Der renommierte US-Verlag Zondervan wollte im September eine patriotische Bibel mit dem Titel „God Bless the USA“ veröffentlichen. Nach heftigen Protesten macht das Verlagshaus jetzt einen Rückzieher.

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Im September jährt sich zum 20. Mal der Anschlag auf das World Trade Center in New York. Aus diesem Anlass sollte eine vom Country- und Western-Sänger Lee Greenwood inspirierte Bibelausgabe erscheinen. Ihr Titel: „God Bless the USA“ (Deutsch: Gott segne die USA). geplant war, dass die Ausgabe neben biblischen Texten auch die US-Verfassung und andere Gründungsdokumente der Nation enthalten soll. Greenwood ist wegen seines Hitsongs „God bless the USA“ bekannt, der häufig bei Veranstaltungen der Konservativen gespielt wird.

Doch mehrere christliche Zondervan-Autoren hatten auf der Webseite religionunplugged.com gegen die patriotische Bibel protestiert. Christlicher Nationalismus sei wie ein „spiritueller Virus“ und würde antimuslimische Gefühle befeuern. Das Licht der Welt sei Christus und nicht Amerika.

Aus diesem Grund hat der Verlag aus Nashville/Tennessee jetzt einen Rückzieher gemacht. Man werde die Bibel mit dem Titel  nicht auf den Markt bringen und auch nicht verkaufen, erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Vom Tisch ist das Buchprojekt damit allerdings nicht. Einer der Initiatoren sagte der Zeitung „Tennessean“, er sei im Gespräch mit einem anderen Verleger.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Protest gegen Patrioten-Bibel in USA

    Ich bin auch ein Patriot für mein Land und eigentlich auch für Europa. Aber Patriotismus darf nicht unkritisch sein. Stolz darf jede/r von uns sein auf eine (relativ) gut funktionierende Demokratie, auf die Verankerung der unveräußerlichen Würde und anderer Menschenrechte als Ewigkeitsklausel in der Verfassung und die Garantie aller unserer Freiheiten, auch wenn wir ein wenig auf sie wegen der Pandemie verzichten mussten. Ich bin stolz auf die Religionsfreiheit und damit auch für mein und unser Recht, für die Sache Jesus Reklame zu machen. Mein kritischer Patriotismus besteht essentiell darin, dass die Liebe zur Heimat, zum eigenen Land und ggfls. für Europa nicht zur Götzenverehrung wird. In modernen Zeiten wird auch auf den Koppelschlössern unserer Freiwilligenarmee nicht mehr stehen „für Gott, Kaiser und Vaterland“ – nicht weil wir keinen Kaiser mehr haben, aber niemand im Namen Gottes Krieg führen darf (als Wehrdienstverweigerer toleriere ich aber das Recht auf Notwehr als Ultima Ratio.) Wir haben, trotz derzeit hoher Bereitschaft einer Regierungs- und Staatskritik, ein recht gut funktionierendes Staatswesen, aber wir sind weder die besten Menschen noch der idealste Staat der Welt und es wäre sehr arrogant zu behaupten, an unserem Wesen werde die Welt genesen. Allerdings sind wir auch keine Bananenrepublik.

    Christinnen und Christen sind Menschen, die in aller Regel glauben, dass sie dazu beitragen Licht der Welt und Salz der Erde zu sein. Sie sind daher vielfach in der Politik, Vereinen und Institutionen haupt- oder ehrenamtlich tätig, weil sie auch und vor allem glauben, dass sozial oder in anderer Weise für das Gemeinwesen aktiv zu sein, eine staats- und auch welterhaltende Angelegenheit ist. Jesus hat auf eine Suggestivfrage geantwortet, Gott zu geben was Gottes ist und dem Kaiser, was dem Kaiser gehört. Kirche/n stehen in einer kritischen Partnerschaft mit dem Staat. Gegenseitige konstruktive Kritik ist nicht nur denkbar, sondern gegebenenfalls notwendig. Es gibt keinen christlichen Staat und auch christliche Parteien können daher nur christliche Werte vertreten, aber nicht Christsein als Parteiprogramm (weil auch Menschen anderer Religion oder ohne Religion Staatsbürger sind). Eine patriotische Bibel kann und darf es nicht geben, denn die Bibel ist eine Bibliothek von unterschiedlicher Literatur in einem Buch, das nicht vom Himmel gefallen ist und im wesentlichen die Glaubens- und Gotteserfahrungen von Jahrtausenden weitererzählt. Jede und jeder könnte auch seine eigene Erfahrungen mit Gott aufschreiben, wie in einer privaten Bibel. Der Glaube ist mehr als ein Fürwahrhalten einer höheren Macht, sondern eine persönliche vertrauensvolle Beziehungen zu dem, der unendlich ist in Raum und Zeit, unserem Schöpfer. Der Staat besteht dagegen aus Menschen, die nicht unendlich vollkommen sind und einen Staat darf man nicht anbeten. Die Vermischung einer beispielsweise erzkonservativen Idiologie mit dem christlichen Glauben ist für jedwede (auch ggfls. positive) Idiologie genauso kontraproduktiv wie für den Glauben. Denn der Glaube an Gott ist ein großes Vertrauen in den Himmel. Ein großes überhöhtes Vertrauen in einen Staat sollte ich nicht haben, denn ich darf Politiker und damit Regierungen wieder abwählen. Der Staat besteht aus zum Irrtum fähigen Menschen und er vergibt in einer Demokratie Macht immer nur auf Zeit. Denn nur Despoten bleiben immer. Hitlers Aktivisten haben als gottlose Gesellen die Ev. Kirchengemeinderäte erobert, in dem sie sich zur Wahl stellten. Politiker*innen sind keine Propheten oder Sondergesandten des Himmels, auch nicht in Amerika. Moderne Antichristen sind in vielen Gemeinwesen der Welt aktiv, gerne in Kooperation mit gutgläubigen Christen. Die Patriotische Bibel ist ein Gewächs fundamentalistischer Christen, aber dies ist ein großes anderes und sehr ärgerliches Thema.

    • Hallo, die Bibel ist nicht einfach ein Buch von irgendwelchen Menschen mit irgendwelchen „Gotteserfahrungen“ innerhalt irgendwelcher, unbedeutender, nicht nachvollziehbarer Zeit.

      Gott hat die Bibelautoren ausgewählt.

      Nein, nicht jeder und jede kann so etwas wie die Bibel schreiben.

      Die Bibel ist Gottes Wort inspiriert durch den Heiligen Geist.

      Sie ist vollständig und gut, wie sie ist.

      Sie sind das beste Beispiel dafür, warum es heute ein starkes (konservatives) Gegengewicht gegen die linksliberale/progressive/marxistische christliche Masse braucht (die die göttliche wahrheit der Bibel verwässert/leugnet)

      Der Mensch ist – wie sie richtig erkennen – böse, egoistisch, selbstsüchtig.

      Wenn wir alle uns ubsere eigene Bibel schreiben, was konnt dan wohl heraus?

      Gender-Mainstreaming?

      • Bitte keine Klischees und christliches Schubladendenken

        Lieber Chris, leider vertrete ich die Auffassung, dass meine Einordnung in die linksliberale oder gar marxistische Masse der Bibelverfälscher, und damit der Verwässerer des Glaubens, ein völliger Unsinn ist. Zumal es eine solche Verschwörung nicht wirklich gibt, wenngleich aber unterschiedliche theologische Auffassungen. Aber auch als Nichttheologe ist mir bekannt, dass die ganz große Mehrheit der Theologen oder informierten Laien, bis hin in den evangelikalen Bereich formulieren: Gottes Wort ist immer Gottes Wort durch Menschenwort. Es waren auch Menschen die entschieden haben, welche Schriften in den Kanon der Bibel kamen und welche nicht. Die Bibel enthält das Zeugnis von Menschen aus über 3000 Jahren über Gottes Wirken und ihre Begegnung mit ihm. Die Bibel fiel nicht vom Himmel, sie wurden nicht von einem Engel fertig geschrieben übergeben (wie das Buch Mormon und) wie der Koran. Den Autoren wurde der Text auch nicht in die Feder diktiert. Aber Gott ist ihr geistiger Autor, so wie er auch alle Wirklichkeit umfasst und gestaltet, beispielsweise dass ich jetzt hier sitze und dies zu schreiben vermag. Was mich von Gott unterscheidet ist meine menschliche Fähigkeit, mich auch völlig irren zu können. Ebenso ein Pfarrer/Priester/Prediger ist bei seiner Ansprache nicht fehlerfrei. Er ist nicht Gott. Ich bin Gott in meinem Leben begegnet, habe Wunder erlebt, meine Bibel darf ausgelegt werden und sie sagt mir bisweilen, was Gott von mir will. Ebenso auch Losung und Lehrtext an jedem Tag. Aber meine Glaubenserfahrung, wenn es dann oft auch eine ganz individuelle Erfahrung ist, könnte ich aufschreiben und dann hätte ich meine eigene Bibel verfasst. Natürlich wählt Gott seine Leute aus, auch die großen Gestalten der Heiligen Schrift, oder unwichtige Leute wie mich als himmlisches Bodenpersonal und er spricht mit mir auch durch die Bibel. Ein wortwörtliches Verständnis der Bibel hilft nicht wirklich zu ihrem besseren Verständnis. Etwa deshalb, weil die Schöpfungsgeschichte eher ein antikes Glaubensbekenntnis bzw. ein Schöpfungshymnus ist – und sie steht in der Bibel, weil wir daraus wichtiges erfahren. Die Verbalinspiration kann aber dazu führen, dass wir an den Widersprüchen in der Bibel verzweifeln oder einfache Seelen unser Heiliges Buch eher als Märchensammlung missverstehen.

        Wenn wir uns weltweit als Christinnen und Christen wirklich verstehen wollen, als eine Einheit in der Vielfalt, müssen wir unbedingt darauf achten, durch Klischees nicht neue Gräben aufzureißen. Ich selbst würde mich als Bibelchrist und fromm bezeichnen, tolerant evangelikal und ich gebe auch Zeugnis von Gottes Wirken in meinem Leben. Aber ich werde nie ein Fundamentalist. Es darf jeder glauben, die Welt sei in 6 Tagen erschaffen worden. Aber ich muss dies nicht.

      • Schaut man in die Vergangenheit oder auch ins heute, ist es da nicht gerade diese konservative rechte Richtung, die den Inhalt der Bibel verwässert und teilweise ins Gegenteil verkehrt (hatt)?

        Wo sind denn die Konservativen Deines Schlages, die das Gleichnis vom Splitter und Balken leben, die andere Wange hinhalten. Die z.B. Lebenschutz nicht nur bei Ungeborenen sondern auch bei Flüchtlingen auf dem Mittelmeer sehen?

        Die erkennen, dass die Bibel kaum etwas zu Homosexualität, aber sehr viel zu Lieblosigkeit, Geiz und mangelndes Mitgefühl sagt und entsprechend ihren Schwerpunkt setzen?

        ich mag diese Selbsttäuschung dieser sog. Bibeltreuen echt nicht mehr lesen. Kaum eine andere Gruppe liest die Bibel so selektiv und verdreht so oft den eigentlichen Sinn.

        Es geht doch gar nicht um Bibeltreue, es geht doch nur um Recht haben.

        • Joerg, danke für deine Worte. Die Worte mancher Bibeltreuer – ich bin auch bibeltreu – bestehen oft aus Klischees. Außerdem sind Fundamentalisten scheinbar nicht wirklich fähig, Gott und Jesus Christus geistlich zu verstehen. Ich bin zwar kein Theologe, aber ich meine, dass selbst ein Mythos eigentlich nur der Versuch ist, hiermit etwas auszudrücken was auf anderen Weise nicht beschreibbar ist. Aber wenn man die ganze Bibel wörtlich verstehen müsste hätte man bald das Problem, dass dann manches gewaltig mit unseren Naturgesetzen oder unserem heutigen Wissen kollidiert. Dann wird die Bibel für die angeblich Klugen zum Märchenbuch. Natürlich kann man glauben oder nicht glauben dass Petrus über das Wasser ging. Aber ist das wichtig ? Hier geht es vor allem um Vertrauen. Und was hätten wir vom Brotwunder, wenn es (nur) ein Zauberwunder wäre, wobei doch die Geschichte, dass die Menschen alle Lebensmittel teilten, doch ein noch viel größeres Wunder ist. Die patriotische Bibel zum Wort Gottes mit USA-politischem Anhang zu machen, ist aberwitzig. Da kämen irgendwann andere, die im Anhang Reklame für andere Idiologien machen. Oder für eine Sterbeversicherung. Eine grässliche Vorstellung.

  2. Mit „God bless America“ als „Titel“ hätte ich kein Problem.

    Aber die Verfassung im Anhang? Was hat die mit der Bibel zu tun?

    Klar, irgendwie ist die auch (mehr oder weniger) auf christlichen Werten gegründet. Einige von den humanistischen Verfassunsgvätern vergessene Werte (z.B. Religionsfreiheit) sind ja von christlichen Aktivisten als „amendment“ in die Verfassung gekommen. Aber reicht das, um in den Anhang einer Bibel zu kommen???

    Für unser Grundgesetz kann man Ähnliches sagen, auch das fußt auf (mehr oder weniger) christlichen Werten – auch wenn die Geschichte dieser Verfassung natürlich ganz anders ist. Und ich will auch keine Bibel mit dem Grundgesetz im Anhang (zum Glück ist niemand in Sicht, der so was plant).

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