Das Oberste Gericht des US-Bundesstaates Utah hat am Dienstag (Ortszeit) das Urteil gegen Warren Jeffs, Anführer einer berüchtigten Polygamistensekte, aufgehoben.

 Jeffs war 2007 wegen Beihilfe zur Vergewaltigung zu mindestens zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte laut Urteil ein 14-jähriges Mädchen zur Ehe mit einem Sektenmitglied gezwungen. Der 56-jährige Jeffs ist «Prophet» der «Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage», die die Vielehe propagiert.

 Das Oberste Gericht bemängelte, die richterlichen Anweisungen an die Geschworenen beim Prozess seien unvollständig gewesen. Der Richter hätte den Geschworenen sagen müssen, Jeffs sei nur dann schuldig, wenn er den Ehemann aufgefordert hätte, das Mädchen zu vergewaltigen.

 Utahs Justizminister Mark Shurtleff zeigte sich «sehr enttäuscht» von dem Berufungsurteil. Er sei unklar, wie man jetzt Kinder vor Polygamistensekten schützen könne.

 Die «Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage» ist eine Splittergruppe der Mormonen. Ihrer Lehre zufolge kommen nur Männer in den Himmel, die mehrere Ehefrauen haben. Frauen müssen sich vollkommen unterordnen.

 Jeffs bleibt nach Angaben von Justizminister Shurtleff weiter in Haft. In Utah kann ihm erneut der Prozess gemacht werden. Außerdem erwartet ihn im Bundesstaat Texas ein Haftbefehl. Die Anklage dort lautet auf Polygamie und schweren sexuellen Missbrauch. Jeffs soll in Texas eine Zwölfjährige «geheiratet» haben, berichtete die «Salt Lake Tribune.»

(Quelle: epd)