dass das KOnfessions-und Dogma-Gewürge überall aufhört. Stattdessen nur noch eines zählt: Wer CHRISTUS von Herzen vertraut gehört zum LEIB des CHRISTUS, wer nicht, gehört nicht dazu. Alle anderen Kritierien sind spaltend und abgrund falsch und haben mit CHRISTUS nichts wirklich zu tun … !!!

    • Die Frage ist doch aber was qualifiziert dann hier im Einzelfall? Der Glaube? Jetzt hab ich grade einen schwachen Glauben, bin ich dann keiner mehr und kann nix dagegen tun?

      Dann lieber bei handfesten Sakramenten bleiben. Grüße

      • Das klingt ja erst mal ganz vernünftig. Doch das verleitet nur allzu oft zu der falschen Annahme, dass die Einhaltung bestimmter Riten mir einen festen Platz im Himmel sichert. Ich kann regelmäßig zur Kirche gehen, getauft, getraut usw sein und mich an all das halten, was mir meine christliche Gemeinschaft als „Sakramente“ vorgibt (die rk. Kirche hat ein paar mehr als die meisten anderen). Dennoch kann ich verloren gehen.

        Es ist allein die Gnade Christi, die mich rettet (vgl. z.B. Apg 15, Eph 2). Um diese zu erhalten benötigt es meine einfache Bitte an Ihn. Und da kommt der Glaube ins Spiel: Glaube heißt nicht, dass ich nicht weiß, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege. Glaube bedeutet Vertrauen – auch darauf, dass Gott Seine Zusage selbst dann hält, wenn mein Glaube einmal schwach sein sollte.

        Sakramente waren ursprünglich als Wegweiser gedacht. Als Menschen gemachte Markierung auf dem Weg mit Gott. Doch sie sind nicht heilsnotwendig. Wer sein Leben Jesus übergibt ist gerettet, auch wenn er ein noch so schlechter Mensch war und im Moment der Lebensübergabe stirbt. Wer alleine auf die Sakramente baut kann in seinem Leben alles „richtig“ machen, fällt aber immer noch unter das Gericht.

  3. Es geht um wahre Frömmigkeit

    Es geht um wahre Frömmigkeit – zumindest wenn ich meinen Glauben und vor allem Gott selbst ernst nehme. Allerdings ist es so, dass die Freundinnen und Freunde von Jesus Christus – weltweit – bildlich gesehen wie ein bunter Blumengarten sind. Neben den beiden großen gibt es die weniger großen Kirchen, eine hohe Zahl an Freikirchen und die zahlreichen christlichen Gemeinschaften. Die Unterschiede in ihren Frömmigkeitsformen und auch die verschiedenen theologischen Auffassungen können nicht alle gleichzeitig (in einem perfektionistischen Sinne) richtig sein. Jedenfalls geht es dabei nicht darum, dass wir als die Nachfolger und Nachfolgerinnen von Jesus Christus eine bestimmte Ansicht über Gott und die Welt sowie den Sinn den Lebens verabsolutieren dürfen. Eine alte Lehrerin sagte einmal zu mir „es gibt so viele Gottesbilder in den Köpfen von Leuten, wie es auf Erden Christen gibt“. Selbst wenn wir Texte der Bibel nicht auslegen, so versteht doch jeder einen bestimmten Bibelvers oder eine Begebenheit aus der Bibel so, wie sich seine Vorstellungen damit verbinden können. Anders ausgedrückt: Auch das, was Gott mir sagen will, sagt er mir dadurch, dass ich die Verkündigung der Frohen Botschaft, über-liefert oft mehrere tausend Jahre, mit meinem Leben in Beziehung setzen kann (und soll). Gott selbst ist immer absolute Wahrheit, genauso wie er grenzenlose Liebe und große Barmherzigkeit verkörpert. So wie er das unendliche Universum schuf, die ganze Schöpfung die Materialisierung seiner Gedanken ist, sind wir Teil von etwas ganz Großen. Wir sind Geist von Gottes Geist, seine Kinder und wir können Gott in uns wohnen lassen, oder auch nicht. Wahre Frömmigkeit darf man nur daran messen, ob ein Mensch sich mit großen Vertrauen auf den Schöpfer aller Dinge einlässt.

    Glaubenserfahrung geschieht in einer persönlichen Beziehung zu Gott als einem Gegenüber und (wesensgleich) mit Jesus Christus als Gottes offenbarte Liebe. Manche Menschen vollziehen einen existenziellen Akt, in dem sie sich – man nennt das Bekehrung – Gott spontan in die Arme werfen. Andere Gläubige erleben das Christwerden als einen fortschreitenden Prozess. Jeden Tag aus der Vergebung zu leben, könnte und müsste auch dazu gehören. Oder zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen. Dies alles darf man zusammenfassen mit: Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Christinnen und Christen sollten, sofern sie einen eigenen Standpunkt präzise vertreten, hinsichtlich den Überzeugungen anderer Geschwister tolerant sein. Es geht um Gott, um Nachfolge, um das was uns unbedingt angeht und was unsere Hoffnung ist. Allerdings muss ich dazu kein Evangelikaler sein, aber ich sollte bereit sein mit jeder und jedem zu beten. Dass wir uns als Christen in verschiedene Schubladen einordnen, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn bei Glaube, Hoffnung und Liebe ist die Liebe immer das wichtigste. Gott ist Liebe und er liebt alle Menschen, weil Jesus für alle gestorben und auferstanden ist. Da bin ich eher bei der Auffassung von Rolf Dieter Mucke. Unsere schlimmsten christlichen Defizite sind daher unsere Spaltungen und dass wir teilweise auch nicht miteinander Abendmahl feiern wollen/dürfen.

    • „Selbst wenn wir Texte der Bibel nicht auslegen“

      Einen Text _nicht_ auslegen kan nur bedeuten zu sagen: Ich weiß nicht, was der Text sagen soll. Auch eine wörtliche Auslegung ist eine Auslegung.

      • Lieber Helmut-wk

        mir erschließt sich dieses Argument nicht. Wenn ich die Schöpfungsgeschichte nicht auslege, dann glaube ich ja dass die Welt an 6 Tagen geschaffen wurde, Adam und Eva die ersten Menschen waren und trotzdem nach dem Rauswurf aus dem Paradies auf andere Menschen getroffen sind. Das macht aber keinen Sinn, weil wir dann unser und jedes wissenschaftliche Weltbild in den Müll kippen müssen. Aber das kann ja auch Gott mit der Bibel nicht beabsichtigt haben, denn sonst hätte er uns nicht die Fähigkeit gegeben, etwas von seiner Schöpfung zu begreifen. Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen und besteht u. a. aus den Glaubenserfah-rungen der Menschen vor uns. Insofern müsste richtig sein: Gotteswort ist immer Gotteswort durch Menschenwort. Leider haben aber Fundamentalisten ein exclusives Verständnis von christlichem Glauben und somit mindestens teilweise auch die Evangelikalen. Vor diesem Hintergrund muss man auch Bible Belt verstehen und es erschließt sich eher, warum amerikanische Gläubige völlig kritiklos Donald Trump fast als neuen Messias verehren. Dass aber die Bergpredigt auch zu Gottes Wort gehört – und auch noch ziemlich zeitlos ist -. wird dabei vergessen. Die radikale und holzschnitzartige Sicht der Wirklichkeit sehr konservativer Christen schließt mit ein, dass die Welt und damit auch alle Regierungen eher vom Teufel regiert wird. Das passt aber überhaupt nicht damit zusammen, dass wir als Christen ein Licht der Welt sein sollen.
        Diese Forderung – und Überzeugung der Urchristenheit – schließt dann mit ein, dass die Welt und die Menschen besser werden können. Etwa auch, wenn sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen. Die Gräben zwischen uns Christen weltweit müssen daher weniger werden. Dazu darf und sollte man seinen Glauben auch mehr geistlich verstehen. Gott ist weder liberal noch evangelikal. Und wir alle sind irrtumsfähig und sollten daher tolerant sein.

      • Hallo Markus,

        wenn ich meinen Beitrag mit der Überschrift versehe, es gehe (mir) um wahre Frömmigkeit, dann meine ich damit, dass man solche Glaubenspraxis auch haben kann, wenn man nicht evangelikal ist. Zudem bin ich ja gegen Schubladendenken – es muss daher eine Bandbreite geben für das was wir als christlich betrachten. Dass die Evangelikalen, insbesondere diese Frömmigkeitsform in USA, verstärkt politische Einflussnahme ausüben bzw. sich als moralische Instanz betrachten, hängt wohl durchaus mit dem Hang zusammen, biblische Texte nicht auszulegen und teilweise als wörtlich wahr zu halten (Verbalinspiration). Das kann dann wieder zu Moralismus führen. Nun sind ja Evangelikale nicht immer Fundamentalisten, aber eine Nähe gibt es bisweilen schon. Bei all dem denken ich auch an Gender, Gleichberechtigung der Geschlechter usw. Nehme ich die Geschichte von Adam und Eva wörtlich und ist dann Eva aus der Rippe des Adam – und die Frau muss dem Mann untertan sein – ergeben sich traditionelle konservative Familienbilder. Nun will ich ja nicht, dass wir uns gegenseitig unsere unterschiedlichen Positionen moralisierend vorhalten, ich will sie ja gerade mit einem mehr geistlichen Verständnis relativieren. Eine solche Haltung ist meine grundsätzliche Überzeugung. Zuviel um die Ecke gedacht ?? Wir alle sind ja Adam und Eva und nach überwiegender Überzeugung ist die Schöpfungsgeschichte ja keine wissenschaftliche Behauptung, sondern eher ein altertümliches Glaubensbekenntnis.

        • Entschuldige Bernd, ich habe deine zu lange Antwort nicht durchgelesen, da der Anfang schon zeigt, dass Du meine Frage nicht beantwortest.
          Ihr Kommentar hat leider mit dem Artikel nichts zu tun, denn darin geht es um die Frage, ob es in Deutschland einen wie auch immer gearteten “Bible Belt“ gibt.

          • Hallo Markus,

            ich denke, es gibt ihn auch bei uns, auch wenn es keinen ausgesprochenen Gürtel gibt und schon gar nicht in besonderen Gegenden. Aber es ist die etwas mildere Art zu denken und zu glauben wie sehr konservative amerikanische Christen. Aber wie sie denken und eigentlich den Sinn biblischer Texte – als Überlieferung von Glaubenserfahrungen – ad absurdum stellen – habe ich ja oben beschrieben. Aber ich werde versuchen mich zukünftig kürzer zu fassen.

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