„Vater unser im Himmel“ – mit diesen Worten beginnt das Gebet, das Christen rund um den Globus verbindet. 2,5 Milliarden Menschen sprechen das Vaterunser als Zeichen ihrer Verbundenheit mit Gott. Das Gebet stammt aus der Bibel und ist von Jesus selbst überliefert.

Vater unser – ein Gebet mit Geschichte

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Wenn Jesus betete, hatte das Macht. Ein kurzes Gebet heilte Kranke, erweckte Tote, befreite Besessene und –ganz wichtig – vermehrte Essen! Aus der Verbindung zu seinem Vater gewann Jesus die Energie für seinen Alltag, aber auch die Kraft, in einen qualvollen Tod zu gehen. Wie hat er das gemacht?

Wie hat Jesus gebetet?

In Lukas 11 haben die Jünger genau diese Frage: „Lehre uns zu beten“, bitten sie. Lehre uns, mit dem Vater in Verbindung zu treten, so wie du es tust. Das Gebet, das Jesus lehrte, wurde bekannt als das Vaterunser. Es wird seit inzwischen zwei Jahrtausenden von Christen überall auf der Welt gebetet. In Deutschland können mehr Menschen das Vaterunser auswendig, als den Text der Nationalhymne. Vor allem aber gibt uns Jesus mit diesem Gebet einen Wegweiser, wie Gebet aussehen kann.

Das Vaterunser – bekannt, aber selten verinnerlicht

Obwohl es in unseren Breiten jeder und jede aus dem Religionsunterricht oder der Kirche kennt, bleiben die Worte bei vielen unpersönlich und distanziert. Was beten Christen da eigentlich? Und was kann es mir persönlich bedeuten?

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Das Vaterunser
([Text] mit Erklärungen)

[Vater unser im Himmel]

Im Gebet spreche ich mit meinem Vater, bei ihm darf ich ehrlich und offen reden. Es soll ein vertrautes Gespräch sein, voller Nähe. Aber das muss ich auch zulassen.

[Geheiligt werde dein Name.]

Trotz dieser Nähe redet Jesus nicht gleich über sich. Er richtet den Blick zuerst auf Gott und dessen Ziele für unser Leben: dass sein Name geehrt wird, sein Reich in diese Welt kommt und sein Wille geschieht.

Was heißt es, Gottes Namen zu heiligen? Luther beschreibt das so: „Wir bitten in diesem Gebet, dass Gottes Name auch bei uns heilig werde.“ Was uns heilig ist, bedeutet uns mehr, als alles andere in unserem Leben. Seinen Namen zu heiligen heißt, Gott an erste Stelle zu setzen.

[Dein Reich komme.]

Gottes Reich, das ist eine Welt, in der alles gut sein wird, weil er regiert und damit auch die Liebe. Diese Welt ist noch nicht Realität für uns, das wird sie erst am Ende aller Zeiten sein. Aber Gott hat uns Christen die Macht gegeben, kleine Stücke dieser Welt schon jetzt in unserem Umfeld aufzubauen. Durch Taten der Liebe. Wenn wir diese Worte sprechen, dann beten wir also, dass die Liebe in unserer Welt zunimmt. Ein schöner Gedanke.

[Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.]

Umso schwieriger sind die folgenden Worte: Dein Wille geschehe. Diese Worte hat auch Jesus kurz vor seiner Festnahme gebetet (Markus 14,36). Setzen wir Gottes Willen über unseren Willen? Nur daraus wächst Nachfolge.

[Unser tägliches Brot gib uns heute.]

Mein tägliches Brot betrifft nicht nur mein Essen. Hier geht es um die alltäglichen Sorgen, die mich umtreiben. Meine Leistungen, Menschen in meinem Leben, Ängste, Annahmekämpfe, Grenzen. Um all das, was meine Gedanken füllt.

[Und vergib uns unsere Schuld,]

Wo bin ich heute schuldig geworden? Klingt komisch. Aber ich glaube, es ist eine wichtige Frage. Sie lässt uns nicht vergessen, wer wir sind. Sünder, die Gott von ihrer Schuld befreit.

[wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.]

Und gerade weil wir von dem befreit werden, was wir getan haben, ist es unsere Aufgabe, anderen das zu vergeben, was sie uns angetan haben. Nur dadurch können Verletzungen wieder zuwachsen. Bei uns und bei anderen.

[Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen.]

Eine starke Macht in unserem Leben sind unsere Sehnsüchte. Sie sind etwas Gutes, denn sie treiben uns an. Aber es sind auch Punkte, an denen wir empfindlich sind. Versuchung ist da, wo wir mit Sehnsüchten kämpfen und das Vertrauen zu unserem Vater in Frage stellen. Auch das sollen wir im Gebet an ihn abgeben.

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.]

Zuletzt dreht sich das Leben aber nicht um mich. Ich bin nur Schauspieler auf seiner Bühne. Er ist ein mächtiger und herrlicher Gott, der mich staunen lässt. Auf seine Größe zu schauen statt auf die Sorgen meines Lebens, tut mir gut.

[Amen.]

Amen ist hebräisch und bedeutet „So sei es“. Ich stimme den Worten zu – nicht nur mit den Lippen, sondern mit all meinem Sein. Das Vaterunser ist mein persönliches Bekenntnis, mit dem ich Gott als Gott anerkenne – mit allen Konsequenzen. Er wird es gut machen.

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Das Vaterunser als Plakat mit persönlichen Anmerkungen > per Klick als pdf herunterzuladen

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Autorin Carolin Schanz ist dankbar für das Vaterunser. Weil es ihr Worte gibt, wenn sie selbst keine mehr findet.

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