Protestantische Christen und weiße Evangelikale sind US-Präsident Donald Trump offenbar treu geblieben. Laut einer Nachwahlumfrage des Instituts „Edison Research“ haben 76 Prozent der weißen Evangelikalen für Trump gestimmt, 23 Prozent für seinen Herausforderer Joe Biden.

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Weiße Evangelikale stellten den Angaben zufolge 27 Prozent der Wählerinnen und Wähler. 2016 hatten sich rund 80 Prozent der weißen evangelikalen Wähler für Trump ausgesprochen.

„Sie hoffen darauf, dass durch Urteile des Supreme Court die amerikanische Gesellschaft auf den ‚rechten Weg‘ zurückgeführt wird, sagte USA-Experte Markus Kaim gegenüber der Tagesschau. Trump liefere das, was diese Gruppe immer wollte: Die Mehrheit am Obersten Gericht und damit möglicherweise die Änderung des Abtreibungsrechts von 1973. Dies sei eine „Kosten-Nutzen-Abwägung“. „Vielen jüngeren Evangelikalen ist das mittlerweile unangenehm und sie distanzieren sich davon.“

Schwarze und Latinos favorisieren Biden

62 Prozent der Katholiken und 68 Prozent der Wähler in der Kategorie „protestantisch, sonstige Christen“ wählten laut dem Edison-Institut Trump. Wähler „ohne Religion“ entschieden sich danach zu 36 Prozent für Trump und zu 58 Prozent für Biden.

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Trump hat der Umfrage zufolge die Mehrheit der weißen Stimmen bekommen (57 Prozent). Schwarze stimmten danach zu 87 Prozent für Biden und Latinos zu 66 Prozent. Wohlhabende stimmten eher für Trump als für Biden, hieß es weiter. Verheiratete Wähler stimmten zu 54 Prozent für Trump und zu 44 Prozent für Biden.

12 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Das war doch nicht anders zu erwarten.
    Erstens wird in Amerika alles links von der Mitte als „Sozialistisch“ verteufelt – und damit verbindet der fromme amerikanische Christ die Zeit in Russland nach 1918.
    Zweitens suchen Menschen (also auch Christen) gerne einen „starken Arm“, der sie vor allem Bösen schützt. Für uns Christen könnte das eigentlich Jesus sein, aber die Regierung steht uns halt doch näher und ist konkreter.
    Drittens haben in fast allen zivilisierten Ländern die Christen gewisse politische Vorrechte und wirtschaftliche Vorteile – und mit Sozialisten in der Regierung scheint das für manche eher ungewiss.
    Natürlich gibt es auch in Amerika viele engagierte Christen, die sich um Benachteiligte kümmern.
    Aber gerade in Amerika ist das sogenannte „Wohlstandschristentum“, bei dem derjenige gesegnet ist, der sichtbar viel hat, besonders verbreitet. Und in einer gut behüteten Nische der Sicherheit und des Wohlstands fällt Christsein um einige leichter. Das war jetzt Punkt vier.
    Fünftens freuen sich (nicht nur) Christen, wenn sie etwas hofiert werden, und wenn der „starke Mann“ einer von ihnen ist. Und mit solch spektakulären Gesten konnte Häuptling Gelblocke schon immer auftrumpfen.
    Und wenn sechstens Christen hoffen (jetzt werde ich fies und gemein), dass die Gesellschaft durch korrupte und verlogene Politiker auf den „rechten Weg“ zurück geführt wird, dann haben sie offenbar ganz vergessen, dass schon Jesus sagte, sein Reich sei NICHT VON DIESSER WELT.

    • Warum giesst er überall Öl ins Feuer ?

      Populismus ist ein schwarzes Loch der Vereinfachung. Wenn es so etwas wie Trumpismus geben wird oder gibt, dann kann es nur weiss oder schwarz geben, gut oder böse: Die Republikaner sind die Guten und die Demokraten in den USA die Bösen. Da die politische Spannbreite der Demokratikschen Partei nach unseren Maßstäben vergleichbar von der Linkspartei, linken Sozialdemokraten, dem Seeheimer Kreis bis zu konservativen CDU-Kreisen reicht, wird sie doch in der Sprache von
      Donald Trump als linksradikal bzw. kommunistisch und marxistisch bezeichnet. Diese leider fast schon an Demagogie grenzende Rethorik trifft auf Zukurzgekommene, die gerne allen Versprechungen glauben wollen. Fachleute betonen in diesem Zusammenhang, dass viele Menschen in Amerika eine andere Sichtweise auf die Politik haben, an Differenzierung
      wenig Interesse haben und teilweise auch naiv und unpolitisch empfinden. Dann muss man berücksichtigen, dass die beiden einzigen Parlamentsparteien traditionell verfeindet sind, Koalitionen und damit politische Kompromisse daher gewöhnlich kein Mittel der Politik sind. Bildlich ist es so zwischen den Republikanern und den Demokraten, dass sie jeweils völlig unterschiedliche Sichtweisen vertreten, die zugleich absolute Wahrheiten sein sollen. Die Exekutive, Legislative und die Jurespondenz sind in einem Rechtsstaat unabhängig voneinander.Die richterliche Gewalt darf auch nicht dazu missbraucht werden, die Gültigkeit einer Wahl durch Einflussnahme des Präsidenten zu verhindern. Theoretisch ist dies relevant. Denn warum hat es Donald Trump betrieben, von den unteren Gerichten bis zum Obersten Gericht möglichst viele republikanische Richter/innen einzusetzen. Und schon Wochen vor der Wahl behauptet, die Briefwahl würde von den Demokraten gefälscht ?

      Es gehört zur Wahrheit, dass der Präsident der größten Industriemacht der Welt über intellektuelle Fähigkeit und Wissen verfügen sollte, sich einer angemessenen Sprache bedient, sich an Recht und Gesetz halten muss und nach Möglichkeit kein Egomane sein dürfte. Ein Staatsmann, der das Zentrum des Universums zu glauben scheint, welches sich nur um ihn dreht, ist leider ungeeignet an der Spitze einer Firma, Bank oder eines Landes zu stehen. Als Herr über die roten Knöpfe für die Atomraketen ist er dann eine Gefahr für unsere Erde, weil alleine der Irrtum oder eine Panne diesbezüglich ausreichen kann. Ich betreibe keine Polemik, sondern beziehe mich auf Trumps eigene Aussagen, dass es alternative Wahrheiten gibt. So räumt er ein, die Coronapandemie verharmlost zu haben, um eine Panik zu verhindert – um dann kurz danach die Situation wieder zu schönen. Es muss (nicht nur, aber auch) mit einem Staat etwas nicht stimmen, wenn er dann aus fast allen internationalen Verträgen aussteigt, den Klimawandel als Erfindung der Chinesen abtut und seine Regierung ihre Macht an den politischen Institutionen vorbei auslebt. Wir sollten für die USA beten, dass entweder aus einem Trump als politischer Saulus ein Paulus wird. Oder dass der Himmel einen anderen Präsidenten beflügelt, die amerikanische Gesellschaft wieder zu versöhnen. Aber ich glaube eher, dass wir alle, egal wo wir wohnen, die Politiker bekommen die wir gewählt haben. Das ist leider unser freier Wille und es sind die Konsequenzen, mit denenauch jeder leben muss. Immerhin beinhaltet Demokratie den Königsweg, dass jede Regierung auch wieder abgewählt werden kann. Der Staat hat ebenso den Bürgern zu dienen.

      Ein/e Christ/in glaubt, dass man versöhnen sollte, statt Öl ins Feuer zu gießen und auch keine Spaltungen betreiben darf.
      Er ist auch ein Mensch der sich bemüht, zuerst den Balken aus dem eigenen Augen zu ziehen und nicht alles Böse und Destruktive beim politischen Gegner sucht. Leider ist die Rolle der Evangelikalen – wohlgemerkt nicht von allen – in Amerika einigermaßen skandalös. Sie sind eine politische Wählermacht, weil sie gegen die Abtreibungsgesetze sind und sich dem sehr konservativen Bürgertum zurechnen. Leider muss man, wie es der Wilhelm Busch des CVJM gerne formulierte, fragen:
      „Was hätte Jesus deazu gesagt“?? Vielleicht dass ein Engel fragt:“Donald, warum giesst du überall Öl ins Feuer, sodass die Familien den totalen Krieg sogar im trauten Heim austragen. Nur weil sie unterschiedliche Parteien wählen“??

  2. Das hat gute Tradition und war auch im sogenannten Dritten Reich z.B. so. Bsp: in Wilhelmsdorf bei Ravensburg favorisierten viele Einwohner die Nazi-Partei, während sich die Bevölkerung des katholischen Umlandes da merklich zurück hielt. Die bekennende Kirche mit ihren Leitfiguren Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller waren da Ausnahmen und versuchten diesem teuflischen Terror die Botschaft Jesu entgegen zu setzen.
    Viele „Evangelikale“ sind einfach parteipolitisch rechts. Der Donald ist ein korrupter, machthungriger Narzist.

  3. Ich laß letztens, dass viele evangelikale Christen überzeugt sind, dass Trump „Der Gesalbte“ sei.
    Wenn man davon ausgeht, dass Satan der Vater der Lüge ist, so könnte man sich die Frage stellen, wessen Gesalbter Trump ist.
    Als vermeintlicher Christ so jemanden zu wählen bringt mich echt zum Fremdschämen.

    • Das wesentliche, fast einzige Argument der amerikanischen evangelikalen Szene ist die Haltung zur Abtreibung. Trump verspricht eine Rücknahme von „Roe vs Wade“ https://de.wikipedia.org/wiki/Roe_v._Wade
      Vor diesem Hintergrund ist auch die jüngste Ernennung einer Supreme Court Richterin zu sehen. Er selbst hat seine Position zu dieser Frage über die Jahre gewandelt. Das folgende BBC Video fasst es gut zusammen: https://www.bbc.com/news/av/world-us-canada-35912638
      Seine Unsicherheit in dieser Frage ist sogar fast sympathisch. Wie auch immer Christ*innen zu dieser ethischen Frage stehen: es gibt weitere Leben-und-Tod Themen ind er Regierungsverantwortung, die nicht ignoriert werden dürfen.

  4. Hunderttausendfach mehr ungeborene und geborene Kinder starben oder werden sterben durch die Zerstörung der Lebensgrundlagen, die durch die momentane US-Politik verursacht wird. Dass Christen so ihre Augen verschließen befremdet mich. Vor nichtgläubigen Freunden fremdschäme ich mich, die einzige plausible ľErklärung für mich ist „es muss wohl ein anderer Jesus sein, dem sie folgen. Mein Jesus warnt vor dem Mammon, lehrt, nicht zu lügen und zu stehlen, den Fremdling mit Respekt zu begegnen und nicht die Lebensbedingungen anderer zu gefährden.

    • Liebe Regina,

      nach meinem Wissen und meiner Glaubenserfahrung ist „Gott der ganz andere“ – und immer größer als wir selbst. Niemand muss sich bemühen, Gott gnädig zu stimmen: Er ist es schon. Diese Erkenntnis versöhnt mich und ich sehe dann über meine, unsere und die Fehler der Konfessionen und Kirchen weg. Ich bin in erster Linie ein Christ, erst dann evangelisch und schon gar nicht nach dem Strickmuster (nicht aller) Evangelikalen, die in Trump einen Gesalbten Gottes sehen. Das ist ein Abgrund.

  5. Es ist mir unerklärlich, dass sich Christen in den USA für Donald Trump entscheiden können.
    Wobei so ersichtlich ist, dass er nur auf seine eigenen Interessen bedacht ist. Dass er polarisiert,
    bestehende Konflikte noch verschärft und dadurch Unruhen verursacht.
    Dazu noch, dass er sich nicht um die Umwelt schert. Und dass er die Auswirkungen von Corona
    verharmlost hat, von Anfang an.
    Ich hoffe es sehr, dass Jo Biden die Wahl nun gewinnt.

  6. Was soll ich jetzt mit dieser Studie anfangen? Noch eine Studie, noch etwas Polemik, noch etwas Spaltung
    Christ=schlimm
    Konservativ= schlimm
    Weiß= ganz schlimm
    Mann= noch schlimmer
    Gott Lob ist es Biden geworden ein Katholik, den man nur gewählt hat, um Trump abzuwählen, eigentlich sollte es Heilsbringer Sanders werden, der allerdings mit seiner jüdischen Herkunft recht wenig anfangen kann…
    Warum die jungen Wähler, vor allem Wählerinnen B. Sanders hinterherlaufen, der mit Religion nicht viel am Hut hat, wäre die Frage für die Zukunft. Gerade auch für Deutschland.

    Als junger männlicher, weißer, konservativer Lutheraner wäre ich wohl am Wahltag zu Hause geblieben.

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